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Meine Stadt „Balkonmonster“ wird entlassen – er sei ungefährlich
Hannover Meine Stadt „Balkonmonster“ wird entlassen – er sei ungefährlich
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16:07 08.06.2018
Der Vergewaltiger Hans-Joachim B. wird nach der Urteilsverkündung im Landgericht Hannover von Vollzugsbeamten abgeführt. Quelle: Archiv
Hannover

Hans-Joachim B. (55) hat bundesdeutsche Kriminalgeschichte geschrieben. Die Boulevard-Presse titulierte ihn als „Balkonmonster“. Zwischen November 1999 und Oktober 2000 ist er in die Wohnung von zehn Frauen in Hannover und Hamburg eingebrochen. Sechs seiner Opfer vergewaltigte er teilweise mehrfach und anschließend raubte er die Frauen aus. Aus Justizkreisen heißt es nun: „Der Mann kommt bald frei.“ Derzeit sitzt B. In Moringen (Kreis Göttingen) im Maßregelvollzugszentrum. Da ein forensischer Psychiater bei dem Verurteilten keine Gefährlichkeit mehr annimmt, steht der Entlassung nichts mehr entgegen.

Angeklagter sei Gefahr für die Allgemeinheit

Vor ziemlich genau 17 Jahren wurde B. Im Landgericht Hannover zu 13 Jahren Haft verurteilt. Ein Psychiater hatte dem Angeklagten eine „krankhafte sadistische Entwicklung“ attestiert. Der Mann sei gefährlich für die Allgemeinheit. Hans-Joachim B. Leide unter einer aufgespaltenen Persönlichkeit. Einerseits habe er beruflichen Erfolg. Andererseits habe er eine verborgene Aggressivität gegenüber Frauen, die er quälen wolle. Richter Bernd Rümke meinte damals: Eine Entlassung des Verurteilten könne nur dann erfolgen, wenn dadurch kein Risiko mehr für Frauen bestehe.

Langwierige Suche nach dem Vergewaltiger

Im Jahr 2000 jagte die Polizei das „Balkonmonster“ zeitweise mit 400 Beamten. Viele Frauen in Norddeutschland hatten Angst vor dem mit einer Sturmhaube maskierten Mann. Letztendlich fassten zwei Polizisten den Vergewaltiger eher zufällig in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 2000 in Langenhagen. Ihnen war der Transporter aufgefallen, in dem B. sein letztes Opfer gefangen hielt. Der gelernte Maschinenschlosser war als Kurierfahrer angestellt. Er kam viel herum und nutzte die Gelegenheiten, um seine Opfer auszuspionieren. Die meisten Frauen ähnelten vom Typ her der damaligen Lebensgefährtin des Verurteilten.

Freigang für Hans-Joachim B.

Nach NP-Informationen durfte Hans-Joachim B. sein neues Leben schon erproben. „Er hat Hafterleichterungen“, heißt es. Das bedeutet Freigang. Über die Bewährungsauflagen muss das Landgericht Göttingen entscheiden. Derzeit gibt es noch Diskussionen, unter welchen Auflagen der Vergewaltiger entlassen werden soll.

Der Mann sitzt seit 17 Jahren im Maßregelvollzug. Kommt er jetzt frei, wird ihm das letzte Drittel der Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt – unabhängig von der Dauer des Maßregelvollzugs. Aus Justizkreisen heißt es: „Er bleibt auch nach der Entlassung in der engmaschigen Überwachung.“

Thomas Nagel