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Meine Stadt Auch am Kronsberg-Süd keine Wohnungen für Hannovers Mittelschicht?
Hannover Meine Stadt Auch am Kronsberg-Süd keine Wohnungen für Hannovers Mittelschicht?
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10:29 14.02.2020
Riesenprojekt: Am Kronsberg entsteht das größte Neubaugebiet Niedersachsens. 3500 Wohnungen für gut 8000 Menschen sind geplant Quelle: Astoc/West8
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Hannover

Nicht einmal 1000 Menschen leben in Wülferode. Was die Bevölkerung angeht, Hannovers kleinster Stadtteil. In Kronsberg-Süd sollen es mehr als achtmal so viel werden. Der Vergleich zeigt die Bedeutung von Hannovers größtem neuen Baugebiet. 3500 Wohnungen sind dort geplant. Das Projekt soll Luft schaffen am angespannten Wohnungsmarkt. Doch nachdem bereits heftig um die hohen Preise in der Wasserstadt Limmer gestritten wurde, mehren sich nun die Zeichen, dass auch am Kronsberg die Mittelschicht leer ausgehen könnte.

Zwar wird es auch dort einen Anteil von mindestens 25 Prozent Sozialwohnungen geben. Die allerdings kommen nur für sozial Schwächere in Frage. Bei den übrigen Wohnungen sieht selbst Karsten Klaus, Geschäftsführer der städtischen Immobilientochter Hanova, wenig Spielraum nach unten. „Für weniger als zehn Euro pro Quadratmeter Miete werden wir dort nicht bauen können“, stellt er klar.

CDU: Preisgünstiger Wohnraum wird dort nicht entstehen

Wenn nicht einmal das stadteigene Unternehmen erschwingliche Wohnungen für die Mittelschicht anbieten kann, wer dann, fragt sich die CDU im Rat? Sie macht dafür auch die hohen Vorgaben aus Politik und Verwaltung verantwortlich. Wie schon in der Wasserstadt Limmer gibt es auch für das Projekt Kronsberg-Süd ein umfangreiches Handbuch, welche Standards zu beachten, welche Materialien welcher Qualität zu verwenden sind. „Preisgünstiger Wohnraum wird dort nicht entstehen. Im Schnitt werden wir jenseits der zwölf Euro pro Quadratmeter landen“, warnt Felix Semper, baupolitischer Sprecher der CDU.

Er sieht dadurch sogar „die erfolgreiche Umsetzung des neuen Wohngebietes gefährdet“. Semper hat Zweifel, dass sich junge Familien Wohnungen dort leisten können. „Der Mix stimmt einfach nicht“, kritisiert der CDU-Mann.

SPD glaubt an Mieten von acht bis elf Euro pro Quadratmeter

Ganz anders sieht das die SPD. Deren Fraktionschef Lars Kelich hält „Mieten im Bereich von acht bis elf Euro sehr wohl für möglich. Am Kronsberg werden auch Wohnungen für die Mittelschicht entstehen“. Denn während in der Wasserstadt Limmer Bodenpreise von 700 Euro pro Quadratmeter verlangt würden, seien es in dem Baugebiet am anderen Ende der Stadt gerade einmal 80 Euro pro Quadratmeter, weil die Stadt selbst die Grundstücke verkaufe, sagt Kelich.

Hohe Standards: Die Qualität im Neubaugebiet Kronsberg-Süd, das als „Kronsrode“ vermarktet wird, soll stimmen. Das treibt aber auch die Preise. Quelle: Fink + Jocher

Hanova-Chef Klaus, dessen Unternehmen rund 300 Wohnungen am südlichen Kronsberg errichten wird, will versuchen, möglichst größere Aufträge an Baufirmen zu vergeben, um günstigere Preise zu erreichen. Er verweist aber auch auf „besondere ökologische Standards“. Diese wolle er zwar „nicht kritisieren“. Sie hätten allerdings auch höhere Baukosten zur Folge. Auch der Spar- & Bauverein (190 Wohnungen) will seinen „Mietern bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen“, sagt Petra Lips, Sprecherin der Genossenschaft. Dieser sei aber „auch bewusst, dass die Baukosten steigen und die Rahmenbedingungen schwierig sind“. Zu den Mietpreisen am Kronsberg könne man zum aktuellen Zeitpunkt aber noch keine konkreten Aussagen treffen.

Kleinere Wohnungen mit guten Zuschnitten als Lösung?

Die regionalen Wohnungsunternehmen KSG (260 Wohnungen), Gundlach (190 Wohnungen) sowie Deltabau und Meravis (zusammen 470 Wohnungen) kündigen in einer gemeinsamen Erklärung an, dass sie „sowohl Wohnungen für Geringverdiener als auch für den Mittelstand“ schaffen wollen. Viel wichtiger für die Beurteilung der Bezahlbarkeit als die Quadratmetermiete seien die Gesamtkosten der Wohnungen. Gute Zuschnitte sollen also auch kleinere Wohnungen attraktiv machen für die Mittelschicht.

Zwar stünden die genauen Mieten heute noch nicht fest. Die Unternehmen gehen aber davon aus, dass eine frei finanzierte 80-Quadratmeter-Wohnung für drei bis vier Personen für 1015 Euro angeboten werden könnte. Das entspricht 12,69 Euro pro Quadratmeter. Geförderte Sozialwohnungen derselben Größe würden aber bereits für 470 Euro Kaltmiete angeboten (5,88 pro Quadratmeter). Zudem verweisen die Firmen auf eine spezielle Stufe im städtischen Förderprogramm, die größere Familien unterstützt. Für diese könnten auch Wohnungen für 7,20 Euro pro Quadratmeter angeboten werden.

FDP: Baufirmen sollen nochmal mit Stadt über Standards reden

FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke reicht das aber nicht. „Wir dürfen am Kronsberg nicht die Riesenchance vertun, massiv Wohnungen auch gerade für die Mittelschicht zu bauen“, sagt er und fordert: „Die Baufirmen müssen sich zusammentun, zum Stadtbaurat gehen und ganz klar sagen, wo die Probleme liegen und was das Bauen teuer macht“. Anschließend solle die Verwaltung der Politik Vorschläge machen, wo bei den Standards Abstriche möglich seien. „Dann sind wir gefordert. Es ist noch nicht zu spät, Änderungen zu beschließen“, so der FDP-Mann. Die Stadt selbst hält sich aus der Diskussion heraus. Zu Mietpreisen könne man „keine Aussagen machen“, sagt Sprecherin Michaela Steigerwald.

Die Haupterschließungsstraße in dem neuen Wohngebiet, die zunächst als Baustraße dienen soll, ist bereits fertig. Die ersten Baustellen für Wohnhäuser könnten vom Sommer an entstehen. Die Investitionen in das riesige Baugebiet werden auf rund 500 Millionen geschätzt.

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Von Christian Bohnenkamp

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