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Meine Stadt Aktion für mehr Sicherheit im Straßenverkehr gestartet
Hannover Meine Stadt Aktion für mehr Sicherheit im Straßenverkehr gestartet
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14:39 27.06.2018
DEMONSTRATION: Polizei und Rettungskräfte zeigten zum Aktionsstart, wie man sich am Unfallort richtig verhält.
DEMONSTRATION: Polizei und Rettungskräfte zeigten zum Aktionsstart, wie man sich am Unfallort richtig verhält. Quelle: Florian Petrow
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LEHRTE

Es kann jedem passieren. Auch wer nicht selbst an einem Unfall beteiligt ist, ist als Zeuge unmittelbar betroffen. Hilfe zu leisten ist Pflicht. Doch sollte niemand dabei den eigenen Schutz vergessen. Das seien Dinge, die man eigentlich sofort wisse, wenn man drüber nachdenke, meinte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius. An die man aber in der Situation, wenn man vielleicht schon stundenlang unterwegs gewesen sei, nicht denke. „Wer dabei ein paar wenige Grundregeln beachtet, trägt bereits maßgeblich zu mehr Sicherheit und im Notfall zur schnellen Rettung von Menschenleben bei.“

Statt dessen aber erlebe man oft die tollsten Sachen, so der Minister weiter. „Gaffen und Fotografieren geht gar nicht“, betonte er. „Schon gar nicht das Versperren der Rettungsgasse.“ Die Behinderung von Rettungskräften „aus reiner Sensationsgier und Wichtigtuerei“ sei verwerflich. Daher ist die von ihm gemeinsam mit ADAC, Polizei, Feuerwehr, der Landesverkehrswacht und der Johanniter Unfallhilfe nun gestartete Aktion „Für mehr Sicherheit am Unfallort“ auch Teil der Kampagne „Helfen statt Gaffen“

In der Feriensaison muss bei zunehmendem Verkehrsaufkommen auch immer mit steigenden Unfallzahlen gerechnet werden. Immer wieder aber kommt es an Unfallstellen erneut zu brenzligen Situationen, bei denen Ersthelfer und professionelle Rettungskräfte nicht nur behindert sondern sogar gefährdet werden. Wie aber verhalte ich mich richtig, wenn ich an eine Unfallstelle komme? Um dies zu demonstrieren, haben Polizei und Rettungskräfte zum Start der Aktion auf der Tank- und Raststätte Lehrter See Nord eine solche Situation nachgestellt.

Ein nachgestellter Unfall

Ein grauer Skoda ist gegen ein Hindernis geprallt. Hier muss ein grüner Müllcontainer zur Illustration herhalten, die Fantasie mag sich einen Baum oder einen Lkw ausmalen. Aus dem Motorraum dringt Qualm. Die drei Insassen scheinen verletzt, zumindest sitzen sie noch alle im Wagen. Ein roter VW kommt dazu und hält an. Die beiden Insassen wollen helfen.

Doch schon bei der Frage, wo sie anhalten sollen, fängt die Unsicherheit an. Etwa 50 Meter vor der Unfallstelle, empfehlen die Experten des ADAC. Natürlich mit eingeschaltetem Warnblinker. „Die Räder sollten nach rechts zum Fahrbahnrand eingeschlagen sein“, sagt ADAC-Sprecherin Christine Rettig, „damit der Wagen nicht von einem eventuell auffahrenden Fahrzeug in die Unfallstelle geschoben werden kann.“

Beim Aussteigen die Warnweste nicht vergessen. In der Demonstration sind die Helfer zu zweit. Das ist gut. So kann einer das Warndreieck aufstellen – innerorts 50 Meter vor der Unfallstelle, auf der Landstraße 100 Meter, auf der Autobahn 150 bis 200 Meter – der andere kann sich um die Menschen im Unfallwagen kümmern.

Notruf mit den fünf W-Fragen

In dem Skoda ist offenbar die Fahrerin verletzt, die zwei anderen Insassen sind glimpflich davon gekommen. Sie können auf der verkehrabgewandten Seite aussteigen und sich am Fahrbahnrand, wenn möglich hinter einer Schutzplanke in Sicherheit bringen. Bei der Fahrerin ist Erste Hilfe gefragt, je nach Art der Verletzung. Zuvor aber muss der Rettungsdienst telefonisch über 112 alarmiert werden. Dabei die berühmten fünf W-Fragen beachten: Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Welche Art von Verletzungen? Wer meldet den Unfall? Wichtig ist es auch, danach nicht gleich aufzulegen, sondern Rückfragen abzuwarten. Dann kann man die Verletzten versorgen und aus dem Auto befreien. Nicht im Wagen auf die Rettungskräfte warten.

Die kommen bei der kleinen Demonstration natürlich zügig. Zuerst der Rettungswagen, der sich zur zusätzlichen Absicherung schräg vor der Unfallstelle abstellt, aber genug Platz für die schnell folgende Feuerwehr lässt. Die muss zur Brandabsicherung oder gegebenenfalls -bekämpfung dichter ran. Auch der ADAC hilft bei der Absicherung mit zwei Stauhelfern auf Motorrädern. Ganz hinten stellt sich schließlich ein Einsatzfahrzeug der Polizei hin, alle haben natürlich ihr Blaulicht eingeschaltet. Die Sanitäter legen der am Kopf verletzten Fahrerin einen professionellen Verband an und bringen sie auf der Trage in den Rettungswagen. Der Einsatz ist glimpflich beendet.

Die Wirklichkeit aber sieht oft anders aus. „Kein Warnblinker, kein Warndreieck, keine Warnweste, kein Abstand hinter der Leitplanke – das ist oft die Realität bei Unfällen und Pannen“, berichtet der Landesvorstand der Johanniter, Hannes Wendler. „Dabei bringt man sich damit selbst und andere Betroffene in Lebensgefahr.“ Und Karl-Heinz Banse, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen ergänzt: „Es hilft uns und allen Beteiligten, wenn wir unsere Aktivität auf die Hilfe für die Betroffenen konzentrieren können und nicht noch zusätzliches Personal zum Absperren und richtigen Sichern der Unfallstelle einsetzen müssen.“

Von Andreas Krasselt