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Meine Stadt Bank warnt: 2100 Firmen in Region Hannover brauchen bald Unternehmer-Nachfolger
Hannover Meine Stadt Bank warnt: 2100 Firmen in Region Hannover brauchen bald Unternehmer-Nachfolger
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00:17 22.09.2017
BERATER: Michael König (links) und Gregor Pierzyna vor der Niederlassung ihrer Bank hinter der Oper in Hannover.
BERATER: Michael König (links) und Gregor Pierzyna vor der Niederlassung ihrer Bank hinter der Oper in Hannover. Quelle: Foto: Petrow
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HANNOVER

Hallo, wir haben ein Problem: Wer führt die Firma fort? Gehen der Region die Unternehmer aus? Antworten werden bundesweit gesucht – wie drängend das Problem in der Region Hannover ist, hat die Hypovereinbank analysiert, dafür Statistiken und ihre Beratungspraxis betrachtet. Erkenntnis: Bis ins Jahr 2025 muss in der Region für etwa 2100 Firmen mit rund 120 000 Beschäftigten die Nachfolge geregelt werden.

Gregor Pierzyna, Leiter der Niederlassung Hannover, hat registriert: „Die Risikobereitschaft, als Unternehmer tätig zu werden, sinkt.“ Dazu komme: Es gibt immer mehr ältere Menschen, immer weniger junge. Da tut sich zunehmend eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage auf.

Diese Lücke hat sich quasi umgedreht – das war absehbar, doch vor 2012 war es okay: Es gab mehr Menschen, die sich dafür interessierten, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen, in irgendeiner Form. Seit fünf Jahren läuft die Sache mit der Nachfolge für den alternden Gründer dramatisch in die falsche Richtung: zuletzt ließen sich bundesweit gut 1500 potenzielle Nachfolger weniger beraten, als Senior-Unternehmer jemanden suchten, der ihr Werk fortführt (laut DIHK-Report im Jahr 2015).

Michael König, Niederlassungsleiter der Bank für den Nord-Westen: „Übernahme – das geht nicht von heute auf Morgen, damit muss man sich gedanklich befassen, darf nicht zu spät in solch einen Überlebensprozess einsteigen. Ein Unternehmer muss auch loslassen können!“ Den einen Weg dafür gebe es nicht – wenn es familienintern nicht gehe, könnten etwa ein Verkauf an Dritte, ein Einstieg des eigenen Managements oder externer Manager und Investoren eine Möglichkeit sein. Mischformen seien dabei ein Weg, der wohl künftig häufiger gegangen werden wird, vermuten die Banker.

Pierzyna kennt „genügend Fälle, wo die Tochter Lehrerin, der Sohn Klavierspieler ist und keiner Interesse für die Firma hat. Da sagt der Vater irgendwann: Mir reichts, ich verkaufe!“ Er rät: „Eine frühzeitige und strategiesche Planung der Übergabe ist wichtig – so banal das auch klingt!“ Im Erbfall sei nur ein verschwindend geringer Teil „einwandfrei geregelt“, berichtet das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) – das gilt aus Bankersicht auch für Firmen, wo der Senior (vielleicht gar nicht so unerwartet) abtritt.

Von Ralph Hübner