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Meine Stadt Antisemitismus: Aus Worten werden Taten
Hannover Meine Stadt Antisemitismus: Aus Worten werden Taten
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10:57 11.10.2019
Menschen legen als Zeichen der Trauer Blumen am Marktplatz in Halle ab und entzünden Kerzen. NP-Redakteurin Petra Rückerl mahnt in ihrem Kommentar vor der Verharmlosung und Verrohung im Umgang mit Antisemitismus. Quelle: Schmidt/dpa
Halle

Der Antisemitismus war nach 1945 nie verschwunden bei uns in Deutschland. Sätze wie „Irgendwann muss doch mal gut sein“ bis hin zu „Der Jude hat das Geld“ klangen immer mal am Stammtisch und im Familienkreis durch. Eher hinter vorgehaltener Hand, man wusste ja, dass das nicht in Ordnung war.

Der Antisemitismus 2019 unterscheidet sich in der Lautstärke, der Intensität, der Schamlosigkeit, in der rasanten Verbreitung durch soziale Medien – und in der öffentlichen Verharmlosung auch des mörderischen Antisemitismus vor 1945. Wenn die NS-Diktatur zum „Vogelschiss“ wird, wenn mit Blick auf das Holocaust-Denkmal vom „Denkmal der Schande“ geredet wird und wenn sich die „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ drehen muss, wenn „völkisch“ wieder positiv besetzt werden soll.

Das ist das Gegenteil von „Nie wieder“, dem Versprechen von damals, den Antisemitismus und den Rassismus zu bekämpfen. Solche Begriffe und Worte, solche Denkweisen und Verharmlosungen sind Nährboden für Gewalttaten. Bis hin zu solchen wie dem mörderischen Anschlag von Halle – der laut Drehbuch des Killers sogar in einem Massaker enden sollte. Nicht nur offenbar paranoide Neonazis wie Stephan B. fühlen sich von rechtspopulistischen Aussagen legitimiert. Im Gegensatz zu ihm speien die meisten ihren Hass aber „nur“ im Internet ab.

Wenn sich AfD-Vertreter jetzt in versammelter Heuchelei gegen Antisemitismus und Rassismus aussprechen, dann darf durchaus gefragt werden, wo sie denn ihre eigene Rolle sehen. Vor den Taten kommen immer noch Worte.

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