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Meine Stadt 700 000 Euro kommen in den Keller
Hannover Meine Stadt 700 000 Euro kommen in den Keller
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07:00 16.06.2014
Von Christian Bohnenkamp
Hannover

Es ist Geld, mit dem kein Stück Straße schöner wird. Kein barrierefreier Hochbahnsteig zumindest in Teilen gebaut werden kann und kein Meter neue Gleise verlegt wird. Allein 700 000 Euro verschwinden für den Umbau der D-Linie sozusagen in den Katakomben Hannovers. Diese Summe zumindest veranschlagt das hannoversche Ingenieurbüro GRBV in einem Gutachten für die konstruktive Verstärkung einer nie genutzten Wartehalle unter dem alten Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB).

Der Keller unter dem Areal war 1974 angelegt worden als Wartehalle für die Busreisenden. Er wird aber schon längst nicht mehr als solche genutzt - und das wird auch so bleiben, weil nur wenige Meter entfernt der neue ZOB mit einer modernen, überirdisch gelegenen Wartehalle entsteht. Dass trotzdem so viel Geld in den ausgedienten Keller fließen muss, liegt daran, dass die D-Linie in Zukunft durch den Posttunnel bis zum Raschplatz fahren soll. Denn das Gewicht des Hochbahnsteigs und der Bahnen in diesem Bereich macht eine Verstärkung des Kellers notwendig, der ein Teil der Passarelle ist, die sich vom Kröpcke bis zur Raschplatzhochstraße erstreckt.

Im Rahmen einer statischen Überprüfung von September 2013 stellten die Ingenieure fest, „dass das bestehende Deckensystem nicht ausreichend tragfähig ist, um die Lasten der Stadtbahn aufzunehmen“. Deshalb sollen unter anderem Stützpfeiler in den Keller eingezogen werden.

Laut Jens Hauschke, dem Sprecher der für die D-Linienplanung zuständigen Infra, aber kein Problem. „Das ist sehr lange bekannt. Die Kosten sind bereits berücksichtigt worden - und werden auch geringer sein“, so Hauschke.

Polizei warnt vor 
Umbau der 
Scholvinstraße

Noch ist die Scholvinstraße im Steintorviertel eine Einbahnstraße. Geht es nach den letzten Plänen zum Umbau der D-Linie und des Marstalls, soll der Verkehr in Zukunft allerdings in beiden Richtungen durch die Gasse rollen. Davor warnt jedoch die Polizeidirektion Hannover, die ihre Bedenken auch der Stadt mitgeteilt hat. „Die Straße ist sehr schmal und hat gerade an Wochenenden sehr viel Publikumsverkehr, von dem sich viele Menschen auch auf der Straße aufhalten. Deshalb sehen wir eine erhöhte Unfallgefahr“, sagt Polizeisprecher Holger Hilgenberg.

„Wir nehmen die Bedenken der Polizeidirektion Hannover sehr ernst“, betont Stadtsprecher Alexis Demos. Offenbar so ernst, dass die Pläne nun noch einmal grundsätzlich auf den Prüfstand kommen. „Unser Ziel ist, eine für alle Seiten befriedigende Lösung zu finden“, sagt Demos. Unter anderem seien deshalb noch einmal neue Untersuchungen gestartet worden – inklusive Verkehrszählungen.

Notwendig ist eine neue Verkehrsführung im Bereich Marstall, weil dieser wegen des geplanten Hochbahnsteigs „Münzstraße“ nach dem Umbau der D-Linie nicht mehr über die Straße „Am Steintor“ erreicht werden kann.
Alternativ zur Scholvinstraße könnte das Marstallquartier von der Goethestraße aus auch über die Reuterstraße erschlossen werden. Zwar gibt es auch dort Betriebe mit Publikumsverkehr – allerdings in deutlich geringerer Zahl als in der sehr belebten Scholvinstraße. boh