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Meine Stadt Karstadt-Kaufhof: Fällt jede fünfte Stelle weg?
Hannover Meine Stadt Karstadt-Kaufhof: Fällt jede fünfte Stelle weg?
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07:01 01.02.2019
PROBLEMFALL: Die Kaufhof-Filiale an der Marktkirche hat derzeit gut ein Drittel der Fläche im Untergeschoss an Restpostenhändler „Saks off 5th“ abgegeben. Das sorgt für Kundschaft, aber nicht für eigene Einnahmen. In der Filiale am Ernst-August-Platz läuft das Geschäft gut. Quelle: Foto: Wallmüller
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Hannover

Freundlichkeit gegenüber Kunden ist das oberste Gebot. Das lernen Auszubildende im Einzelhandel schon am ersten Tag. Lächeln also – auch wenn es schwerfällt. Wie gerade den Mitarbeitern der beiden Kaufhof-Filialen. Wie es in ihren Häusern nach der Fusion mit Karstadt weitergeht, weiß noch niemand. „Vielleicht im Februar können wir zu einer Versammlung einladen“, sagt Mark Philipp Poblete, Betriebsratschef in der Galeria Kaufhof an der Marktkirche.

Erst jetzt hat eine Meldung aus Berlin seine Kollegen aufgeschreckt. Besorgt sind die meisten; sie bangen um ihre Zukunft. Der Aufsichtsrat hat das Sanierungskonzept der neuen Warenhausholding beschlossen. 2600 Vollzeitstellen werden bei Kaufhof gestrichen. Das ist etwa jede fünfte Stelle. Wegen der hohen Teilzeitquote sind die Jobs von 4000 bis 5000 Mitarbeitern in Gefahr.

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Zum neuen Konzern gehören 95 Kaufhof-Häuser und 80 Karstadt-Filialen. Die beiden Marken sollen bleiben. Karstadt-Eigentümer Signa (unter Führung des österreichischen Unternehmers René Benko) hält 50,01 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit der Kaufhof-Mutter Hudson‘s Bay. Geführt wird die Holding von Stephan Fanderl, bisher Karstadt-Vorstandsvorsitzender.

Der neue Chef hat sich schon Mitarbeitern vorgestellt. Er bezeichnete das Sanierungsprogramm als "Rettungsmaßnahme". Wegen der wirtschaftlichen Schieflage von Kaufhof sei ein Ausstieg aus der Tarifbindung „alternativlos.“ Gleichzeitig macht er den Beschäftigten Mut: Die wirtschaftliche Gesundung des Karstadt-Warenhauses habe gezeigt, dass langfristig eine Wende zum Besseren möglich ist. Standort-Schließungen will er auch dort vermeiden, wo der Konzern doppelt präsent ist.

Aber zu welchem Preis? In Berlin haben sich René Benko, Stephan Fanderl, die Gesamtbetriebsratschefs Peter Zysik (Kaufhof) und Jürgen Ettl (Karstadt) und ihre Stellvertreter sowie der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske und Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger getroffen. Von Verdi heißt es über das Gespräch: Die Signa-Holding erwarte von den Kaufhof-Beschäftigten einen Beitrag in Höhe von 70 Millionen Euro zur Sanierung des Unternehmens. Sie wolle ihrerseits im Frühjahr eine Finanzspritze in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags zur Stützung von Kaufhof bereitstellen.

Nutzenberger zu Position der Gewerkschaft: „Wir brauchen eine Beschäftigungs- und Standortsicherung – auch für die 40 Doppelstandorte und ein Bekenntnis zur Tarifbindung. Dann sind wir bereit, über ein Zukunftskonzept zu verhandeln."

Die Tarifkommissionen von Kaufhof und Karstadt sollen noch im Februar zu Beratungen zusammenkommen. Fanderl hat angeblich schon einen Umbau-Plan für die nächsten 24 Monate entworfen. Stärker als bisher will er sich auf klassische Sortimente wie Damenoberbekleidung, Wäsche, Strümpfe, Lederwaren konzentrieren. Mit Lebensmittelhändlern oder Drogerien kann er sich Kooperationen vorstellen. Auch die Einrichtung einer Kita im Warenhaus sei möglich.

Restpostenhändler Saks off 5th wird nach NP-Info bis Mai in der Filiale an der Marktkirche sein. Dann soll er mit Look&Viel von Karstadt zur Marke Dress-for-Less gebündelt werden.

Von Vera König