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Leben in Hannover Zwischen Lackschuh und Gummstiefel
Hannover Leben in Hannover Zwischen Lackschuh und Gummstiefel
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11:08 02.08.2012
Von Zoran Pantic
AUF ALLEN BÜHNEN ZU HAUSE: Rudolf Schenker ist Gründer und Gitarrist der Scorpions. Einen Tag Monaco, gleich darauf nach Wacken – der ganz normale Wahnsinn.
AUF ALLEN BÜHNEN ZU HAUSE: Rudolf Schenker ist Gründer und Gitarrist der Scorpions. Einen Tag Monaco, gleich darauf nach Wacken – der ganz normale Wahnsinn. Quelle: dpa
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Monaco/Wacken

Es sind nur etwas mehr als 1000 Kilometer Luftlinie zwischen diesen beiden Bühnen - doch tatsächlich treten die Scorpions innerhalb von zwei Tagen in zwei völlig gegensätzlichen Welten auf.

Freitag wird es fein: beim Rotkreuzball in Monaco, zwischen Fürst Albert, seiner Charlene, Promis im Saal und Klatschfotografen vor der Tür. Und Sonnabend? Da wird es erdig, schlammig, laut und schmutzig. Die Hannover-Rocker treten im Hexenkessel von Wacken auf - beim weltgrößten Heavy-Metal-Festival in der schleswig-holsteinischen Provinz, vor Headbangern und Rockjüngern. Es ist ein Leben zwischen Lackschuh und Gummistiefel.

Für die Band kein Problem, sagt ihr Gründer und Gitarrero Rudolf Schenker (63). Nach 47 Jahren im Geschäft und mehr als 100 Millionen verkauften Platten spricht die gelebte Gelassenheit aus ihm: „Wir sind flexibel. Wir werden mit einem Orchester, mit einem Akustikset und einer Rockbühne fertig.“ Er weiß aber auch, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist: „Wir wollen auf unseren letzten Tagen als Band noch einmal ein Zeichen setzen und zeigen, wie groß unsere musikalische Vielfalt ist.“

Auf dem fürstlichen Felsen am Mittelmeer wird die Band um Schenker und Frontmann Klaus Meine (64) ein Akustikset spielen. In Wacken geht es anders zur Sache. „Bei diesem Festival warten die härtesten Jungs des Rock. Hier gibt es von uns nur auf die Mütze, das wird eine härtere Nummer“, so Schenker. Balladen verboten!

Bei all den Unterschieden entdeckt Schenker dennoch Gemeinsamkeiten. Beim Rotkreuzball wird der Charity-Gedanke hinter der Veranstaltung schon im Namen klar. Doch auch bei Wacken ist das so. Die Band habe Aktivisten, die sich für die Rettung des Amazonas einsetzen, geholfen, sich hier zu zeigen.

„Unsere Musik sollte nicht nur uns dienlich sein. Mit ihr wollten wir auch immer ein bisschen die Welt verändern“, so der Gitarrist, dessen Band derzeit auf globaler Abschiedstournee ist. Wacken wird wohl der letzte Open-Air-Auftritt in Deutschland. Reist da die Wehmut mit? Schenker schnauft: „Wenn man zu einer Party geht, denkt man doch auch nicht daran, dass man um 2.30 Uhr nach Hause gehen könnte. Wir feiern erst zu Ende und sehen dann mit der Wehmut weiter.“