Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Lärmschutz-Urteil: Das Maschseefest muss leiser werden
Hannover Meine Stadt Lärmschutz-Urteil: Das Maschseefest muss leiser werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:40 29.09.2019
Unter Beobachtung: Mit einem Dezibelmesser lässt sich die Lautstärke festhalten. Berücksichtigt werden muss aber auch anderer Lärm, der im Zusammenhang steht mit der Veranstaltung. Quelle: Franson
Hannover

Das Maschseefest steht womöglich vor tiefgreifenden Veränderungen. Das hat mit der Lärmdebatte zu tun, die sich rund um das diesjährige Fest mit seinen rund zwei Millionen Besuchern entwickelte. Anwohner aus der Südstadt hatten sich die Lärmschutzrichtlinien des Landes (TA Lärm) noch mal genauer angeschaut und dabei festgestellt, dass bei der Lärmbemessung einer Veranstaltung auch die Geräusche der Besucher mit einbezogen werden müssten. Konkret geht es um den Autolärm auf dem NDR-Parkplatz und um das Mitsingen von Liedern wie etwa beim „Hamborger Veermaster“ am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer. Auch lautes Reden beim Nachhauseweg gehört dazu.

Anwohner, die Hannover Veranstaltungs GmbH (HVG) als Maschseefest-Veranstalter und die Stadt stehen seit längerem in schriftlichem Austausch und suchen nach Lösungen. Die aber gestalten sich schwierig. „Wir prüfen viele Möglichkeiten. Welche, dazu kann ich aktuell nichts sagen“, so HVG-Chef Hans Nolte. Nach NP-Infos soll über einige Szenarien nachgedacht werden: der NDR-Parkplatz wird fürs Parken gesperrt, der „Hamborger Veermaster“ zum Südanleger verlegt und die alte Fläche bleibt frei, es gibt weniger Live-Musik am See. Auch eine Verkürzung des Maschseefestes soll eine Option sein, wobei die aus wirtschaftlichen Gründen eher unwahrscheinlich ist – die großen Betreiber an Nordufer oder Geibelstraße haben hohe Investitionen, würden bei einer Verkürzung wohl nicht mehr mitmachen, was wiederum die HVG in wirtschaftliche Not bringt: „Es ist ein Gerücht, dass die Gastronomen Schlange stehen, um einen Standplatz zu bekommen“, sagte HVG-Chef Hans Nolte jüngst im Oberbürgermeister-Ausschuss.

Südstadt: Zutritt nur noch für Anwohner

Schon jetzt steht fest, dass es wild parkende Autos und durch enge Straßen der Südstadt kurvende Festbesucher nicht mehr gibt, denn: Die gesamte Südstadt soll ab 2020 für auswärtige Autofahrer gesperrt werden, nur noch Anwohner bekommen Zutritt. Wer allerdings die Kosten für Schranken und Kontrollposten trägt, ist zurzeit unklar. Jüngst hatte der städtische Eventmanager Ralf Sonnenberg ebenfalls im OB-Ausschuss gesagt: „Wir müssen an verschiedenen Stellen genauer hinschauen.“

Die Anlieger aus der Südstadt, von denen ein Teil zum Forum Lärmschutz Hannover e.V, gehören, haben nunmehr festgestellt, dass Lärm, der unmittelbar einer Veranstaltung zuzuordnen ist, mit zu berücksichtigen ist. Zu Grunde liegt dieser Einschätzung ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes von 1996, das durch die TA Lärm des Landes aus dem Jahr 1998 nicht in Frage gestellt wird, wie das Umweltministerium in Hannover auf Anfrage mitteilte.

Kopfzerbrechen bei der HVG

Bei dem Urteil von 1996 geht es konkret um Fußgängergeräusche, die einem Gaststättenbetrieb zugerechnet werden müssen: Das Geschehen trete noch erkennbar als Ziel- beziehungsweise Quellverkehr der Gewerbebetriebe in Erscheinung mit der Folge, dass die Geräusche der Fußgänger trotz fehlenden unmittelbaren Zugangs der Anlage zuzurechnen seien, heißt es im Amtsdeutsch. Übertragen auf das Maschseefest bedeutet dies: Auto-und Fußgängergeräusche sowie das Singen von Liedern sind Lärmquellen, die bemessen werden müssen, da sie zur Veranstaltung am See gehören.

