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Meine Stadt Doch keine Monitore und Klimaanlagen für alte Üstra-Bahnen
Hannover Meine Stadt Doch keine Monitore und Klimaanlagen für alte Üstra-Bahnen
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00:21 10.06.2019
Frisch lackiert: Der erste sanierte TW 6000 (links). Die Bahn daneben hat die Üstra noch nicht erneuert. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

In den grünen Stadtbahnen vom Typ TW 6000 wird es in der Fahrerkabine im Sommer über 50 Grad warm. Das haben Untersuchungen der Üstra ergeben. Die Fahrer des Unternehmens werden in den Fahrzeugen auch künftig schwitzen und beengt sitzen. 40 von ihnen sollen noch bis weit in die 2020er Jahre hinein fahren und werden deshalb saniert. Allerdings nicht so umfangreich wie geplant. Auch für die Fahrgäste gibt es weniger Komfort als geplant.

Gerne hätte die Üstra zumindest die Fahrerkabinen klimatisiert und diese größer gemacht. Bildschirme mit Informationen für die Fahrgäste sollte es geben, Mehrzweckabteile für Rollstühle, Fahrräder und Rollatoren, außerdem sollten endlich die störenden Mittelstangen in den Türen verschwinden.

TW 6000: Störende Mittelstangen bleiben trotz Sanierung

Aus all dem wird nichts. Bei den Ausschreibungen stellte sich heraus, dass selbst die Basisvariante der Sanierung pro Fahrzeug rund eine Million Euro gekostet hätte. „Das hätten wir nicht verantworten können“, erklärte Üstra-Chef Volkhardt Klöppner am Freitag bei der Vorstellung des ersten sanierten TW 6000 auf dem Betriebshof Glocksee. Er zog die Notbremse, holte sich die Zustimmung des Aufsichtsrates. Und auch die Fahrer erklärten sich bereit, die Abstriche mitzutragen.

Bleiben: Die störenden Mittelstangen in den Türen. Der Ausbau hätte die Kosten der Sanierung steigen lassen. Quelle: Schaarschmidt

Die machen es für die Üstra zumindest deutlich billiger. Sie erneuert die 40 Bahnen selbst in ihren Werkstätten. Pro Fahrzeug wird das im Schnitt nur 200.000 statt einer Million Euro kosten. Denise Hain, Vorstand für Betrieb und Personal, räumte allerdings ein, dass die Fahrzeuge „heutigen Standards überhaupt nicht entsprechen“. Die Fahrerkabinen sind so eng, dass die Üstra darin keine großen Mitarbeiter einsetzen kann (Hochkonzentriert: So sieht die Arbeit einer Üstra-Fahrerin aus).

Bahnen schon seit 1974 im Einsatz

Das Problem mit der Hitze will die Üstra abmildern, indem sie die Fahrerkabine mit zusätzlichen Seitenfenstern ausstattet. Abgeschaut hat sie sich das in Budapest. In der ungarischen Hauptstadt sind zahlreiche ältere Bahnen aus Hannover gelandet und noch immer im Einsatz.

Eingeführt hat die Üstra den TW 6000 im Jahr 1974. Ursprünglich waren 260 davon im Betrieb. Die 40, die nun noch bis mindestens 2025 rollen sollen, stammen aus der jüngeren Generation, die bis 1993 produziert wurde. Immerhin sehen diese nach der Sanierung wieder aus, als wären sie frisch aus dem Werk ausgeliefert worden.

Üstra-Grün bei Opel abgeschaut

Außen wurden sie komplett neu im bekannten Üstra-Grün lackiert. Das eigentlich gar kein Üstra-Grün ist. Herbert Lindinger, der Designer des TW 6000, verriet am Freitag, dass er sich die Farbe beim Opel-Kadett C abgeschaut hat. Erst später wurde das Grün auch zur Unternehmensfarbe der Üstra.

Gründlich gereinigt: Das Innere der Bahn. Wo nötig werden auch Teile ausgetauscht Quelle: Schaarschmidt

Im Inneren wurden die Fahrzeuge gründlich gereinigt, wo nötig Teile erneuert. Die meisten allerdings können weiterverwendet werden. Das zeigte die Sanierung der ersten Bahn. Diese hat schon 2,14 Millionen Kilometer auf dem Tacho. Viele weitere werden dazu kommen. Die Bahnen fahren rund 110.000 Kilometer im Jahr. 2019 sollen fünf weitere TW 6000 erneuert werden. Dann rund zehn Stück pro Jahr.

Alte Bahnen bekommen Videoüberwachung

Zusätzlich zu den 40 Fahrzeugen, die weiterfahren sollen und dafür auch Videoüberwachung bekommen, werden weitere zehn als Ersatzteillager eingemottet. Ab Mitte der 2020er Jahre sollen dann auch die erneuerten TW-6000-Bahnen durch den neuen Stadtbahntyp TW 4000 ersetzt werden, für den nun die Planungen anlaufen.

Benötigt werden die Fahrzeuge auch, „weil wir beim Ausbau der Hochbahnsteige etwas hinterherhinken“, so Üstra-Chef Klöppner. Der TW 6000 kann – wie auch der Silberpfeil TW 2000 – seine Trittstufen ausfahren. Bei den Bahnen der Generation TW 3000, die aktuell eingeführt wird, gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Sie können deshalb nur auf Linien fahren, die komplett mit Hochbahnsteigen ausgestattet sind.

Laut der Infra, die für den Bau der Hochbahnsteige zuständig ist, wird es noch bis mindestens 2030 dauern, bis alle Üstra-Linien komplett barrierefrei sind. Aktuell ist das nur an 79 Prozent der Haltestellen der Fall.

Von Christian Bohnenkamp

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