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Meine Stadt Abfalltrennung findet nicht statt
Hannover Meine Stadt Abfalltrennung findet nicht statt
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21:22 02.11.2017
ALTER BEKANNTER:Wie hier am Rande des Kröpcke in Hannover-Mitte stehen statt der Drei-Kammer-Behälter die schlichten Mülleimer.
ALTER BEKANNTER:Wie hier am Rande des Kröpcke in Hannover-Mitte stehen statt der Drei-Kammer-Behälter die schlichten Mülleimer. Quelle: Fotos: Droese
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HANNOVER

„Zuhause“ sind wir offenbar die Abfalltrennmeister – in der Öffentlichkeit dagegen scheren sich die wenigsten darum, wo landet, was sie unterwegs wegwerfen. Zumindest in Hannover, wo man sonst stolz ist, eine gute Trennungsbilanz vorweisen zu können. Daher ist jetzt in Hannover der Versuch beendet worden, im öffentlichen Raum Abfallbehälter mit drei Kammern für Papier, Leichtverpackungen und Restabfall anzubieten. An anderer Stelle hält man dagegen noch daran fest.

Vier Jahre lang standen 42 dieser farblich gekennzeichneten und mit Hinweisbildchen (Piktogrammen) versehenen Sammelbehälter in der Bahnhof- und in der Limmerstraße. Doch das Ergebnis bei der Leerung war stets ernüchternd. Der Test habe auf Wunsch der Stadtverwaltung stattgefunden, „wurde aber nunmehr aufgrund massiver Fehlbefüllungen – bis zu 75 Prozent – und häufiger Beschädigungen der Behälter eingestellt“, erklärt Aha-Sprecher Stefan Altmeyer auf NP-Anfrage. Das war nicht alles: „Aufgrund massiver illegaler Beklebung wurden die Müllbehälter schnell zu einem Schandfleck, das Stadtbild dadurch erheblich beeinträchtigt“, ergänzt er. Unterm Strich „funktioniert das auch wirtschaftlich nicht“. Daher seien die Trennbehälter jetzt wieder gegen die üblichen Abfallbehälter ausgetauscht worden.

Altmeyer vermutet als einen der ausschlaggebenden Faktoren für die Nicht-Trennung, dass „die Leute in der Stadt sehr schnell unterwegs sind, von Geschäft zu Geschäft oder zur Arbeit hasten und sich nicht die Zeit nehmen, den Müll zu trennen. Zuhause läuft es besser!“
Auch die Deutsche Bahn bietet die Trennbehälter an, laut Sprecher Egbert Mayer-Lovis „nach und nach eingeführt“ seit Mitte der 1990-er-Jahre. Im Hauptbahnhof Hannover stünden 167 der Drei-Kammern-Behälter. Und auch die Bahn denkt über den Nutzen nach: An den kleineren Bahnhöfen und S-Bahn-Stationen habe man die Trennung wieder aufgegeben – auch hier wie auf der Straße: zu viel Wildwurf – und die Sortierung hinterher sei „sehr aufwändig“. Allerdings habe die Bahn das Trennungsziel noch nicht aufgegeben: „Wir arbeiten mit der Abfallwirtschaft an einem neuen Verfahren zur Sortierung“, sagt der Sprecher. Wann das zu einem Ergebnis führe – vor allem: zu welchem – sei noch nicht absehbar.

Der Ursprung der Trennung

Gelber Sack, blaue Tonne, Biomüll, Orange Tonne, Wertstoffhof, Glascontainer, Altkleidersammlung, Batterierücknahme: In den Augen vieler Menschen anderer Länder gilt es quasi als „typisch deutsch!“: Die Müll-Trennung.

Tatsächlich gilt Deutschland längst als „Recycling-Europameister“ der Abfalltrennung, was womöglich gleichbedeutend mit „Weltmeister“ sein dürfte, wie ein Bericht des Deutschlandradio nahelegt. Das beruht darauf, dass laut Statistik der Europäischen Umweltagentur hier zwei Drittel des Hausmülls recycelt, also wiederverwertet und -verwendet würden und sei eine Folge der 1991 eingeführten Verpackungsverordnung.

Damals startete unter Umweltminister Klaus Töpfer das System mit dem Grünen Punkt (Gelber Sack, Duales System Deutschland) – eingeführt im Handel, bezahlt vom Verbraucher (weil die Kosten in den Produktpreis einkalkuliert sind).

Andererseits produziert Deutschland mehr Abfall als die meisten anderen Länder: zwölf Kilogramm pro Woche und Kopf, so die Statistik, macht unterm Strich 45 Millionen Tonnen im Jahr. Und es wird mehr – dank des rasant steigenden Wachstums an Warenbestellungen via Internet.

Von Ralph Hübner

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