Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: „Balkonmonster“ darf sich wieder frei bewegen
Hannover Meine Stadt Hannover: „Balkonmonster“ darf sich wieder frei bewegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:20 23.03.2019
BILD EINER VIDEOKAMERA: Es zeigt Hans-Joachim B. wie er mit einer geraubten EC-Karte Geld abhebt.
BILD EINER VIDEOKAMERA: Es zeigt Hans-Joachim B. wie er mit einer geraubten EC-Karte Geld abhebt.
Anzeige
HANNOVER

Als Serienvergewaltiger hat Hans-Joachim B. (57) Kriminalgeschichte geschrieben. Weil er über Balkone in die Wohnungen seiner Opfer einbrach, wurde er auch als „Balkonmonster“ bezeichnet. Im Juni 2001 wurde B. in Hannover zu 13 Jahren Haft verurteilt. Als psychisch gestörte Person kam er in den Maßregelvollzug nach Moringen (Kreis Göttingen). 2018 wurde er aus der Psychiatrie entlassen.

Keine weiteren Auflage nötig

Wenn alles gut läuft, dürften sich die Akten der Justiz jetzt endgültig in diesem Fall schließen. „Die Strafvollstreckungskammer hat sich gegen mobilitätseinschränkende Maßnahmen entschieden“, erklärte Viktoria Paulin, Sprecherin des Landgerichts Göttingen. So darf Hans-Joachim B. ohne Zustimmung der Führungsaufsicht seinen Wohnort verlassen und auch seinen Wohnsitz frei wählen. Eine Veränderung seines Wohnsitzes müsse er den Behörden aber mitteilen. Da er eine gute Prognose und einen Beruf habe, seien keine weiteren Auflagen nötig, entschied das Gericht.

Staatsanwaltschaft hatte Beschwerde eingelegt

Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte 2018 Beschwerde beim Oberlandesgericht (OLG) gegen diese Entscheidung eingelegt (NP berichtete). Das OLG bemängelte dann auch, dass das Landgericht Göttingen nicht begründet habe, warum der Mann keiner Mobilitätseinschränkung unterliege und verwies den Fall nach Göttingen zurück.

Gerichtssprecherin Paulin verweist darauf, dass sich Hans-Joachim B. regelmäßig bei seiner Bewährungshelferin und in der psychiatrischen Ambulanz der Klinik in Moringen melden müsse. Insofern unterliege er einer engmaschigen Kontrolle.

Sechs Opfer vergewaltigt

Der Serienvergewaltiger war 1999 und 2000 bei zehn Frauen in Hannover und Hamburg eingebrochen. Sechs seiner Opfer vergewaltigte er, und raubte sie anschließend aus. Opfer erzählten, dass er Spaß an ihrer Qual gehabt habe. Im Prozess bescheinigte ein Psychiater dem Angeklagten eine „krankhafte sadistische Entwicklung“. Der Mann sei „gefährlich für die Allgemeinheit“. Er leide zudem unter einer gespaltenen Persönlichkeit, mit beruflichem und persönlichen Erfolg auf der einen Seite und einer verborgenen Aggressivität gegen Frauen, die er habe quälen wollen.

Als Kurierfahrer aus Hamburg war B. damals viel unterwegs. Teilweise beobachtete er über einen längeren Zeitraum das Umfeld seiner Opfer, bevor er bei ihnen einstieg. Vor diesem Hintergrund ist die Beschwerde der Staatsanwaltschaft Hannover zu verstehen.

Seit 2017 auf Freiheit vorbereitet

Seit Anfang 2017 wurde der psychisch gestörte Mann auf seine Freiheit vorbereitet. Er durfte tageweise in einer Wohnung außerhalb der Klinik leben. Da das alles gut geklappt hatte, wurde er in 2018 entlassen.

Mann gilt als nicht mehr gefährlich

Er gilt laut eines psychiatrischen Gutachtens als nicht mehr gefährlich. Aus diesem Grund wurde das letzte Drittel seiner 13-jährigen Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Zudem steht er unter Führungsaufsicht. Sie dauert fünf Jahre mit Beginn der Entlassung. Die Führungsaufsicht ist ein Instrument, mit dem der Gesetzgeber Verbrecher vor Rückfällen bewahren will.

Von Thomas Nagel