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Meine Stadt Aussteigerin blickt zurück: „Kongresse der Zeugen Jehovas sind ein großer Heiratsmarkt“
Hannover Meine Stadt Aussteigerin blickt zurück: „Kongresse der Zeugen Jehovas sind ein großer Heiratsmarkt“
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19:27 05.07.2019
Margit Ricarda Rolf Quelle: Privat
Hannover

1989 trat sie als damals 34-Jährige in die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas ein. Zwölf Jahre später stieg sie wieder aus. Heute ist Margit Ricarda Rolf (65) aus Hamburg eine der größten Kritikerinnen der religiösen Organisation und betreibt einen Blog, der anderen Menschen beim Ausstieg helfen soll. Entsprechend deutlich fällt ihr Urteil über den Sommerkongress in Hannover und die Zeugen Jehovas allgemein aus.

An ihre eigenen Sommerkongresse kann sich Rolf noch gut erinnern. Neben Gesang, Gebet und Gemeinschaft haben diese Veranstaltungen bei ihr allerdings noch einen ganz anderen Eindruck hinterlassen. „Im Grunde genommen sind diese Kongresse eine Art großer Heiratsmarkt“, sagt sie. Das habe einen einfachen Grund. Freundschaftliche Kontakte dürfen Kinder und Jugendliche im Alltag nur innerhalb der Religionsgemeinschaft knüpfen. In den heimischen Gemeinden, die die Zeugen Jehovas Versammlungen nennen, hat der Nachwuchs aber oft nur zu zwei oder drei Gleichaltrigen des anderen Geschlechts Kontakt. „Also sind die nationalen und internationalen Kongresse oft die einzige Chance für die jungen Leute, jemanden kennenzulernen. Deshalb putzt man sich da auch besonders heraus“, sagt Rolf.

Freiwilligendienst stärkt den guten Ruf

Gut aussehen allein reiche aber nicht. Eine gute Partie zeichnet sich durch ehrenvolles Auftreten einen guten Ruf und Engagement für die Gemeinschaft aus. Dieses können Jugendliche bei Kongressen durch Mitwirkung im Freiwilligendienst unter Beweis stellen, in dem sie sich Jugendliche als Ordner, Beauftragte für Erste Hilfe oder für den Reinigungsdienst bewerben. „Die Klos zu putzen ist beispielsweise die Arbeit einer vorbildlichen Schwester“, versichert Rolf mit Rückblick auf ihre zwölf Jahre bei Jehovas Zeugen. Junge Männer teile man auch gern ein, um die Spendendose am Ausgang zu bewachen. Laut Veranstalter gibt es beim aktuellen Kongress in der Tui-Arena allerdings keine Geldsammlung.

Die Angst vor dem Weltuntergang

Rolf selbst lässt kein gutes Haar an der Glaubensgemeinschaft. „Aus meiner heutigen Sicht ist das eine Sekte“, stellt sie klar und berichtet von einer theokratischen Struktur mit strenger Hierarchie, Kontrolle, Indoktrination der eigenen Glaubensmaßstäbe und „menschenunwürdiger Bestrafung“. Wer sich falsch verhält, dem werden Aufgaben in der Versammlung entzogen. „Diese Aufgaben sind aber Privilegien. Ohne sie sinkt man im Ansehen gegenüber den anderen Mitgliedern. Im schlimmsten Fall wird man ausgegrenzt, nicht mehr eingeladen.“ Dazu komme das ständige schlechte Gewissen, gesündigt zu haben und insbesondere bei Kindern die Angst vor dem Weltuntergang.

2001 ist die Hamburgerin ausgestiegen. 2004 gründete sie den Blog Zeugen-Jehovas-Ausstieg. Mehrfach hatte sie seitdem schon juristischen Ärger mit Anwälten der Glaubensgemeinschaft. Als Aktivistin sieht sie sich jedoch nicht. „Ich sehe mich als Helferin, die andere unterstützen möchte, dort rauszukommen.“

Von André Pichiri

Singen, Vorträge, Videos und Taufen: Beim Sommerkongress der Zeugen Jehovas kommen in der Tui-Arena drei Tage lang wieder tausende Gläubige zusammen.

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