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Meine Stadt Fall Chico: Angehörige fühlen sich allein gelassen
Hannover Meine Stadt Fall Chico: Angehörige fühlen sich allein gelassen
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20:01 16.04.2018
TATORT: Blick auf die Mietwohnung im Roderbruch. Quelle: Dröse
Hannover

 Tausende nehmen in einer Online-Petition, in sozialen Medien oder in Gesprächen Anteil am Schicksal des Hundes Chico. Umso betroffener macht es Rechtsanwalt Andreas Hüttl (der die Hinterbliebenen von Lezime und Liridon K. vertritt), dass sich bisher niemand darum kümmert, wie es den Angehörigen der beiden Todesopfer geht.

Die drei jungen Frauen, Töchter der 52-Jährigen und Schwestern des 27-Jährigen, sind aus juristischer Sicht die Erbinnen des Tieres, das ihre im Rollstuhl sitzende Mutter und ihren an Leukämie erkrankten Bruder zu Tode biss. Laut Hüttl hat sich die Stadt bisher nicht mit ihnen in Verbindung gesetzt – nicht einmal, um nachzufragen, ob die drei eher für Einschläferung des Hundes sind oder für eine Überlebenschance auf einem Gnadenhof. „Egal wie sie sich entscheiden – hunderttausend Leute werden dagegen sein“, befürchtet Hüttl.

Die drei fühlen sich außen vor – und ziemlich allein gelassen. Über den Anwalt haben sie sich an die Staatsanwaltschaft gewendet und gebeten, wegen „aller in Betracht kommenden Delikte zu ermitteln“.

Wie berichtet, hätte Chico seinen Haltern eigentlich schon vor Jahren entzogen werden müssen. Das ist durch ein „gravierendes Versäumnis“, das die Stadt inzwischen eingesteht, nicht passiert. Sie prüft rechtliche Konsequenzen. Auch Schadenersatzansprüche der Hinterbliebenen könnten eine Folge sein.

Für die jungen Frauen ist das tragische Ende ihrer Angehörigen traumatisch. Eine von ihnen hatte die Polizei informiert. Vom Balkon aus hatte sie ihren Bruder leblos in der Wohnung liegen sehen. Wie es dort drinnen aussieht nach der tödlichen Beißattacke, bleibt ihr und ihren Schwestern hoffentlich erspart.

Die drei müssen die Wohnung auflösen – was für sie nach diesem Drama vom Dienstagabend schon schlimm genug ist. Und anders als viele Menschen auf Grund von Fernsehkrimis glauben, schickt die Polizei keinen Tatortreiniger dorthin.

Von der NP auf diese Situation angesprochen, zeigt der Vermieter ein großes Herz. Auf seine Kosten will er die Wohnung reinigen lassen und so die Angehörigen unterstützen. „Schreiben Sie nicht meinen Namen“, bittet er. „Die Hilfe in dieser schrecklichen Situation ist für mich selbstverständlich.“

Von Vera König

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