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Meine Stadt Bettina Wulff: Brüche im Leben
Hannover Meine Stadt Bettina Wulff: Brüche im Leben
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00:22 24.09.2018
Bettina Wulff am Rande der Ministerpräsidentenkonferenz in Mainz im Jahr 2009. Quelle: picture-alliance/ dpa
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Hannover

Im November hat Bettina Wulff (44) den Start einer neuen Veranstaltungsreihe geplant, den „Expowal Salon“. Dort will sie als Gastgeberin gemeinsam mit Pastor Heino Masemann regelmäßig mit interessanten Persönlichkeiten sprechen, beim Auftakt am 20. November ist Bestsellerautor Bernhard Schlink („Der Vorleser“) eingeladen. Denkbarer Diskussionsansatz der Reihe: Brüche im Leben. Nun steht die ehemalige First Lady des Landes aber wegen einer ganz anderen Geschichte in Fokus: Sie soll sich betrunken ans Steuer eines Autos gesetzt und dann noch einen Unfall verursacht haben – die zweifache Mutter soll alleine im Wagen gewesen sein, als sie nahe ihres Wohnorts einen Alleebaum touchierte.

Dass es ein Ermittlungsverfahren wegen Trunkenheit am Steuer gegen sie gibt, das hat Thomas Klinge der NP Freitag Mittag bestätigt. Zu weiteren Details machte der Oberstaatsanwalt jedoch keinerlei Angaben. Nach NP-Informationen soll sich der Vorfall am Montagabend ereignet haben, der Unfall auf einer Landstraße bei Großburgwedel passiert sein.

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Am Nachmittag geht Wulff in die Offensive

Freitag Nachmittag ging Wulff dann in die Offensive – über ihren Verteidiger: „Meine Mandantin erklärt hierzu, dass sie einen Fehler gemacht hat, für den sie geradestehen wird. Im Übrigen werden wir uns aber zu einem laufenden Verfahren nicht äußern“, sagte Promi-Rechtsanwalt Christian Schertz.

PR-Expertin, First Lady, Buchautorin : Bettina Wulff führt ein abwechslungsreiches Leben – mit Höhen und Tiefen.

Besonders erschreckend ist, dass Polizisten bei der 44-Jährigen einen Atemalkoholwert festgestellt haben, der mehr als zwei Promille betragen haben soll. Bei den meisten Menschen löst dieser Wert erhebliche Sprech-, Gleichgewichts- und Orientierungsstörungen aus, es wird von einem Rauschzustand gesprochen und in den meisten Fällen den Betroffenen zu professioneller Hilfe geraten. Zum Rechtlichen: Das Strafgesetzbuch, in diesem Fall kommt der Paragraf 316 zum Tragen, sieht vor, dass ein Verstoß mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet werden kann. Welche Konsequenzen das Verhalten von Bettina Wulff haben wird, ist indes noch unklar, eine Anhörung seitens der Staatsanwaltschaft müsste aber als nächstes erfolgen.

Es kann auch anders laufen

Ein offizielles Amt hat die Ehefrau von Ex-Bundespräsident Christian Wulff (59) eher nicht zu verlieren. Da erging es der einstigen Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann (60) im Jahr 2010 anders – sie trat damals nach einer Alkoholfahrt, der Wert im Blut betrug 1,54 Promille, von allen Ämtern zurück. Es kann aber auch anders laufen: Drei Jahre später war der ehemalige Justizminister Niedersachsens, der CDU-Politiker Bernd Busemann, beim Einparken in der Südstadt einer Polizeistreife aufgefallen: Der Riecher der Beamten entpuppte sich als richtig: Busemann hatte 0,8 Promille. Aber: Der heute 66-Jährige wurde trotzdem nur wenige Tage später mit großer Mehrheit zum niedersächsischen Landtagspräsidenten gewählt.

Ab 1,6 Promille droht die MPU

Die Promillegrenzen im Straßenverkehr sind gesetzlich streng geregelt. „Grundsätzlich gilt 0,0 Promille Alkohol hinterm Steuer“, sagt Bernhard von Boehn, Anwalt für Verkehrsrecht in Hannover. Zu einer Ordnungswidrigkeit mit Geldbuße, zwei Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot kommt es ab 0,5 Promille (früher lag diese Grenze bei 0,8). Zeigt ein Autofahrer aber auch schon bei 0,3 Promille Ausfallerscheinungen, fährt Schlangenlinien oder verursacht einen Unfall, kann auch das schon zu Geldbußen und Fahrverbot führen. Heikel wird es ab 1,1 Promille: „Dann handelt es sich um eine Straftat“, so von Boehn. „Der Führerschein ist ein Jahr weg, man muss ein Monatsgehalt Strafe zahlen und bekommt drei Punkte.“ Ab 1,6 Promille kommt zu diesem Strafmaß noch die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) – „weil bei diesem Wert dem Fahrer grundsätzlich unterstellt wird, dass er Alkohol gewöhnt ist“, so der Verkehrsrechtler. Den Psychologen, der die „Fahreignung“ der betreffenden Person begutachtet, muss der Fahrer dann vom Gegenteil überzeugen.

Welchen Imageschaden Wulff davontragen könnte, ist unklar: Sie hatte einige Ehrenämter und Schirmherrschaften inne, viele davon drehten sich um Kinder und Jugendliche, außerdem war sie anlässlich des Reformationsjubiläums im Jahr 2017 Botschafterin für die Evangelische Kirche Deutschlands. Im vergangenen Jahr hat sie am Nikolaustag benachteiligten Kindern ihre Lieblingsweihnachtsgeschichte vorgelesen: „Pelle zieht aus“ von Astrid Lindgren.

Wulff hatte diese Geschichte auch ausgewählt, weil es darin um Respekt und Verzeihen geht.

Von Mirjana Cvjetkovic