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Meine Stadt Automatenbande: Staatsanwaltschaft fordert hohe Haftstrafen
Hannover Meine Stadt Automatenbande: Staatsanwaltschaft fordert hohe Haftstrafen
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20:12 30.10.2019
Lange Haftstrafen drohen: Marcel H. (links) und Dimitrios F. sollen Fahrkartenautomaten in die Luft gesprengt haben (mit ihren Anwälten Tanja Brettschneider und Matthias Doehring) Quelle: Thomas Nagel
Hannover

Im Prozess der Automaten-Sprenger drohen den Angeklagten teils hohe Haftstrafen. Für drei der vier Männer forderte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch zwischen fünf Jahre und vier Monate sowie drei Jahre und sechs Monate Gefängnis, für den vierten Mann ein Jahr auf Bewährung. Zu einem ganz anderen Schluss kamen die Verteidiger in ihren Plädoyers.

Herbeiführen einer Sprengstoff-Explosion, gewerbsmäßiger Bandendiebstahl und Sachbeschädigung – allein die Anklagepunkte verdeutlichen, dass es hier um alles andere als einen Dummejungenstreich mit Silvesterknallern geht. Insgesamt sieben Taten werden dem Quartett in unterschiedlichen Besetzungen vorgeworfen. Das Vorgehen war stets ebenso einfach wie brachial. Mit sogenannten Pollenböllern sprengten die Männer Fahrkarten-Automaten in der Region, um an die Geldkassetten zu gelangen. So erbeuteten die Männer zwischen Januar und März rund 18.000 Euro und richteten an den Automaten einen Schaden von circa 200.000 Euro an.

Zweifel an Geständnis

Für die Staatsanwaltschaft gilt als erwiesen, dass Dimitrios F. (27) bei allen sieben Taten den „Sprengmeister“ gegeben hatte. Sie forderte eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Er selbst gestand bislang allerdings nur vier Taten, die übrigen drei schrieb ihm Mittäter Schajan T. (22) in einem umfangreichen Geständnis zu. Hier hakte F.s Verteidiger Dimitrios Kotios in seinem Plädoyer ein. Demnach hätte T. lediglich die Chance genutzt, mit seinem Geständnis aus der U-Haft entlassen zu werden. Stimmen müssten die Aussagen deswegen aber noch lange nicht. Vielleicht, so die Vermutung des Anwalts, hatte T. „sehr gute Gründe, die Personen nicht zu nennen, die bei den übrigen drei Taten tatsächlich dabei waren“.

Brachiales Vorgehen: Um an die Geldkassetten zu gelangen, sprengten die Männer die Fahrkartenautomaten mit Polenböllern. Quelle: dpa

Drogenkonsum mit Taten finanziert

Zudem müsse die Drogen- und Alkoholsucht F.s im Strafmaß berücksichtigt werden. Tatsächlich bescheinigte ein psychologisches Gutachten dem Mann eine krankhafte Abhängigkeit. Eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wäre demnach sinnvoll. Der Angeklagte selbst gab an, die Taten zu Finanzierung seiner Sucht begangen zu haben. Kokain, Cannabis und Alkohol hätten den Alltag des Arbeitslosen bestimmt. Ein sehr ähnliches Bild zeichnete Psychologin Susanne Behrens von Marcel H. (34), für den die Staatsanwaltschaft drei Jahre und sechs Monate Haft forderte. Er soll für zwei Taten die Böller besorgt und bei einer weiteren selbst beteiligt gewesen sein. Auch er ist alkohol- und drogenabhängig, hat zudem ein ellenlanges Strafregister mit 23 Taten. Um aus dem Kreislauf aus Drogensucht und Beschaffungskriminalität, plädierten die Anwälte beider Männer auf die Unterbringung im Maßregelvollzug mit Therapie. Eine Einschätzung, der die Staatsanwaltschaft jedoch nicht folgte. Bei H. käme beim Strafmaß noch erschwerend hinzu, dass er zum Tatzeitpunkt Freigänger im offenen Vollzug war. „Sie haben das Vertrauen der Justiz schamlos ausgenutzt“, so die Staatsanwältin.

Für Schajan T., der in sechs Fällen das Fluchtauto gefahren haben soll, forderte die Staatsanwaltschaft fünf Jahre Haft. Deutlich zu viel, wie sein Verteidiger Matthias Kracke angesichts des frühzeitigen Geständnisses monierte. „Damit hat mein Mandant Aufklärungshilfe in einem erheblichen Maß geleistet. Das muss im Strafmaß berücksichtigt werden“, sagte er und plädierte auf maximal zwei Jahre und sechs Monate.

Urteil am 8. November

Der vierte Angeklagte, Aziz T. (22) räumte ein, lediglich bei einer Tat mitgefahren zu sein. Das Auto habe er aber nicht verlassen und auch sonst nichts mit der Tat zu tun gehabt, was die Mitangeklagten bestätigten. Trotzdem stufte die Staatsanwaltschaft den Entschluss, seine Freunde zum Tatort zu begleiten, als „psychische Mithilfe“ ein. Der Anwalt des 22-Jährigen sah das ganz anders und forderte Freispruch. „Wo soll hier eine strafrechtliche Beteiligung vorliegen?“, fragte er. „Das bloße Mitfahren im Auto reicht da nicht aus.“ Auch über diesen Punkt muss nun der Richter entscheiden. Das Urteil wird voraussichtlich am 8. November gesprochen.

Von André Pichiri

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