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Meine Stadt 96 und Weil schnorren „um ’ne Mark“
Hannover Meine Stadt 96 und Weil schnorren „um ’ne Mark“
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17:41 29.01.2019
MIT POKAL: Den möchte Ministerpräsident Stephan Weil, Ex-Landesbischöfin Margot Käßmann und 96-Mann Jörg Sievers gern ordentlich gefüllt haben. Quelle: Foto: Petrow
Hannover

Der Ort war einigermaßen ungewöhnlich: Im Hintergrund des 96-Fanshops an der HDI-Arena pries eine elektronische Werbetafel heruntergesetzte 96-Trikots für 99 Euro an, und vorne fragte jemand: „Haste mal ’ne Mark?“

Die Frage stellten keineswegs Punker, die sonst vor der Galerie Kaufhof schnorren, sondern Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) selbst. Und die Ex-Landesbischöfin Margot Käßmann. Und der einstige 96-Pokalheld Jörg Sievers. Sie sind Schirmherren und Schirmherrin der Aktion „Haste mal ’ne Mark“ von Hannover 96plus (soziale Tochter des Vereins) und dem Diakonischen Werk Hannover. Die Aktion dauert vom 1. Februar bis zum 15. März.

Alte Mark gegen die Not

Hintergrund ist die Not der Obdachlosen in Hannover. Während diese jeden Euro gebrauchen können, liegen in Deutschland noch immer zwölf Milliarden Mark herum. „Ich habe noch mehrere Mark im Kaufmannsladen meiner Enkel gefunden“, erzählt Käßmann. Weil brachte eine Mark mit, hatte sie aber zugegebenermaßen von jemanden aus der Staatskanzlei bekommen. Egal woher, „wir wünschen uns, dass der Pokal richtig schön voll mit Mark-Münzen, Mark-Scheinen und natürlich auch Euro werden wird“, sagte 96-Legende Sievers. Dafür muss man nicht unbedingt zum Stadion gehen, neben dem dortigen Fanshop kann das Geld auch beim Diakonischen Werk in der Burgstraße 10, im 96-Fanshop City, Rathenaustraße (beides Mitte) sowie im „edelMut“-Laden, Friesenstraße 57 (Oststadt), abgegeben werden.

Die Problematik ist beileibe nicht so spielerisch wie die Örtlichkeit. Zwischen 3000 bis 4500 Wohnungslose gibt es in Hannover, einige Hundert von ihnen müssen „Platte machen“, also draußen leben. „Das sind die Menschen, die auf der Straße, in der Eilenriede oder in Hauseingängen schlafen“, klärte Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes auf. Vor wenigen Wochen starb der erste an der Kälte, die Situation für die Menschen ohne Obdach ist prekär. Die Stadt und die Träger wie Diakonie, DRK oder Caritas bieten Kältebusse, Unterkünfte und auch Notschlafplätze an. Besonders die Unterkünfte sind aber umstritten, weil Obdachlose ungeschützt mit vielen anderen untergebracht sind. Konzepte wie „housing first“ (Obdachlose bekommen Wohnungen zugewiesen, um einmal zur Ruhe zu kommen und werden dabei von Sozialarbeitern unterstützt) werden von der Stadt nicht umgesetzt.

Auf die Wohnungsnot der Menschen angesprochen, sagte Weil: „Es ist unbefriedigend zu sehen, wie eine wohlhabende Gesellschaft wie unsere nach wie vor nicht in der Lage ist, all diesen Menschen gerecht zu werden.“ Es gebe nicht den einen Grund, wohnungslos zu werden, sondern ein Bündel von Gründen. Deswegen freue er sich über „Initiativen wie diese von 96 und der Diakonie, und sie zu unterstützen, tue ich außerordentlich gern.“

Von Petra Rückerl

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