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Meine Stadt Umzingelt von Baustellen: Ricklingen und Wettbergen fühlen sich „eingesperrt“
Hannover Meine Stadt Umzingelt von Baustellen: Ricklingen und Wettbergen fühlen sich „eingesperrt“
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13:05 09.10.2019
Wenige Wege führen nach Ricklingen: Anwohner und Geschäftsleute in Hannovers Süden leiden unter zahlreichen Baustellen. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Satte zwei Stunden hat Dirk Teichmann neulich von seinem Arbeitsplatz an der MHH nach Hause gebraucht. Nicht in Göttingen wohnt der Mann, oder in Hamburg. Nein – im hannoverschen Stadtteil Wettbergen. Etwa 30 Minuten veranschlagt das Navi für seine Strecke. Doch das Navi hat die Rechnung ohne die zahlreichen baustellenbedingten Sperrungen im Süden Hannovers gemacht. Wegen ihnen sind nicht nur bei Teichmann die Nerven derzeit zum Zerreißen gespannt. Viele Anwohner und Geschäftsleute sind sauer. Und sie fühlen sich von der Politik allein gelassen. In ihrer Verzweiflung haben sie eine Petition gestartet.

Wohin Teichmann sein Auto auch wendet: Eine Sperrung scheint schon da zu sein. „Die einspurige Verkehrsführung über die Brücke der Hildesheimer Straße und die dazugehörigen Staus waren ja schon Normalität“, schildert der Wettberger. Ebenso wie die lange Baustelle auf der Göttinger Chaussee für die neue Stadtbahntrasse. Doch vor Kurzem kam die Sperrung der Frankfurter Allee und der Straße „In der Rehre“ auf der Südseite des Ricklinger Friedhofs für mindestens ein Jahr dazu – Letzteres ist ein wichtiges Ausfallstor für Wettberger und Ricklinger.

Gesamter Verkehr über die B217

Um zu vermeiden, dass die Wettberger nun durch die Wohngebiete in Oberricklingen ausweichen, wurde zeitgleich die Durchfahrt Am Grünen Hagen mittels aufgestellter Poller verhindert. Der direkte Weg zum Südschnellweg ist damit bereits abgeschnitten. „Der ganze Verkehr aus Ricklingen und Wettbergen zwängt sich nun über die B217 Richtung Norden zur B65, um dort über den Ricklinger Kreisel weiter zu kommen“, so der Anwohner, der von dort aus Richtung Südschnellweg muss.

Oberricklingen und Wettbergen durch Straßensperrungen und Baustellen abgehängt. Quelle: Fleischhauer

Doch auch dort „poppte“ schon bald die nächste Baustelle auf: Vergangene Woche wurde eine Fahrspur des Landwehrkreisels gesperrt. Hintergrund: Der Kreisel soll aufgrund der starken Nutzung um eine Spur erweitert werden. Doch zunächst muss der Kreisel in den nächsten Wochen auf Blindgänger untersucht werden.

Immer mehr Sperrungen im Süden

Zusätzlich verdichtete sich die Situation mit der Sperrung der Frankfurter Allee im Zuge der B3-Bauarbeiten am Wochenende: Autofahrer aus Hemmingen, die auf den Südschnellweg wollten, mussten über die Göttinger Chaussee und den Landwehrkreisel – und verstopften die Straßen für die Anwohner noch mehr.

Noch wochenlang werden Autofahrer zudem mit der Reparatur der Südschnellbrücke (Höhe Hildesheimer Straße) zu kämpfen haben. Zunächst ist die Brücke in Richtung Peine voll gesperrt. Auf der Gegenfahrbahn kann der Bereich in dieser Zeit nur mit Tempo 30 passiert werden. Anschließend soll vom 18. Oktober an die Gegenrichtung ebenfalls drei Wochen lang voll gesperrt werden.

„Auswirkungen sind katastrophal“

„Die Auswirkungen auf die Stadtteile Wettbergen und Oberricklingen sind jetzt schon katastrophal“, klagt Anwohner Teichmann. „Ständig liest man etwas davon, dass die Politik den Verkehr aus der Stadt heraus haben will. Doch mir und vielen anderen Anwohner bleibt gar nichts anderes übrig, als mitten durch zu fahren – und ständig im Stau zu stehen.“ Er wirft der Stadt absolute Fehlplanung vor. „Man hätte die Baustellen viel besser abstimmen müssen. So fährt man sehenden Auges in den Verkehrsinfarkt.“

