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Meine Stadt Actionreifer Sturm auf Hanebuth-Villa
Hannover Meine Stadt Actionreifer Sturm auf Hanebuth-Villa
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11:28 25.05.2012
Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Bissendorf. Die Maschinenpistole in den Händen, die Gesichter mit Sturmhauben vermummt - Spezialkräfte haben das Haus von Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth (47) umstellt, durchsuchen das Anwesen in Bissendorf (Wedemark) seit dem frühen Morgen.

Donnerstag, kurz nach fünf Uhr in der Früh - in dem beschaulichen Wohngebiet ereignen sich Szenen wie im Action-Film: Ein Hubschrauber kreist über dem Grundstück, Beamte der Anti-Terroreinheit GSG9 seilen sich in den Garten ab. Der Bewohner hört das Getöse: „Ich bin dann auch gleich nach draußen gegangen“, erzählte der 47-Jährige der NP. Er ahnte was passieren wird und wollte gleich signalisieren: „Ich bin da. Ich rede mit Euch.“

Die Terrorbekämpfer bringen ihn zu Boden, legen ihm Handschellen an. Gleichzeitig brechen weitere Beamte das Holztor auf. Sein sechs Monate alter türkischer Hirtenhund wird vor den Augen seines zehnjährigen Sohnes erschossen. „Die Aktion war vollkommen unverhältnismäßig und absolut an den Haaren herbeigezogen. Ich habe immer zu allen Behörden gesagt, wenn es was zu reden gibt, sprecht mich an, ich rede mit Euch“, so Hanebuth. „So war es völlig überzogen. Vor allem wenn Kinder im Haushalt sind, muss man das doch vernünftig regeln können.“ Die Durchsuchung sei aber in aller Ruhe und formal sauber durchgeführt worden.

Während es hinter dem meterhohen Holzzaun mit Stacheldraht zur Sache geht, bricht ringsherum ein ganz normaler Tag an. Ein Postbote kommt vorbei, Anwohner führen ihre Hunde aus, eine Schulklasse mit 50 Kindern läuft direkt an den bewaffneten Spezialkräften vorbei - kaum jemand scheint sich über das Polizeiaufgebot zu wundern. „Solche Bilder kennen wir. Das ist für uns hier nichts Besonderes“, sagt Nachbar Bernd Holtmann, der den sonnigen Vormittag nutzt, um seine Hecke zu beschneiden. Dass sich die GSG9 allerdings über Hanebuths Gelände vom Hubschrauber abseilt, hat auch Holtmann noch nicht erlebt. „Wir haben mit offenem Fenster geschlafen und wurden von dem Lärm geweckt“, erzählt er. Ein Nachbar habe sich gefühlt wie im Krieg: „Der Hubschrauber ist immer wieder rauf und runter. Und das mitten im Wohngebiet.“

Gegen elf Uhr verlassen neun vermummte Beamte mit Koffern und Rucksäcken das Anwesen. In einem silbernen Volvo folgt ein Staatsanwalt. Neben ihm auf dem Rücksitz und im Kofferraum stapeln sich Kartons und Ordner. „Sie haben Fotos, Akten und Zeitungsausschnitte mitgenommen“, sagt Hanebuth. „Außerdem zwei Laptops. Damit mache ich eigentlich nichts, außer E-Mails verschicken.“ Waffen, Drogen oder andere illegale Gegenstände seien nicht gefunden worden. Mit dem gesicherten Material will die Polizei die Verbindung zwischen dem Hells-Angels-Chefs und dem verbotenen Charter Kiel beweisen. Hanebuth soll laut Staatsanwaltschaft Kiel, die bei dem Strafverfahren federführend ist, von den Delikten in Schleswig-Holstein gewusst oder sogar dazu angestiftet haben. Doch nur einen der Männer, die in den Verfahren beschuldigt sind, will Hanebuth tatsächlich kennen.

Ein Verbot der Rocker ist seit Jahren das erklärte Ziel von Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU). „Sollte es gerichtsfeste Beweise für ein Verbotsverfahren geben, werden wir sie unverzüglich auf den Weg bringen.“

Hanebuths Anwalt Götz von Fromberg ist sicher: „An den Vorwürfen gegen meinen Mandanten ist nichts dran. Die Aktion ist Teil einer Strategie und ein erneuter Versuch, ihn zu eliminieren.“ Der Jurist, der am Morgen gleich nach Bissendorf gefahren war, betont, dass auch für seinen Mandanten die Unschuldsvermutung gelten müsse. „Wir leben in einem Rechtsstaat, sodass wir erwarten, dass gegen ihn keine Kampagne geführt wird.“

wei/mc