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Meine Stadt Pizzabote verprügelt – Verfahren wird eingestellt
Hannover Meine Stadt Pizzabote verprügelt – Verfahren wird eingestellt
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17:16 03.12.2019
Vor Gericht: Die Verhandlung ging für die Angeklagten glimpflich aus. Quelle: dpa
HANNOVER

Da war wohl zu viel Adrenalin im Spiel: Izzet Y. (36) und Mehmet S. (27) haben aus nichtigem Grund einen Pizzaboten verprügelt. Am Dienstag hatten die Angeklagten großes Glück. Amtsrichter Reinhard Meffert stellte das Verfahren ein. Beide Männer müssen je 90 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Mit ihrem weißen Polo fuhren die Angeklagten am 29. Juli 2018 auf der Bornumer Straße (Bornum). An der Ampel neben ihnen hielt der Pizzabote (23) auf seinem Roller. Er fühlte sich vom Scheibenwischwasser des Polofahrers belästigt. Streit – Schläge – Krankenhaus.

Opfer ist Thai-Boxer

Richter Meffert musste nun den ganz normalen Wahnsinn auf Hannovers Straßen verhandeln. Und bei den Zeugenaussagen stellte sich heraus: Mehmet S. soll. den Pizzaboten mehrfach mit dem Motorradhelm auf den Kopf geschlagen haben. Ein Zeuge will sogar Tritte von Izzet Y. in Richtung Kopf des 23-Jährigen gesehen haben. „Wir wären dann bei einer gefährlichen Körperverletzung, Mindeststrafe sechs Monate Gefängnis“, meinte der Richter.

Dass es nicht so kam, hatten die Angeklagten ausgerechnet dem Opfer zu verdanken. Denn der Pizzabote hatte wohl die Belehrung des Richters nicht verstanden; von wegen Wahrheitspflicht und so. „Ich habe nicht zugeschlagen“, behauptete er.. Prellmarken an seiner Hand sprachen eine andere Sprache. Auch seine Erklärung, warum er sich nicht gewehrt habe, rückte ihn in die Nähe des Dalai Lama. „Ich bin ein professioneller Kämpfer“, sagte der Thai-Boxer. Er habe nicht zugeschlagen, um später nicht bestraft zu werden. Ein Zeuge hatte bei der Polizei das Gegenteil ausgesagt.

Unterschiedliche Schilderungen der Schlägerei

Auch, dass er zehnmal mit dem Helm auf den Kopf geschlagen worden sei, sorgte für Verwunderung. Weder das mutmaßliche Opfer noch die Zeugen hatten am Tatort von der Attacke mit dem Helm erzählt. Aber eineinhalb Jahre später erinnerten sie sich daran, als sei es gestern geschehen. Außerdem passten die eher harmlosen Verletzungen nicht zu den Helm-Attacken.

Anwalt Holger Nitz fasste zusammen: „Wir haben jetzt fünf unterschiedliche Schilderungen gehört.“ Es wäre wohl besser gewesen, diese Angelegenheit schon viel früher einer außergerichtlichen Mediation zu überlassen. Diesem Argument konnte sich auch der Richter nicht entziehen. Die Juristen im Saal 2283 hatten deutlich weniger Adrenalin im Blut als die jungen Kontrahenten.

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Von Thomas Nagel

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