Einbußen für Geschäftsleute

Nicht nur Nerven kostet das Ganze. Auch bares Geld: Rund 1500 Kunden weniger pro Woche hat etwa der Rewe an der gesperrten Straße „In der Rehre“, schräg gegenüber vom Ricklinger Friedhof. „Die Kunden kommen einfach nicht mehr“, sagt Rewe-Marktleiter Andreas Klautke. „Man hat uns hier abgekapselt.“ Der Weg sei zu beschwerlich – das höre er immer wieder. „Eine Kundin meinte, sie schafft es nicht mehr, den Einkauf im Berufsweg einzubinden, weil sie dann aufgrund der Umwege hier zu spät zur Arbeit kommt.“ Mindestens ein Jahr soll die Sperrung der Straße vor seiner Ladentür noch dauern, vielleicht sogar länger. Wie lange er die Einbußen noch aushält, weiß Klautke nicht. „An der Göttinger Chaussee haben Geschäfte aufgrund der langen Sperrung bereits dicht gemacht.“ Er selbst beschäftigt 40 Mitarbeiter, Kündigungen will er aber tunlichst vermeiden.

Dennoch, es geht ins Geld. Entsprechend groß ist der Ärger: „Die ganzen Sperrungen hier in der Umgebung sind ein großartiges Beispiel, welches Chaos und welchen Schaden eine Fehlplanung anrichten kann“, so der Rewe-Leiter.

„Die Wirtschaft wird im Regen stehen gelassen“, so klar formuliert es Agnes Czok, Leiterin des Pflegedienstes Birkenhof. 150 Klienten versorgen ihre Mitarbeiter mit dem Auto, starten morgens um neun ihre Touren. „Wegen der vielen Umwege und Staus sind sie eine Stunde länger unterwegs. Die Versorgung ist durch diese Fehlplanung gefährdet.“

„Nichtachtung der Bürger“

Noch deutlicher wird Ingrid Nordmann, Altchefin eines Friseursalons am Sauerwinkel: „Das Ganze ist eine Nichtachtung der Bürger“, macht sie ihrem Ärger Luft. Durch die Sperrung der Ausweichstrecke „Am Grünen Hagen“ mittels Betonriegel, irrten täglich Autofahrer durch die „ältesten Straßen Ricklingens“. Immer wieder werde sie von Anreisenden dabei um Hilfe gebeten: „Die finden nicht mehr den Eingang zum Friedhof, so ein Irrgarten ist das hier geworden.“

Bei vielen Anwohnern ist die Schmerzgrenze bereits erreicht. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet, die Beteiligung an den Bezirksratssitzungen ist groß und auch das Internet wird für den Widerstand genutzt: Eine von Anwohner Sven Niemeyer angestoßene Online-Petition für eine Änderung der Verkehrsführung haben bereits mehr als 1800 Menschen unterzeichnet.

Sondersitzung anberaumt

Das alles ist auch eine Folge mangelnder Ansprechpartner seitens der Stadt: „Wir fühlen uns mit unseren Sorgen allein gelassen“, so Niemeyer. So auch bei der jüngsten Versammlung des Bezirksrates Ricklingen: Angekündigte Vertreter der Bauverwaltung kamen kurzerhand nicht. Sehr zum Ärger der zahlreichen Anwohner. Auf Initiative der CDU soll es nun jedoch eine Sondersitzung des Bezirksrates am 10. Oktober geben, zu dem auch OB-Vertreterin Sabine Tegtmeyer-Dette erwartet wird.

Als ersten Schritt fordern viele Anwohner die Wiedereröffnung der Ausweichstrecke am Grünen Hagen. Aufgrund des öffentlichen Drucks plädiert inzwischen auch Bezirksbürgermeister Andreas Markuth dafür die Straßensperren abzubauen. „Die aktuellen Sperrungen führen jetzt zu Behinderungen, die in keinem Verhältnis zu den durch den Schleichverkehr befürchteten Belastungen stehen“, so der Bezirksbürgermeister.

Stadt will Situation prüfen

Die Stadt gab sich bislang zugeknöpft. Eine von vielen Anwohnern und Geschäftsleuten geforderte Verschiebung der Baumaßnahme In der Rehre lehnte man ab – „da sie bereits läuft“, so eine Stadtsprecherin auf NP-Anfrage. Immerhin: Angesichts des massiven Unmuts versprach man, einen genaueren Blick nach Ricklingen zu werfen: „Die Verwaltung prüft, ob vor dem Hintergrund der laufenden Baumaßnahmen Möglichkeiten bestehen, die Situation vor Ort zu verbessern“, so eine Sprecherin.

Von Simon Polreich

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