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Meine Stadt Hannover: „Balkonmonster“ ist wieder frei
Hannover Meine Stadt Hannover: „Balkonmonster“ ist wieder frei
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00:17 25.07.2018
Quelle: Thomas
Hannover

Einer der schlimmsten Sexualverbrecher der bundesdeutschen Kriminalgeschichte ist wieder in Freiheit. Hans-Joachim B. (55), von der Boulevard-Presse als „Balkonmonster“ tituliert, wurde vom Landgericht Göttingen aus der Psychiatrie in Moringen (Kreis Göttingen) entlassen. „Er hat eine Wohnung und geht einer Arbeit nach“, sagte Viktoria Paulin, Sprecherin des Landgerichts Göttingen.

Hans-Joachim B. war im Juni 2001 im Landgericht Hannover zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Von November 1999 bis Oktober 2000 war er über die Balkone in die Wohnungen von zehn Frauen in Hannover und Hamburg eingebrochen. Maskiert mit einer Sturmhaube vergewaltigte er sechs seiner Opfer und raubte sie auch noch aus. In der Nacht vom 29. zum 30 Oktober 2000 wurde der Vergewaltiger eher zufällig von zwei Polizisten in Langenhagen gefasst. Zeitweise jagte die Polizei in Hannover und Hamburg den Täter mit 400 Beamten.

Ein Psychiater hatte dem Angeklagten eine „krankhafte sadistische Entwicklung“ attestiert. Der Mann sei gefährlich für die Allgemeinheit. Das Landgericht unter Vorsitz von Richter Bernd Rümke sah eine verminderte Schuldfähigkeit. Hans-Joachim B. kam in den Maßregelvollzug nach Moringen. Im Laufe der vielen Jahre wurde der Vollzug für den Serienvergewaltiger immer mehr gelockert. So habe er seit Anfang 2017 eine eigene Wohnung, in der er zunächst tageweise wohnen durfte, so die Gerichtssprecherin. Dabei habe er sich gut geführt. Zudem stellte ein forensischer Psychiater fest, dass von B. keine Gefahr mehr ausgehe.

Somit konnte dem ehemaligen Kurierfahren das letzte Drittel seiner 13-jährigen Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. „Die Bewährungszeit beträgt fünf Jahre“, sagt Viktoria Paulin. Das ist die längste Bewährungsfrist. Lässt sich B. in dieser Zeit wieder etwas zu Schulden kommen, wird die Bewährung widerrufen. Das gilt auch, sollte er gegen die Bewährungsauflagen verstoßen. „Er muss jeden Wechsel seines Wohnsitzes melden“, sagt die Gerichtssprecherin. Ferner müsse er sich regelmäßig in der psychiatrischen Ambulanz in Moringen melden. Und zwar so lange, wie es die Ärzte für nötig halten.

Für fünf Jahre steht Hans-Joachim B. auch noch unter Führungsaufsicht. Der Gesetzgeber hat dieses Instrument eingeführt, um Straftäter von weiteren Verbrechen abzuhalten. So kann ein Kinderschänder angewiesen werden, sich nicht in der Nähe von Kindergärten aufzuhalten. Über die genauen Auflagen für Hans-Joachim B. konnte die Gerichtssprecherin nichts sagen, weil die „Akten zur Generalstaatsanwaltschaft unterwegs“ seien.

Von Thomas Nagel

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