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Meine Stadt Behandlung von Mafia-Boss: MHH räumt Fehler ein
Hannover Meine Stadt Behandlung von Mafia-Boss: MHH räumt Fehler ein
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19:16 18.02.2020
Schwer bewaffnet: Auch am Dienstag patroullierten Polizisten mit Maschinenpistolen auf den Fluren der MHH. Quelle: Dröse
Hannover

Die Behandlung des mutmaßlichen montenegrinischen Mafia-Bosses Igor K. zieht weitere Kreise. Nachdem die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) für die medizinische Versorgung des Mannes massiv in die Kritik geraten war, räumt der Leiter der Unfallchirurgie nun Fehler ein.

In einem Schreiben an die Mitarbeiter, das der NP vorliegt und im Intranet der MHH veröffentlicht wurde, erklärt Christian Krettek, dass er am 3. Februar eine Anfrage einer Klinik aus Montenegro erhalten habe, Igor K. wegen multipler Schussverletzungen zu behandeln. Das Krankenhaus in Podgorica selbst verfüge nicht über die entsprechenden Möglichkeiten, den Mann zu behandeln. Krettek betont in dem Schreiben, dass solche Anfragen nicht unüblich seien, da die MHH für ihre Versorgungskompetenz bekannt sei. Nicht auszuschließen ist jedoch auch, dass sich die Fähigkeiten Kretteks wegen der Behandlung eines anderen Montenegriners im kleinen Adria-Staat herum gesprochen haben. 2005 operierte er Ex-Fußball-Star Dejan Savicevic, der sich bei einem Motorradunfall schwerste Verletzungen zugezogen hat.

Informationen „zu spät“ weitergeleitet

„Nach Abklärung von medizinischen Fragestellungen und zur Kostenübernahme ist dieser Patient am Freitag, 7. Februar, in die Notaufnahme der MHH eingeliefert worden“, heißt es im weiteren Verlauf des Schreibens. Erst bei der Ankunft sei man darüber informiert worden, dass der Aufenthalt von Igor K. im montenegrinischen Krankenhaus von einem großen Polizeiaufgebot geschützt worden sei. Deswegen habe man 19 Minuten nach Ankunft des Mannes in der MHH die Polizei informiert. „Anfangs hat die Polizei den Patienten mit zwei Beamten geschützt, ein Vorgang der weder selten noch ungewöhnlich ist. Als der Patient ab Montag, 10. Februar, von SEK-Beamten beschützt wurde, habe ich unseren Vizepräsidenten, Dr. Tecklenburg, um 21.24 Uhr über den gesamten Vorgang unterrichtet. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass das leider zu spät erfolgt ist“, räumt Krettek ein.

Marco Genthe (FDP) ist überzeugt: „Spätestens als feststand, dass Igor K. mit mehreren Schussverletzungen eingeliefert wird, hätte die MHH darüber nachdenken müssen, dass es sich dabei um ein schwere Kriminalität handelt.“ Weil man dem mutmaßlichen Mafia-Boss vorwirft, in Montenegro an Drogen- und Menschenhandel beteiligt zu sein, müsse sich die MHH auch fragen, ob die Aufnahme des Patienten aus moralischen Gründen vertretbar sei. „Das Geld stammt aus schweren Verbrechen“, sagt Genthe mit Nachdruck. Der Liberale forderte weitere Aufklärung –noch immer seien wesentliche Fragen unklar. Auch, weshalb Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) erst so spät Kenntnis von dem Aufenthalt des mutmaßlichen Mafia-Bosses erlangt habe. „Es müssen definitiv die Strukturen überprüft werden“, zeigt sich der FDP-Mann überzeugt.

Landesregierung unterrichtete Abgeordnete am Montag

Thümler hatte am Montag deutlich gemacht, dass er erst mehrere Tage nach der Aufnahme von Igor K. von MHH-Vizepräsident Andreas Tecklenburg über den Sachstand informiert worden war. Am Montag will der Minister die Abgeordneten gemeinsam mit Innenminister Boris Pistorius (SPD) in einer Ausschusssitzung über die Behandlung des mutmaßlichen Mafia-Bosses unterrichten.

Auch für die CDU scheinen dabei wesentliche Fragen ungeklärt zu sein. Neben der Kritik, dass die Steuerzahlung für den Schutz der MHH aufkommen müssen und Igor K. niemals in der MHH hätte behandelt werden dürfen, haben sie ähnlich wie die FDP einen umfangreichen Fragenkatalog vorbereitet. „Gemeinsam mit den zuständigen Stellen der Landesregierung wollen wir alle Hintergründe lückenlos aufklären, die zu der Behandlung eines mutmaßlichen Clan-Kriminellen in der MHH und dem immensen Polizeiaufgebot geführt haben“, betonte Jörg Hilmer. Es soll unter anderem geklärt werden, welche finanziellen Vorteile die MHH durch die Behandlung von Igor K. hat, ob sie die Behandlung hätte ablehnen können und ob eine Kostenübernahme des Polizeieinsatzes durch den Patienten realisierbar sei.

Derweil pflichten andere Ärzte der MHH Kretteks Entscheidung bei. Axel Haverich, Leiter der Transplationsklinik, kritisierte, dass man nicht vor jeder Behandlung eines Ausländers klären könne, ob dieser vorbestraft sei. Benno Ure, Direktor der Kinderklinik, betonte: „Wir sind dem hippokratischen Eid verpflichtet: Patienten werden ungeachtet ihrer Person nach ethischen und berufsrechtlichen Grundsätzen alle gleich behandelt.“

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Von Mandy Sarti und Mirjana Cvjetkovic

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