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Meine Stadt Hannover: Kaninchen vernachlässigt – 1200 Euro Geldbuße
Hannover Meine Stadt Hannover: Kaninchen vernachlässigt – 1200 Euro Geldbuße
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16:00 23.04.2019
FOTO AUS DEN AKTEN: Zwergkaninchen „Blacky“ musste getötet werden, weil es wegen seiner langen Zähne nicht mehr fressen konnte. Repro: Quelle: Nagel
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HANNOVER

Erst die Spritze des Tierarztes erlöste Zwergkaninchen „Blacky“ von seiner qualvollen Existenz. Das Tier litt unter Auszehrung. Der Körper hatte schon auf die Fettreserven zurückgegriffen, um die mangelnde Nahrung zu ersetzen. „Blackys“ Besitzer wurde am Dienstag im Amtsgericht mit einer Geldbuße von 1200 Euro belegt. Jörn Ulrich (39, Name geändert) hatte es in neun Monaten nicht geschafft, dem Kaninchen die Schneidezähne schleifen zu lassen. Sie waren bereits in die linke Wange eingewachsen.

Nachbarn hatten den Straßenarbeiter angezeigt. Am 17. November 2017 wurde das Veterinäramt der Stadt Hannover bei ihm vorstellig. „Schon damals waren die Zähne zu lang“, sagte die Tierärztin vom Amt im Gericht aus. Nachbarn hatten beobachtet, dass es „Blacky“ an Futter und Wasser gefehlt habe. Also bekam der Angeklagte den Auftrag, mit dem Kaninchen zum Tierarzt zu gehen.

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Im März 2018 schickte das Veterinäramt eine Anhörung. Doch nichts geschah. „Wahrscheinlich war das Gebiss so geschädigt, dass das Tier die Nahrung nicht mehr richtig zerkleinern und somit auch nicht mehr verwerten konnte“, sagte die Tierärztin. Also wog „Blacky“ im Juli 2018 nur noch 1,67 Kilo. Normal sind zwei bis drei Kilo.

Übermäßiger Zahnwuchs bei Kaninchen

Der Angeklagte verteidigt sich: „Die Zähne sind immer wieder nachgewachsen. Das Tier konnte aber fressen.“ Er habe nicht gewusst, was schlimmer sei: Der Status Quo, oder alle paar Wochen zum Tierarzt zu gehen. Die Tierärztin bestätigte, dass es der übermäßige Zahnwuchs eine häufige Krankheit bei Kaninchen sei. Da könne es schon mal sein, dass man mit dem Tier im vier bis sechs Wochen Rhythmus zum Zähneschleifen müsse.

Bei der Obduktion des Kaninchen fanden die Pathologen Nahrung im Verdauungstrakt. Doch wie gesagt, das Tier konnte das Futter nicht mehr verwerten. Der Körper hatte schon die Fettzellen des Herzgewebes verwertet, so ausgemergelt war der Nager. Dazu der Besitzer: „Karotten konnte das Kaninchen nicht mehr fressen, aber Heu und Grünschnitt schon.“

Da sich die beiden anderen Tiere (ein weiteres Kaninchen und ein Meerschweinchen) des Angeklagten im guten Zustand befanden, meinte Richter Burkard Littger: „Sie sind nicht der Tierquäler schlechthin, aber Sie haben die Zeichen nicht richtig gedeutet. Und über längere Zeit haben Sie nicht um das Tier gekümmert.“ Der Richter stellte das Verfahren ein. Der Angeklagte muss allerdings 1200 Euro Geldbuße an den Tierschutzverein zahlen.

Von Thomas Nagel