Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Wie sich Plate mit Musicals einen Traum erfüllt
Hannover Leben in Hannover Wie sich Plate mit Musicals einen Traum erfüllt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Von Mirjana Cvjetkovic
IM FILM: Regisseur Detlev Buck drehte den vierten Teil mit Lina Larissa Strahl, Lea van Acken und Lisa-Marie Koroll (von links).
IM FILM: Regisseur Detlev Buck drehte den vierten Teil mit Lina Larissa Strahl, Lea van Acken und Lisa-Marie Koroll (von links). Quelle: Camera 1
Anzeige

Herr Plate, hätten Sie vor ein paar Jahren gedacht, dass Sie einen Kinderfilm als Musical auf die Bühne bringen?

So richtig konkret nie, nein. Aber als Ulf (Ulf Sommer, sein Ex-Lebensgefährte, heute musikalischer Partner, die Red.) und ich uns kennengelernt haben, haben wir immer gesagt: Eines Tages schreiben wir ein Musical. Mit „Romeo und Julia“ hat es angefangen, und jetzt mit „Bibi und Tina“ ist es wirklich ein Traum.

Musikalisch sind Sie echt ein Phänomen: Sie haben mit Elton John, Mel C, Helene Fischer, Agnetha, Patricia Kaas, Jimmy Sommerville und Marc Almond zusammengearbeitet. Von dem Erfolg von Sarah Connors „Muttersprache“ ganz zu schweigen ...

Ich bin das ja nicht alleine, Ulf und ich sind das zusammen, es ist Teamwork. Aber ich bin schon die Frontsau, gebe meist die Interviews. Mir macht Musik so unheimlich viel Spaß, und ich bin froh, dass ich damit arbeiten kann. Als Künstler habe ich auch gar keine Wahl: Wenn ich morgens aufstehe, muss ich feststellen, dass ich zwei linke Hände habe, keinen Führerschein, und gelernt habe ich auch nichts. Aber mit Sprache kann ich gut umgehen und Melodien schreiben. Ich muss aber von null anfangen. Was ich nämlich nicht kann, ist Songs zu retten (lacht).

Sie waren ein Teenie, als Bibi Blocksberg die Kinderzimmer erobert hat. Erinnern Sie sich?

Ja, klar. Meine sieben Jahre jüngere Schwester hat das immer zum Einschlafen ge-hört - und ich zwangsweise mit. Ich hatte so ein Durchgangszimmer, ich hatte keine Wahl (lacht).

Beim Musical „Bibi & Tina“ sind Sie ja auch Produzent. Sie haben die Musik ge-macht, die Show geplant, die Besetzung gecastet.

Wie schon gesagt: Es ist Teamwork. Wir sind zwischen Euphorie und Wahnsinn, es ist ein Riesending mit viel Verantwortung. Die Kinder sollen schließlich durchdrehen, wenn sie das Musical anschauen. Unser Anspruch ist, dass das Ganze eine Geschichte hat, nicht aus der Dose kommt. Als wir für den ersten Kinofilm die Musik gemacht haben, hat keiner einen Pfifferling drauf gesetzt, dass es so erfolgreich wird. Irgendwann haben wir nur gedacht: Schade, dass die Musik nicht auf der Bühne stattfindet. So hat sich die Dynamik entwickelt, und jetzt ist schon Premiere.

Was hat Micky Beisenherz eigentlich mit der Show zu schaffen?

Ich kannte Micky ehrlicherweise nicht, da ich sehr zurückgezogen lebe und auch keinen Fernseher habe und versuche, mich von dem ganzen Zeug fernzuhalten. Aber eine Sendung liebe ich, bis der Arzt kommt, und das ist die „Heute-Show“, da schreibt Micky Beisenherz ja mit an den Texten. Er hat so einen tollen Sprachwitz. Schließlich haben wir das Originalbuch mit Micky überarbeitet.

Die Premiere ist ja am 2. Weihnachtsfeiertag in Hannover, der Heimat von Lina Strahl alias Bibi Blocksberg. Zufall oder Absicht?

Reiner Zufall! Ich bin aber oft in Hannover, weil Mutter da wohnt. Mit 20 war ich oft in der Bhagwan-Disko tanzen, das war ein Spaß (lacht).

Ulf Sommer ist nicht nur Ihr Kollege, er war auch für mehr als 20 Jahre Ihr Partner. Bei welchen musikalischen Details kommen Sie sich eigentlich ins Gehege?

Wir lieben und streiten uns den ganzen Tag (lacht). Je-mand, der uns nicht richtig kennt, würde denken, wir zanken den ganzen Tag. Bei einem Song etwa haben wir uns um eine einzige Sekunde darin gezofft, aber dann war es gut! Leidenschaft gehört für uns eben dazu, aber wir gehen sehr respektvoll miteinander um.

Wünschen Sie sich eigentlich manchmal, dass Sie hexen können?

Wünscht sich das nicht jeder manchmal? Das wäre doch toll, wenn sich die Spülmaschine mal von ganz alleine einräumen würde.

Sie haben mal gesagt, Sie werden auf „Bibi & Tina“ häufiger angesprochen als auf Rosenstolz.

Im Moment ist das wirklich so. Lustig, oder? Wenn wir mit unserem Hund Jam im Wald spazieren gehen, werden wir von Eltern angesprochen. Angeblich schicken ihre Kinder sie aber (lacht).

Ich muss zum Schluss doch einfach fragen: Nach fast vier Jahren - ist es da nicht mal gut mit der Rosenstolz-Pause?

(Lacht) Ach, das fragen so viele. Anna und ich können nur sagen: Wir wissen es einfach nicht. Im Moment fühlt sich das Ende oder die Pause einfach super an. Wir hatten jedenfalls so tolle Zeiten und wollen nicht einfach des Geldes wegen zurück. Vielleicht dann, wenn wir wieder etwas zu sagen haben. Mit 70 und ganz viel Bock drauf (lacht).

3 Musical „Bibi & Tina“ am 26. Dezember in der Tui-Arena. Karten kosten 37,50 bis 71,50 Euro. Erhältlich in den NP-Geschäftsstellen (zum Beispiel Lange Laube 10) oder im Internet unter

tickets.neuepresse.de

NPVISITENKARTE

Geboren am 1. Juli 1967 in Neu-Delhi (Indien). Plates Opa war dort als Diplomat tätig, die Familie lebte dort. Zurück in Deutschland, wohnte er in Hamburg, Goslar und Braunschweig. Schon als Teenie schrieb er Musicals und produzierte Kassetten. Als er nach Berlin ging, begann er ein Sozialpädagogik-Studium, brach aber ab. Zunächst arbeitete er bei einem Friseur, widmete sich dann aber der Musik. 1991 lernte er AnNa R. (46, Andrea Neunhofen) kennen, das Duo gründete die Band Rosenstolz. Sie waren erfolgreich und gewannen viele Preise, pausieren aber seit 2012. Mit seinem Ex-Freund Ulf Leo Sommer (46) war er 21 Jahre liiert, sie arbeiten aber weiter musikalisch zusammen. Die beiden produzierten unter anderem das Album „Muttersprache“ von Sarah Connor (36) schrieben an den Liedern mit.