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Meine Stadt Auf Dirk Toepffer folgt Maximilian Oppelt
Hannover Meine Stadt Auf Dirk Toepffer folgt Maximilian Oppelt
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09:49 07.05.2019
Generationswechsel: Ministerin Ursula von der Leyen mit Dirk Toepffer (links) und Maximilian Oppelt. Quelle: Foto: Behrens
Hannover

Im Roten Saal des Congress-Centrums haben die Christdemokraten am Montagabend der SPD eingeheizt. Die Partei mit dem C stellt sich neu auf – und auf einen „historischen Wahlkampf“ ein. Diesmal könne es gelingen, so ihr scheidender Vorsitzender Dirk Toepffer, das Rathaus zu knacken.

Toepffer, Chef der CDU-Landtagsfraktion, warf der SPD vor, absolut nichts zu begreifen. Als Beispiel nannte er, dass die Sozialdemokraten bereits jetzt mit Marc Hansmann einen OB-Kandidaten benennen, „obwohl Stefan Schostok noch im Amt ist“. Entscheidungen der SPD-Vorstände könnten nicht einen Ratsbeschluss über den OB ersetzen. „Wer diese Entscheidung für eine überflüssige Formsache hält, der glaubt, dass ihm die Stadt allein gehört.“

Auch Maximilian Oppelt, bislang Toepffers Stellvertreter, hieb schwungvoll in dieselbe Kerbe. „Herr Hansmann tut jetzt so als hätte er mit dieser Kultur nichts zu tun. Das Gegenteil ist der Fall, er wird gestützt und ist umgeben von genau denselben SPD-Verantwortungsträgern, die diese Filz-Kultur und Herrn Schostok die ganze Zeit gestützt haben.“

Der neue CDU-Parteichef warf dem OB-Kandidaten der SPD vor, er bewege sich gedanklich noch immer im Elfenbeinturm der Enercity-Vorstandsetage. Von der Lebenswirklichkeit der Menschen begreife Hansmann nichts. Seine Aussage zur Rathausaffäre („Im Rathaus haben sich drei Männer ineinander verhakt, wie in einer Tragödie“) sei eine schlimme Verharmlosung. Oppelt: „Das ist kein Märchen oder eine Tragödie, das sind eklatante Rechtsbrüche und nach Meinung der Staatsanwaltschaft schwere Straftaten zum Schaden der Bürger unserer Stadt. Das ist keine Tragödie, das ist sozialdemokratische Realität im Jahr 2019.“

Für die Bemerkungen „Unsere Stadt braucht kein Weiterso sondern einen echten Neuanfang für ein zukunftsfähiges Hannover. Unsere Stadt kann mehr, die CDU ist bereit, lasst uns hinter diesem Ziel heute alle zusammen versammeln“, erntete der neue Hoffnungsträger frenetischen Applaus.

Damit war alles klar für den Generationswechsel, den auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen miterlebte. Er spiegelt sich auch in der Gesamtliste des neuen 20-köpfigen Kreisvorstands. Die Riege der mehr als 50-Jährigen ist geschrumpft. Oppelts Stellvertreter sind Jesse Jeng (30), Diana Rieck-Voigt (45) und Felix Semper (31).

Auf Oppelt entfielen 82 Ja-, aber auch acht Nein-Stimmen. Einer enthielt sich. Mit 91,1 Prozent Zustimmung kann der junge Mann an der Spitze von Hannovers CDU zufrieden sein. Er bedankte sich artig, nahm Blumensträuße in Empfang. „Danke für dieses große Vertrauen.“

Nur auf dem Flur und an den Tischen drehten sich Gespräche um die Frage, wen denn die CDU als OB-Kandidaten ins Rennen schicken könne. Sehr viele seien im Gespräch, berichtete Toepffer. Aber er werde keine Namen nennen. Er freue sich vielmehr, dass Suche und Aufstellung jetzt den Jüngeren überlassen bleibe: „Man muss auch loslassen können.“

Der CDU-Parteitag

Von Vera König

Dirk Toepffer

17 Jahre lang war er Kreisvorsitzender der hannoverschen CDU. Das hätte sich der Jurist Dirk Toepffer nie träumen lassen. „Irgendwie wird man nach so langer Zeit zu einer Art Korken. Ein Korken, der alles verstopft und personellen Wechsel behindert“, sagt der 53-Jährige in seiner Abschiedsrede.

Angetreten war Toepffer mit dem Anspruch, aus der CDU eine moderne Großstadtpartei zu machen – die Christdemokraten rieben sich damals auf in Flügelkämpfen; die Finanzlage war alles anders als rosig. In der langen Zeit als Parteichef ist das dem Rechtsanwalt und Rinderzüchter aus Wettbergen durchaus gelungen.

Der Mann, der bei der OB-Wahl 2006 gegen Stephan Weil angetreten und gescheitert war, arbeitet inzwischen mit diesem bestens zusammen. Aus der Aufgabenerfüllung in der Landespolitik – Weil als Ministerpräsident, Toepffer als Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion – ist fast so etwas wie eine Männerfreundschaft geworden.

Toepffer (verheirat, ein Sohn) will sich künftig auf die Landespolitik konzentrieren. Und auch nur noch darüber reden. „Wer sich selbst aus dem Rennen nimmt, der sollte manchmal einfach den Mund halten. Und das Reden denen überlassen, die die Verantwortung übernommen haben.“

Maximilian Oppelt

Sehr angepasst sein Auftritt, sehr konservativ der Eindruck, den er auf den Fotos im Bundestagswahlkampf hinterließ. Doch im Rat gilt Maximilian Oppelt als einer der jungen Wilden in der CDU. Der Jurist (stets mit dunklem Anzug, weißem Hemd und Krawatte) beherrscht die Attacke und das Netzwerken.

Oft genug hat Oppelt das bei der Rathausaffäre gezeigt. Wenn Toepffer sich wohlweislich zurückhielt, zog Oppelt gegen OB Stefan Schostok, Kulturdezernent Harald Härke und den Büroleiter des OB, Frank Herbert, zu Felde. Als Mitstreiter im Rat hatte er dann Fraktionschef Jens Seidel und den Vize Jens-Michael Emmelmann an seiner Seite.

Mit einem jungen Team will der neue Parteichef die Partei aufrütteln. Die CDU habe Grund zu Selbstbewusstsein. Diesmal könne der Wechsel an die Spitze gelingen. Er jedenfalls „habe richtig Lust, gemeinsam mit Euch etwas zu bewegen für unsere Stadt“.

Oppelt (verlobt) war zwölf Jahre lang Toepffers Vize und gehört seit acht Jahren dem Rat an. Wirtschafts- und Umweltpolitik sind da seine Schwerpunktthemen. Er arbeitet als Anwalt in einer hannoverschen Wirtschaftskanzlei, besucht noch immer gern Spiele von Hannover 96 und verbringt Zeit mit seiner Familie.