Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Zahl der Schrottautos am Straßenrand steigt erneut
Hannover Meine Stadt Zahl der Schrottautos am Straßenrand steigt erneut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:23 28.12.2018
WARNUNG: Dieses nach einem Unfall in Hannover zunächst in einem Waldstück gelandete, später  auf den Gehweg gezogene Auto stand kurz vor der Zwangsverschrottung – doch wurde es noch vor dem Abschlepptermin entfernt.
WARNUNG: Dieses nach einem Unfall in Hannover zunächst in einem Waldstück gelandete, später auf den Gehweg gezogene Auto stand kurz vor der Zwangsverschrottung – doch wurde es noch vor dem Abschlepptermin entfernt. Quelle: Foto: Hübner
Anzeige
Hannover

Im Jahr 2018 sind laut dem hannoverschen Abfallentsorger Aha bis Ende November 7914 illegal am Straßenrand in der Region stehende Fahrzeuge gemeldet worden – im gesamten Vorjahr waren es etwa 7800. Im Jahr 2016 waren es demnach 6272, im Jahr 2015 dagegen nur 5829. Binnen vier Jahren ist das ein Anstieg um mehr als 34 Prozent.

Von den 492 bislang in diesem Jahr abgeschleppten Fahrzeugen ohne gültiges Kennzeichen dürfte wieder der größte Teil zwangsverwertet, also verschrottet worden sein – wie viele das sind, konnte Aha nicht sagen. Zum Vorjahreszeitpunkt waren rund 400 von 472 entfernten Fahrzeugen in der Schrottresse gelandet (knapp 85 Prozent).

Steht so ein Fahrzeug im öffentlichen Raum und wird es Aha gemeldet – meist von Anwohnern –, wird nicht sofort abgeschleppt, es sei denn, es droht eine unmittelbare Gefahr für Mensch und Umwelt oder es ist klar als Müll einzustufen. Fehlen an einem im öffentlichen Raum abgestellten Fahrzeug Kennzeichen oder ist keine gültige Zulassungsplakette dran, bringt Aha einen Aufkleber an. Die Abfallfahnder teilen so mit, worum es geht und wie lange Zeit bleibt, das Schrottmobil selber zu entfernen. Die Zahl der „geklebten Fahrzeuge“ stieg von 1952 im Jahr 2015 über 2230 in 2016 und 2387 im vorigen Jahr auf mehr als 3200 in diesem Jahr – eine Zunahme um knapp 64 Prozent.

Die meisten Autos oder Krafträder wurden innerhalb der per Aufkleber am Fahrzeug gesetzten Frist von einem Monat oder noch während der Verweilzeit bei den Abschleppfirmen vom Halter oder Eigentümer abgeholt (siehe Info). Im zu Ende gehenden Jahr wurden von den gemeldeten Fahrzeugen 1578 noch vor dem Bekleben durch die Eigentümer/Halter entfernt, von den 3202, die den aufgeklebten Hinweis erhielten, kümmerten sich Halter oder Eigentümer 2637-mal fristgemäß darum, dass das Fahrzeug „verschwand“ (entspricht 82 Prozent).

Aha sammelt nach eigenen Angaben „jedes Jahr mehr als 1100 Tonnen illegal entsorgten“ Abfall ein – im Schnitt sind das mehr als 22 Tonnen je Woche. Pro Jahr gehen laut Aha inzwischen mehr als 33 000 Hinweise auf solche Vergehen ein. Es werde beobachtet, dass besonders die Entsorgung von großen Mengen Altreifen und Elektrogeräten zunimmt. Für die Entsorgung des wild abgelegten Mülls muss die Landeshauptstadt derzeit etwa 1,2 Millionen Euro im Jahr aufbringen, die Umlandkommunen zusammen etwa 1,5 Millionen Euro.

Info: Zwangsverschrottung und Bußgeld

Ist die von Aha per Aufkleber gesetzte Frist für das entfernten eines illegal abgestellten Fahrzeugs um und steht das Fahrzeug immer noch unzulässiger Weise dort, hat es sein Halter aus Aha-Sicht zu Abfall erklärt. Dann kommt es in die Sammelstelle des Entsorgers, wo es „aus Kulanz“ einen weiteren Monat aufbewahrt wird. Kommt auch dann kein Eigentümer, wird es zwangsverwertet und landet dabei meistens auf dem Schrottplatz. Der Erlös der Verwertung abzüglich entstandener Kosten kommt für drei Jahre auf ein Verwahrkonto.

Ist abgeschleppt worden, beginnt ein Verfahren wegen umweltgefährdender Abfallbeseitigung. Der Abschleppfall wird in einer Datenbank der Polizei vermerkt, damit hat der Eigentümer eine Chance, das Fahrzeug zu finden. Die Buße etwa an die Stadt für so eine Ordnungswidrigkeit beträgt rund 80 Euro, Aha berechnet eine Verwaltungsgebühr von 75 Euro, das Abschleppen kostet etwa 155 Euro, und jeder Tag in der Sammelstelle wird mit zehn Euro veranschlagt. Holt der Halter das Fahrzeug nicht ab und geht das dann von Aha angestoßene Strafverfahren gegen ihn aus (falls der Eigentümer von der Polizei ermittelt werden konnte), wird eine Verwaltungsgebühr von 130 Euro berechnet.

Von Ralph Hübner