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Meine Stadt Mit PS gegen Fahrverbote: Tunerszene macht sich stark fürs Auto
Hannover Meine Stadt Mit PS gegen Fahrverbote: Tunerszene macht sich stark fürs Auto
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19:40 26.10.2019
PROTEST: Auf dem Opernplatz trafen sich am Sonnabend Gegner von Diesel-Fahrverboten und Tempolimits. Quelle: Nancy Heusel
HANNOVER

Auf Plakate hat man im Wesentlichen verzichtet. Da kann es schon mal passieren, dass es zu Verwechslungen kommt. „Vorhin hat jemand gefragt, ob das hier eine Oldtimer-Ausstellung ist“, sagt Arton Hiseni und lacht. Der 24-Jährige hat am Samstag in Hannover auf dem Opernplatz die Auto-Demonstration gegen Diesel-Fahrverbote, Tempolimits auf Autobahnen und eine Co2-Steuer organisiert, rund 50 Mitstreiter sind dem Aufruf mit ihren Fahrzeugen gefolgt. Sie lenken vor allem PS-starke und aufgemotzte Marken wie BMW, Mercedes, Audi. Aber auch Golfs und ein alter Bulli sind angerollt.

Die Teilnehmer gehören überwiegend zur Tuning World Hannover, einer lockeren Gemeinschaft von jungen Tuning-Freunden zwischen 18 und 30 Jahren, die sich sonst jeden Freitag bei gutem Wetter zum angeregten Autofrickler-Austausch auf dem Messegelände trifft. Dort hat man sich in den vergangenen Wochen und Monaten auch häufig über die Fridays-for-Future-Demos unterhalten, die drohende Co2-Steuer, Dieselfahrverbote und Tempolimits auf Autobahnen – alles Themen, die die Tuning-Szene bewegen. „Wir wollten nicht mehr nur still auf dem Messegelände sitzen, sondern selbst was machen“, erklärt Hiseni (fährt einen Mercedes mit 224 PS). „Wir wollen ein Gegengewicht zu Fridays for Future bilden und zeigen: Es gibt noch andere.“

Tempolimit überflüssig?

Seine Kritik an den Klimastreiks der Schüler: „Das sind vor allem Kinder und Jugendliche, die noch nie einen Tag gearbeitet haben und auch nicht wissen, wie wichtig es in ländlichen Gegenden ist, ein Auto zu haben – etwa um zur Arbeit zu fahren“, sagt Hiseni. Zudem würden viele seiner Kumpel auch in der Autoindustrie arbeiten, in der aktuell auch wegen der verstärkten Einführung der Elektromobilität Stellenabbau droht. „Wir können doch nicht von heute auf morgen alles ändern und alles auf die Autoindustrie abwälzen“, erklärt der 24-Jährige. Ein Tempolimit auf Autobahnen halten Hiseni und die Tuner-Szene für überflüssig. „Wenn wir immer mehr Gesetze bekommen, wo bleibt denn da die Freiheit“, sagt einer.

Wenig Alternativen zum Auto

Man sehe ja durchaus ein, dass man zu einer Verkehrswende kommen müsse, ergänzt Arthur Fix (21, 5er BMW, 230 PS). Das Thema sei schon lange in der Autoindustrie angekommen. „Die Hersteller machen ja schon sehr viel.“ Die Frage sei, wie und in welchem Tempo man diese umsetzen könne. Und was die Alternativen seien: „Der öffentliche Nahverkehr ist für viele keine Lösung, weil die Verbindungen zu schlecht sind.“

Fridays for Future kennt mittlerweile fast jeder. Jetzt formiert sich Protest gegen die jugendlichen Klimaschützer: Autofahrer protestierten am Sonnabend gegen Dieselfahrverbote, Co2-Steuer und Tempolimits auf Autobahnen.

Das kann Enrico Lischpar (21, VW Bora, 105 PS) nur bestätigen: Er lebt in Hameln und arbeitet in Ronnenberg. Jeden Tag brauche er pro Strecke 40 bis 50 Minuten mit dem Auto zu seiner Arbeitsstelle, mit öffentlichen Verkehrsmitteln würde es deutlich länger dauern. „Und wenn ich Früh- oder Spätschicht habe, wäre es extrem schwierig, überhaupt mit Öffis zur Arbeit zu kommen.“ Er fahre zwar gerne Auto. „Aber wenn ich die Möglichkeit hätte, das realistisch mit Bus und Bahn hinzukriegen, würde ich das machen.“

Die Demo am Sonnabend war der Auftakt für die Autotuner. In diesem Jahr planen sie keine weiteren Aktionen. Im kommenden Jahr allerdings soll es weitergehen, dann will man sich bundesweit mit anderen Autofreunden zusammentun und größere Aktionen starten.

Von INKEN HÄGERMANN

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