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Meine Stadt Belästigungs-Vorwürfe bei der Polizei: „Mein Mandant soll zerstört werden“
Hannover Meine Stadt Belästigungs-Vorwürfe bei der Polizei: „Mein Mandant soll zerstört werden“
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18:13 27.03.2019
Zentrale Polizeidirektion Hannover: Ein Beamter wird anonym beschuldigt, gegen Polizistinnen sexuell übergriffig geworden zu sein. Quelle: NANCY HEUSEL
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Hannover

Wirbel um Belästigungs-Vorwürfe bei der Zentralen Polizeidirektion (ZPD): Nachdem zwei anonyme Schreiben, in denen einem Hundertschaftsführer sexuelle Übergriffe gegen Polizistinnen vorgeworfen werden, bereits bei der Staatsanwaltschaft gelandet sind, hat es nach Informationen der NP noch weitere den Mann belastende Beschwerden gegeben.

Zu angeblichen neuen Vorwürfen gegen den Hundertschaftsführer wollte sich die ZPD gestern auf Nachfrage nicht äußern. Während die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe in zwei anonymen Schreiben prüft, laufen bei der ZPD laut Pressesprecher Philipp Mantke „parallel dazu intern Verwaltungsermittlungen“. Der beschuldigte Beamte ist bis auf Weiteres in den Innendienst versetzt.

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Staatsanwaltschaft prüft anonyme Schreiben

Fest steht: Der Staatsanwaltschaft liegen gleich zwei Schreiben vor, in denen der Beamte beschuldigt wird, Mitarbeiterinnen sexuell belästigt zu haben. In den Briefen wird behauptet, der Hundertschaftsführer habe eine der Frauen während einer Feier am Rücken und am Gesäß berührt. Im zweiten Fall habe er einer Frau die Hand auf das Knie gelegt und sie trotz Aufforderung nicht weggenommen. Ob die Staatsanwaltschaft Ermittlungen einleitet, wird seitens der Behörde noch immer geprüft. „Zunächst geht es darum, ob hier inhaltliche Vorwürfe erhoben werden, aus denen sich ein Anfangsverdacht ergibt. Erst dann kann man sehen, welche Ermittlungen sich anbieten, um diesem Verdacht nachzugehen“, erklärt Staatsanwältin Kathrin Söfker. Dies sei bei anonymen Schreiben generell schwieriger, „weil man niemanden hat, bei dem man nachfragen kann“, so Söfker weiter.

„Vielleicht war es auch ein Mann“

Für Anwalt Matthias Waldraff, der die Verteidigung des Polizeibeamten übernommen hat, ist die Sache hingegen klar: Der Beschuldigte ist Opfer und nicht Täter. „Da will jemanden meinen Mandanten zerstören“, ist er überzeugt. Aufgrund der Anonymität der Briefe sei letztlich nicht einmal klar, ob es sich um eine oder mehrere Verfasserinnen handelt. „Ich halte alles für möglich. Vielleicht ist es auch ein Mann, der meinen Mandanten abschießen will“, so der Anwalt. Die Vorwürfe würden nicht nur den Ruf eines bislang „tadellosen Beamten“ zerstören, sondern auch der gesamten Polizei schaden. Waldraff: „Wer auch immer das durchgesteckt hat, soll aus der Deckung kommen. Dann wird herauskommen, dass mein Mandant das nicht getan hat.“ Der Polizeibeamte selbst hat Anzeigen wegen Verleumdung und vorsätzlicher Falschbeschuldigung erstattet.

Von André Pichiri