Der HVG bereitet diese Feststellung, die nunmehr öffentlich gemacht worden ist durch die Südstadt-Anlieger, erhebliches Kopfzerbrechen. „Wir zahlen schon jetzt eine Million Euro für die Organisation“, sagte Festveranstalter Hans Nolte seinerzeit im Ausschuss des Oberbürgermeisters. Der Aufwand für das Volksfest sei stetig gewachsen. „Wir sind an der Grenze dessen angelangt, was sich noch refinanzieren lässt.“ Die Standmieten könne man nicht mehr anheben, weil das viele Gastronomen vertreiben würde. Müsse man tatsächlich Standplätze aus Lärmschutzgründen streichen, sei das Maschseefest alleine aus HVG-Mitteln nicht mehr finanzierbar, heißt es.

Als Sponsor könnte in diesem Fall etwa die Stadt Hannover einspringen, wie sie es seit einigen Jahren beim Schützenfest Hannover ist. Jährlich schießt sie 125.000 Euro dazu, etwa für Werbung und Sicherheit. Ob die Stadt künftig auch dem Maschseefest unter die Arme greift, ist offen. „Den Parksuchverkehr in der Südstadt zu unterbinden, ist nicht ohne zusätzliche Mittel machbar“, sagte die Erste Stadträtin Sabine Tegtmeyer-Dette im OB-Ausschuss vor kurzem. Insgesamt müsse das Konzept für das Fest aber finanzierbar bleiben.

Viele offene Fragen

Für die HVG spitzt sich die Situation noch zu, da sie die großen Flächen am See für die kommenden drei Jahre ab 2020 neu und europaweit ausschreiben und dabei Fristen einhalten muss. Können alle Flächen wie bisher vermietet werden? Soll der „Hamborger Veermaster“ an den Südanleger ziehen und will er das überhaupt? Welche Lärmauflagen macht man generell den Betreibern? Diese und andere Fragen muss die HVG gemeinsam mit der Stadt zeitnah klären.

Denn Mitte Oktober startet bereits die erste Runde des Bewerberverfahrens mit dem allgemeinen Aufruf an potenzielle Betreiber, ihr Interesse zu bekunden und die Bewerbungsunterlagen anzufordern. Im November/Dezember läuft die Bewerbungsfrist, danach befindet eine Findungskommission über die Auswahl. Ende Januar 2020 soll dann feststehen, wer zum Maschseefest der nächsten drei Jahre kommt. Immerhin: An eine Absage denkt nach NP-Infos aktuell niemand, auch nicht hinter vorgehaltener Hand.

Mehr zum Thema

Maschseefest: Die Lärmdebatte nimmt wieder Fahrt auf

Weniger Beschwerden von Anwohnern

Straßenmusiker dürfen nicht am Ufer spielen

Von Andreas Voigt

Es sollte eine Traumreise auf die italienische Halbinsel Ischia werden. Doch das Schicksal machte einem Paar aus Hannover gleich zweimal einen Strich durch die Urlaubsrechnung. Nach der Thomas-Cook-Pleite sind die Ferien nun endgültig futsch.

29.09.2019

Nach einer Attacke mit einer abgeschlagenen Flasche auf der Faustwiese in Hannover sucht die Polizei den Täter. Nach Angaben von Zeugen soll es sich um einen athletischen, dunkelhäutigen Mann handeln.

29.09.2019

Wenn es am Himmel so richtig bunt zugeht, steigt wieder das große Drachenfest auf dem Kronsberg. Am Samstag tummelten sich hier etliche Besucher mit ihren Fluggeräten. Noch bis Sonntag können Profis und Laien ihre Drachen steigen lassen.

28.09.2019