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Meine Stadt Ärger über Hannovers Fahrradstraßen
Hannover Meine Stadt Ärger über Hannovers Fahrradstraßen
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19:19 20.11.2018
AUSWEICHMANÖVER: Zwei Radfahrer müssen in der Langen Laube einem Auto ausweichen, das auf der Fahrradstraße steht. Quelle: Foto: Dröse
Hannover

Der Fall einer Radfahrerin, die am Freitag in einer Fahrradstraße 40 Minuten lang einen entgegenkommenden Kleinlaster nicht passieren lassen wollte, hat für mächtig Aufsehen gesorgt. Die Frau hatte sich darüber geärgert, dass ihr der Lkw-Fahrer in der engen, zugeparkten Kleefelder Straße die Vorfahrt genommen hatte.

Ein Einzelfall? Für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Hannover zeigt das Geschehen deutlich, dass die Fahrradstraßen in der Stadt nicht das erfüllen, was sie eigentlich sollen. ADFC-Sprecher Eberhard Röhrig-van der Meer kann den Ärger der Radfahrerin daher verstehen. „Nur ein paar Schilder aufzustellen, reicht nicht. Das ist Augenwischerei, das Geld sollte man lieber an anderen Stellen für die Radverkehrsförderung einsetzen“, findet er. Für Frust sorge, dass in vielen Fahrradstraßen weiterhin Autos und Lastwagen zugelassen seien. Dazu kämen noch die parkenden Fahrzeuge der Anlieger, „Den Radfahrern wird kaum Raum zugesprochen“, klagt er.

„Das ist ein Flickenteppich“

Das kritisiert auch Ralf Strohbach von der Bürgerinitiative Umwelt (BIU). „Das ist ein Flickenteppich, es steckt kein System dahinter.“ Es bringe wenig, Fahrradstraßen über 300 Meter einzurichten, wenn sie abrupt wieder enden. Es brauche bauliche Veränderungen. „Die Straßen müssen anders aussehen als vorher“, so Strohbach weiter.

Pat Drenske, umweltpolitischer Sprechen bei den Grünen, hält die Fahrradstraßen zwar nicht überall für ideal. „Aber sie sind ein Schritt in die richtige Richtung“, so Drenske. Als Beispiel nennt er die Lange Laube, aber auch die Große Barlinge in der Südstadt. Hier führen die Autofahrer deutlich vorsichtiger und rücksichtsvoller als noch vor der Umgestaltung. Arne Käthner von der Initiative „Hannovair Connection“ sieht das anders. „In der Großen Barlinge ist es gefährlicher geworden.“ Die Straße sei viel zu schmal, Autos und Radfahrer kämen sich gefährlich nahe.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wilfried Engelke möchte den Vorfall in der Kleefelder Straße nicht verallgemeinern. „Da sind einfach zwei Hitzköpfe aufeinander getroffen“, vermutet er. Aus seiner Sicht ist der Verkehr in den Fahrradstraßen deutlich ruhiger, die Autofahrer achteten verstärkt auf Radfahrer.

CDU vermisst Rücksichtnahme

Auch Lars Kelich, verkehrspolitischer Sprecher bei der SPD, ist zufrieden mit den Fahrradstraßen in Hannover. „Man sollte sie aber deutlicher kennzeichnen, damit die Autofahrer das besser erkennen.“ den Kfz-Verkehr komplett auszusperren und Parkplätze zurückzubauen, hält er für die falsche Idee. „Ich will den Menschen in Fahrradstraßen ja nicht verbieten, ein Auto zu haben“, sagt Kelich.

Für Felix Semper (CDU) zeigt der Fall im Zooviertel eher, dass viele Verkehrsteilnehmer selten Rücksicht zeigen. Ein Problem bei Hannovers Fahrradstraßen sieht er aber nicht. „Sie sind ein guter Kompromiss für Wohngegenden, in denen kein Platz für einen separaten Radweg ist“, meint der CDU-Ratsherr.

Lesen Sie hier den NP-Kommentar zum Thema.

Von Sascha Priesemann

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