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Meine Stadt Kupfer für die Kuppel: Anzeiger-Hochhaus wird wieder grün
Hannover Meine Stadt Kupfer für die Kuppel: Anzeiger-Hochhaus wird wieder grün
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18:42 24.07.2019
Befestigung: Vorarbeiter Salar Osso verbindet eine Kupferplatte mit einer Nachbarplatte. Quelle: Franson
Hannover

Endspurt auf dem ältesten Hochhaus der Stadt: 16 Monate, nachdem die Kuppel des Anzeiger-Hochhauses aufwendig eingerüstet wurde, ist die Sanierung weitgehend abgeschlossen. Jetzt kommt der schönste Teil. Platte für Platte montieren die Mitarbeiter der Neustädter Dachdeckerfirma Hanebutt die Kupferplatten, die die Kuppel wieder regenfest machen und ihr ihr würdevolles Aussehen verleihen. Es ist einer der höchsten Arbeitsplätze der Stadt. Aber auch wenn gelegentlich ein leichter Wind weht: An diesen Tagen wird es richtig heiß unter dem Gerüstdach. „Trinken ist wichtig“, sagt Dachdeckermeister Alex von Rolland.

Altes Handwerk

Dabei gibt es für Laien eine Überraschung, die zeigt, wie langlebig echte Handwerkskunst ist. Das Werkzeug, mit dem Vorarbeiter Salar Osso und seine Kollegen arbeiten, ist quasi identisch mit dem, das vor 90 Jahren eingesetzt wurde. Falzzange und Schaleisen, damit werden die Kupferplatten in Handarbeit verbunden. Nur der Kopf des Hammers, mit dem das Schaleisen bearbeitet wird, ist heute aus Nylon.

Seit April 2018 wird Hannovers höchste Gebäudekuppel sichtbar von außen saniert. Derzeit wird alles für das neue Kupferdach vorbereitet.

Vergleich in Schwarzweiß

Man kann das gut vergleichen, weil ein mehrminütiger Film Details aus der Erbauungszeit des Verlagsgebäudes dokumentiert. Beim Verbinden der Kupferplatten gibt es nur einen sichtbaren Unterschied zwischen früher und heute: Der damalige Dachdecker hämmert scheinbar viel schneller als sein aktueller Kollege Salar Osso von der Dachdeckerei Hanebutt. Aber das kann auch die typische Zeitverzerrung sein, die man aus schwarzweißen Stummfilmen kennt. Ansonsten ist es eben altes Handwerk. „Es gibt heute natürlich auch Maschinen, die uns beim Bearbeiten der Falze den Job abnehmen“, sagt Dachdeckermeister von Rolland, „aber die lassen sich nur auf geraden Flächen einsetzen.“ Eine Kuppel, das bringt die Form mit sich, hat keine geraden Flächen, nirgends.

2016 waren Schäden an der Kuppel des Hochhauses an der Goseriede aufgefallen. Hanfdübel, mit denen die Kupferplatten direkt in den Beton der Kuppel befestigt waren, hatten sich gelöst. Kontrollen im Inneren der Kuppel ergaben dann, dass auch dort Reparaturen nötig waren. Auch wenn von den Schäden keine Gefahr ausging: 2017 entschloss sich die Madsack Mediengruppe, die Kuppel ihres Anzeiger-Hochhaus so zu erneuern, dass sie wieder 90 Jahre hält – oder länger.

Weihnachten ist das Gerüst weg“

Bis Jahresende sollen die Arbeiten im Außenbereich abgeschlossen sein. „Weihnachten ist das Gerüst weg“, sagt Madsack-Architekt Jörg Kairies, der den Umbau leitet. Doch was der Passant auf der Straße dann sieht, wird ihn nicht irritieren: Die Kuppel wird nicht den typisch-braunen Kupferton zeigen, sondern wieder in ihrem sanften Grün leuchten. Die Farbe ist mit der städtischen und der Landesdenkmalpflege eigens bei einem Ortstermin abgestimmt worden. Sie trägt keine RAL-Nummer, sondern hat vom Hersteller Aurubis einen eigenen Namen bekommen: Madsack Hannover.

Patinierung dauert länger

Kupfer braucht, seit die Luft dank Industriefiltern und Abgasreinigung bei Autos wieder weniger Schwefeldioxid enthält, inzwischen Jahrzehnte, um die grüne Patina anzunehmen. Man sieht das etwa auf der Neustädter Hof- und Stadtkirche, deren 2011 neu aufgesetzter Turmhelm immer noch den bräunlichem Farbton des oxidierten Kupfers trägt. Für das heimliche Wahrzeichen der Stadt hingegen, die Anzeiger-Kuppel, wollten Bauherr und Denkmalpflege schon früher das gewohnte Antlitz präsentieren.

In einer finnischen Bewitterungskammer wurde daher der Alterungsprozess des Materials beschleunigt. Im Neustädter Dachdeckerbetrieb Hanebutt – er hat auch schon das Flunderdach der Theaters am Aegi neu eingedeckt – werden die Platten zugeschnitten und auf einer Kantbank vorgefalzt. Die Form jeder Platte ist trapezartig: Oben sind sie schmaler als unten, weil die 750 Quadratmeter große Kuppelfläche sich zur Spitze stark verjüngt. Vor Ort werden die Platten nach einem immer gleichen Muster zusammengesetzt. In der Vertikalen werden sie ineinandergehakt, sodass immer die obere die untere überlappt. Zur beiden Nachbarplatten aber hat jede Platte Stehfalze, die mit der Falzzange übereinandergebogen mit dann mit dem Schaleisen festgeschlagen werden. So wächst Stück für Stück die neue Dachhaut der Kupferkuppel.

Kuppel mit Wärmedämmung

Allerdings wird für die Befestigung nicht mehr in den – inzwischen sanierten – Beton der Kuppel gebohrt. Das Dachbauwerk hat einen zwölf Zentimeter starken Aufbau zur Wärmedämmung erhalten, abgeschlossen von einer Holzbeplankung mit Folie. Auf die schmiegt sich jetzt das neue Kupferdach an, das in Kürze wieder die gesamte Kuppel bedecken wird. Mit neuen Platten zwar, aber verlegt in uralter Handwerkstechnik.

Ein Zeitungshaus prägt die Stadt

Mit dem Bau des Anzeiger-Hochhauses hat Verleger August Madsack ein Zeichen gesetzt in der Innenstadt: Sein „Hannoverscher Anzeiger“, Vorläufer der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, zählte im Erbauungsjahr 1928 mit einer Auflage von 112 500 Abonnenten zu den 15 auflagenstärksten Titeln im damaligen Deutschen Reich. Gegründet hatte er das erfolgreiche Blatt 1893, die Madsack Mediengruppe feiert daher im vergangenen Jahr den 125. Geburtstag.

Das stolze Gebäude im Stile des Backsteinexpressionismus, entworfen vom damaligen Star-Architekten Fritz Höger, prägt als ältestes Hochhaus Hannovers die Innenstadt. Dort wurde mehrfach Zeitungsgeschichte geschrieben. Rudolf Augstein hob dort in der Nachkriegszeit das Magazin „Der Spiegel“ aus der Taufe, Henri Nannen gründete in dem Gebäude den „Stern“.

Heute ist rund um den prägnanten Bau ein Medienzentrum gewachsen, in dem auch Hörfunk und Fernsehen gemacht werden.

Von cvm

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