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Meine Stadt Verbraucherzentrale: So werden Kunden abgezockt
Hannover Meine Stadt Verbraucherzentrale: So werden Kunden abgezockt
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20:35 04.06.2019
Vorsicht Abzocke: Viele Maschen, vor denen die Verbraucherzentrale warnt, spielen sich im Internet ab. Quelle: dpa
Hannover

Egal ob betrügerische Online-Shops, gefälschte Streaming-Dienste, dubiose Kreditanbieter oder untergeschobene Handy-Verträge – die oft kriminelle Tricksereien von dubiosen Anbietern kennen scheinbar keine Grenzen mehr. Vor besonders dreisten Methoden, die die Geprellten oft hilflos zurücklassen, warnte die Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) am Dienstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz anhand von Fallbeispielen.

Gefälschte Streaming-Dienste und illegale Apps

Wobplay, Streamba, Oneflix – verschiedene Namen, gleiches Ergebnis: Mit angeblich kostenlosen Filmen und Serien werden Nutzer auf gefälschte Seiten gelockt. Diese sind professionell gestaltet, für das Impressum werden oft fremde Identitäten missbraucht. Nach der Anmeldung lassen sich die Filme jedoch nicht ansehen. Stattdessen flattert eine Rechnung über ein bis zu 360 Euro teures Jahresabo ins E-Mail-Postfach. „Falsche Inkassoschreiben sollen den Druck erhöhen. Teilweise werden sogar konkrete Pfändungstermine genannt“, erklärt VZN-Geschäftsführerin Petra Kristandt. Besonders perfide: Wer bei Youtube recherchiert, findet Videos, in denen vermeintliche Anwälte erklären, die Forderungen seien rechtmäßig und müssten beglichen werden. Tipp der Verbraucherzentrale: Nicht einschüchtern lassen, es ist kein Abo-Vertrag zustande gekommen. Um gar nicht erst auf die Abzocke hereinzufallen, über Online-Suchen überprüfen, ob zu dem Anbieter schon Beschwerden vorliegen.

Doppelte Internet- und Telefonverträge

Ob im Shop oder telefonisch, Kündigungen und Stornierungen von Mobilfunk- und Internetverträgen werden von den Anbietern oft nicht – wie zugesagt – ausgeführt. Stattdessen schließt der Kunde noch einen zweiten Vertrag ab und zahlt doppelt. Das 14-tägige Widerrufsrecht gilt nur für Abschlüsse im Internet, aber nicht für den stationären Handel. Von allein kommen die Kunden dann nicht mehr aus den Verträgen heraus. Erst nach Aufforderung der Verbraucherschützer lenkten die Shops ein. Tipp der Verbraucherzentrale: Immer eine Kündigungs- oder Stornierungsbestätigung einfordern und gut aufbewahren. Nach einem Vertragswechsel das eigene Konto im Blick haben und nach Abbuchungen kontrollieren.

Finanzprobleme der Verbraucherzentrale

Mehr als 61 000 Menschen nutzten 2018 die Vor-Ort-Angebote der Verbraucherzentrale Niedersachsen – 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch mit der steigenden Nachfrage stößt die Einrichtung an ihre finanziellen Grenzen. Laut Vorstandsvorsitzendem Randolph Fries muss die Förderung durch das Land zwingend aufgestockt werden.

2018 betrug die Förderung der VZN durch das Land rund 1,67 Millionen Euro. „Damit belegen wir bundesweit erstmals einen Spitzenplatz – nämlich den letzten Platz“, bilanziert Fries mit einer Portion Galgenhumor. Dabei sei die Lage ernst. Gemessen an der Einwohnerzahl gebe kein Bundesland weniger für die institutionelle Förderung aus. „Aufgrund von steigenden Kosten für Mieten und Personal kann das Beratungsnetz langfristig nicht aufrecht erhalten werden“, stellt Fries klar.

Auf NP-Nachfrage bestätigt das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz die Zahlen, verweist im Gegenzug aber auf die umfangreiche projektbezogene Förderung (2,18 Millionen Euro). Laut Fries könne diese die institutionelle Förderung jedoch nicht ersetzen.

Shopping-Apps

Exemplarisch nennen die Verbraucherschützer die Shopping-App „Wisch“. Sie lockt mit Rabatten von bis zu 90 Prozent. Am Ende erhalten Käufer aber nur minderwertige Plagiate oder auch gar keine Ware. Zudem kann es Ärger mit dem Zoll geben. Was viele Verbraucher nicht wissen: „Wish“ verkauft die Produkte nicht selbst, sondern tritt nur als Marktplatz für Anbieter aus aller Welt. Viele Produkte kommen aus Fernost. Bei der Einfuhr in die EU können Zölle und Gebühren anfallen, die der Käufer zahlen muss – selbst bei Reklamationen. Zudem können Rechnungen übersehen werden, da die Abwicklung über den Bezahldienst Klarna erfolgt. Wer nicht bezahlt erhält ein Inkassoschreiben. Tipp der Verbraucherzentrale: Nicht von Billigangeboten blenden lassen. Kristandt appelliert an den gesunden Menschenverstand: „Wenn die angesagtesten Turnschuhe plötzlich nur noch zehn Euro kosten sollen, dann ist da etwas faul.“ Wird keine oder mangelhafte Ware geliefert, sofort widerrufen und den Kaufpreis beim Anbieter zurückfordern. Den Bezahldienstleister informieren, damit keine Mahnung kommt. Möglicherweise Strafanzeige stellen.

Schufa-freie Kredite und Kreditkarten

Angeblich exklusive Kredite ohne Schufa-Prüfung und Visa- oder Mastercards locken insbesondere finanzschwache Verbraucher. Die Angebote entpuppen sich aber häufig als überteuerte Prepaid-Kredikarte mit fragwürdigen und teuren Zusatzleistungen wie etwa eine „Bonitätsüberwachung“. Ein Widerruf wird meist nicht akzeptiert, schnell schaltet sich ein Inkasso-Unternehmen ein. Tipp der Verbraucherzentrale: Nicht von Werbeversprechen blenden lassen. Einen seriösen Kredit ohne vorherige Prüfung der Kreditwürdigkeit gibt es nicht. Verträge genau prüfen. Hinweise auf Kosten und Zusatzleistungen stehen im Kleingedruckten.

Reiserecht

Mit der Einführung des neuen Pauschalreiserechts versuchen manche Reiseveranstalter, sich als Vermittler darzustellen, um bei einer Airline-Insolvenz nicht zu haften. Sie erstatten zwar die Kosten für alle Leistungen, nicht jedoch den Flug. Auffälliges Merkmal: Die Buchungsbestätigung weist zwar einen Gesamtpreis aus. Das Reisebüro übergibt jedoch Einzelrechnungen über die einzelnen Leistungen. Tipp der Verbraucherzentrale: Bei einer Pauschalreise darauf achten, dass sämtliche Leistungen in einem Paket gebucht sind und zu einem Gesamtpreis ausgewiesen werden. Vor Vertragserklärung auf die Musterblätter achten, die die Anbieter aushändigen müssen. Hier steht, ob diese als Veranstalter oder nur als Vermittler auftreten.

VZN-Geschäftsführerin Kristandt fasst die Lage zusammen: „Wir stellen fest, dass Fake-Angebote und Tricksereien unseriöser Anbieter zunehmen. Kunden werden mit falschen Informationen über den Tisch gezogen und sogar gut informierte Verbraucher können ihre Rechte oft nicht allein durchsetzen.“

Von André Pichiri

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