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Meine Stadt Aus Ärger über Vermieter Brand gelegt
Hannover Meine Stadt Aus Ärger über Vermieter Brand gelegt
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18:35 26.11.2018
Quelle: Elsner
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HANNOVER

Markus B. (38) wirkt wie ein Nerd. Das graue Hemd ist bis oben zugeknöpft, sein Gesichtsausdruck unbewegt. Und er hat wohl zu viele amerikanische Gerichtsfilme gesehen: "Nicht schuldig", schleudert er Schöffenrichterin Wiebke Gratz entgegen. Aber das Leben ist kein Spielfilm. Deshalb wurde der Angeklagte wegen schwerer Brandstiftung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Am 25. Dezember 2017 brannte es in der Ein-Zimmer-Wohnung des Angeklagten. Die Polizei fand vier selbstgebaute Brandsätze. „Mehr Vorsatz geht nicht", sagte ein Brandermittler (33). Der Täter hatte in Klopapier-Rollen eine Kerze gesteckt und eine Socke um das Ganze gewickelt. Als Tatzeitraum ermittelte die Polizei zwischen 8.40 und 12 Uhr. Der Schaden betrug 40 000 Euro.

Doch warum das Ganze? Da der Angeklagte schwieg, bleiben nur Vermutungen. Es ist aber naheliegend, dass der Angeklagte die Begutachtung seiner Wohnung verhindern wollte. Markus B. wohnte seit 2005 in der Ricklinger Wohnung. Der Wohnungsverwalter bezeichnete ihn als unauffälligen Mieter.

Bis zum Jahr 2015. Damals reparierten Monteure einen kaputten Heizkörper. Doch mit den Schäden in der verwahrlosten Wohnung wollten sie nichts zu tun haben. Im Parkett gab es zentimetertiefe Riefen, die Wände waren vergilbt, die Wohnung war verdreckt. Der Verwalter musste das Gericht einschalten, weil Markus B. den Gutachter nicht in die Wohnung lassen wollte. Als der Gutachter-Termin nach einem Urteil endlich feststand, brannte es.

Richterin Gratz glaubt in dem Fall nicht an den großen Unbekannten. „Die Wohnungstür war unversehrt“, meinte sie. Außerdem sei der Angeklagte in Besitz aller Wohnungsschlüssel gewesen. Als Motiv erkannte sie den Streit mit dem Vermieter. „Das ist zwar kein Grund, die Wohnung in Brand zu setzen. Aber dafür gibt es ja nie einen Grund.“ Die Bewährungsstrafe bezeichnete sie als gerade noch vertretbar. Der Angeklagte habe einen Job als Lagerarbeiter und sei noch nicht vorbestraft.

Doch was ist Markus B. nur für ein Mensch? Der Brandermittler schilderte ihn als „merkwürdigen Typen“. Auf die Frage, ob B. eine Vermutung habe, wer den Brand gelegt haben könnte, antwortete der Angeklagte: „Ja, ein Brandstifter.“ Den Verlust seiner persönlichen Dinge habe der Lagerarbeiter völlig emotionslos zur Kenntnis genommen. Ironie des Ganzen: Der Brandsatz über den Beschädigungen im Parkett entzündete sich nicht.

Von Thomas Nagel