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Meine Stadt Flughafen Hannover: Nach dem Urlaub ist der Autoschlüssel weg
Hannover Meine Stadt Flughafen Hannover: Nach dem Urlaub ist der Autoschlüssel weg
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10:13 08.05.2019
MIT DEN NERVEN AM ENDE: Bernd und Marion König warten am Flughafen vergeblich auf ihre Autoschlüssel. Quelle: Ingrid Lundberg-Piper
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Hannover

Für Bernd und Marion König aus dem Kreis Dithmarschen wurde die Rückkehr aus dem Türkei-Urlaub zum Albtraum. Sie hatten ihr Auto von einem Parkservice abstellen lassen. Als sie landeten, war der Schlüssel verschwunden. Kein Einzelfall. Ein Mitarbeiter der Firma hatte offenbar rund 80 Pkw-Schlüssel gestohlen.

Für das Ehepaar König begann die Tortur gegen 2 Uhr in der Nacht zu Dienstag, als ihre Maschine am Flughafen Hannover in Langenhagen landete. „Wir hatten mit der Firma vereinbart, uns telefonisch zu melden, sobald wir am Kofferband stünden“, berichtet Bernd König. „Als ich das machte, erfuhr ich nur, dass die Schlüssel gestohlen wären und sich nun bei der Polizei befänden. Wie wir nun an unser Auto kämen, sei unser Problem.“

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80 Autobesitzern erging es ähnlich

Aber nicht das Problem der Königs allein. „In den vergangenen zehn Tagen haben sich etwa 80 Autobesitzer gemeldet, denen es ähnlich ging“, so Thorsten Schiewe, Sprecher der Polizeidirektion Hannover. „Entweder waren die Schlüssel nicht auffindbar, oder der Abstellort des Wagens war unbekannt.“

Bernd König versuchte alles, um die Situation zu klären. „Wir haben mehrmals mit der Polizei telefoniert, waren auch bei der Bundespolizei am Flughafen“, berichtet der 59-Jährige weiter. Beide waren müde und erschöpft, nach dem mehrstündigen Flug wollte das Ehepaar eigentlich nur noch nach Hause, was immerhin auch noch einmal zweieinhalb Stunden Fahrzeit bedeutete. Doch niemand konnte ihnen weiterhelfen, der zuständige Sachbearbeiter bei der Polizei war noch nicht im Dienst. „Man sagte mir, die Schlüssel seien in seinem Schrank eingeschlossen, da würde niemand rankommen.“

Für das Ehepaar wurde die Situation immer kritischer. Marion König ist behindert, leidet an diversen Krankheiten, insbesondere auch schwerem Rheuma. Zum Gehen ist sie auf einen Rollator angewiesen. „Ich hatte große Angst um sie, schon überlegt, den Notarzt zu rufen“, so ihr Mann. „Sie konnte nicht mehr.“

Unbeteiligte konnte helfen

Schließlich aber gelang es, Bewegung in die Sache zu bringen – auch mithilfe einer unbeteiligten Flughafenbesucherin, die eigene Kontakte zur Polizei nutzen konnte. Die Beamten entpuppten sich dann doch noch als Freund und Helfer: Zwei Zivilbeamte brachten den Autoschlüssel vorbei und halfen, den abgestellten Pkw zu finden. Achteinhalb Stunden aber hatte es gedauert, bis die Königs endlich die Heimfahrt antreten konnten.

Das betroffene Serviceunternehmen aus Hannover bietet Flugreisenden, die die Parkgebühren am Airport sparen wollen, an, die Autos bei Abreise abzuholen und an geeigneter Stelle abzustellen, die Schlüssel sicher zu verwahren und die Autos bei Ankunft wieder am Flughafen vorbeizubringen. Nur scheint einer der Mitarbeiter dabei lange Finger gemacht zu haben.

Polizei ermittelt wegen Verdachts auf Diebstahl

„Wir ermitteln gegen einen Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Diebstahl“, bestätigte Polizeisprecher Schiewe. Zudem soll der Mann in wenigstens einem Fall mit einem der Fahrzeuge unterwegs gewesen sein, es „widerrechtlich bewegt“ haben, wie es in der Anzeige heißt. Die Polizei will nun zu allen betroffenen Autobesitzern Kontakt aufnehmen, um die einzelne Sachverhalte aufzuklären. Anschließend werde das Verfahren zur weiteren Prüfung an die Staatsanwaltschaft übergeben. Dessen ungeachtet gebe es natürlich für die Betroffenen auch die Möglichkeit zivilrechtlicher Schritte. „Ob das was bringt, weiß ich nicht“, ist Bernd König da eher skeptisch.

Von Andreas Krasselt