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Leben in Hannover Weltvegantag: Das sind die Tipps der hannoverschen Veggie-Promis
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Weltvegantag: Anissa Bothe, Jamie-Lee Kriewitz, Nina Noel - Tipps von Veggie-Promis aus Hannover

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13:45 01.11.2021
Obere Reihe von links: Ossy Pfeiffer und Anca Graterol, Adriaan van Veen. Untere Reihe von links: Anissa Bothe, Nina Noel und Tony Canty.
Obere Reihe von links: Ossy Pfeiffer und Anca Graterol, Adriaan van Veen. Untere Reihe von links: Anissa Bothe, Nina Noel und Tony Canty. Quelle: Frank Wilde, privat
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Hannover

Sängerin Jamie-Lee Kriewitz (23) beschloss mit 13 Jahren, auf Fleisch zu verzichten – nachdem eine Freundin ihr ein von einer Tierrechtsorganisation heimlich aufgenommenes Video aus einer Massentierhaltung zeigte. „Die Bilder fand ich so schrecklich.“ Besonders praktisch: Ihre Mutter ernährte sich zu dem Zeitpunkt auch schon fleischfrei.

Die „The Voice of Germany“-Siegerin von 2015 setzte sich damals intensiv mit dem Thema auseinander, sammelte „schlimme Erkenntnisse“. Im Alter von 15 Jahren stellte sie von einem Tag auf dem anderen auf rein pflanzliche Ernährung um. „Essen schmeckt so viel besser ohne schlechtes Gewissen.“

Auch bei Kleidung und Kosmetik achte sie darauf, dass alles vegan und tierversuchsfrei ist. „Ich finde es ganz und gar nicht schwer in Deutschland, vor allem in der Großstadt, ein veganes Leben zu führen.“ In jedem Restaurant gebe es mittlerweile auch vegane Optionen. „Und mein Verlobter kocht im Gegensatz zu mir gerne und gut“, sagt die 23-Jährige und lacht.

Veganes Lieblingsessen: „Es gibt für nichts Besseres, als frittierten Seidentofu in Erdnusssauce.“

Lieblingslokal in Hannover: „Das Centrum am Lindener Markt. Die haben eine megagute vegane Auswahl, es schmeckt alles super gut.“

Lieblingslokal außerhalb von Hannover: „Chat Village in Berlin, dort gibt es asiatisches Essen. Die Karte ist komplett vegetarisch und jedes Gericht kann man auch vegan bestellen.“ 

Nina Noel und Tony Canty

Bei Schauspielerin und Influencerin Nina Noel (33) kam die Erkenntnis, auf Fleisch verzichten zu wollen, früh: Im Alter von zwölf Jahren wurde sie zur Vegetarierin. „Ich habe mit meinem Opa und meinem Pony Reiter-Urlaub in der Lüneburger Heide gemacht und dort eine Reportage gesehen, wie Tiere vor dem Schlachten gehalten werden“, erinnert sie sich. „Ich habe mich ab dem Moment so vor Fleisch geekelt, dass ich es nie wieder essen wollte.“

Mit den Jahren informierte sie sich über die gesundheitlichen Effekte von Fleischkonsum und -verzicht. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Fleisch unserem Körper schadet.“ Mittlerweile ernährt sie sich mehr vegan als vegetarisch, „zu Hause gibt es keine Milch.“ Kompromisse geht sie ein: „Wenn jemand einen Kuchen backt und da mal Eier drin sind, habe ich damit kein Problem.“

Ihr Partner, der Ex-Profi-Basketballer Tony Canty (31), aß am Anfang der Beziehung noch täglich Fleisch. „Er war ständig krank. Vor vier Jahren versuchte er es ohne Fleisch. Seitdem wird er kaum noch krank.“ Die beiden Söhne sind zwei Jahre und knapp fünf Monate alt, auch sie ernähren sich wie die Eltern. „Wir erklären ihnen, warum wir auf Fleisch und andere tierische Produkte verzichten. Wenn sie aber auf einem Kindergeburtstag ein Würstchen essen wollen, dürfen sie das“, so die ehemalige „Köln 50667“-Darstellerin. „Und wenn sie irgendwann entscheiden, sich anders ernähren zu wollen, ist das natürlich auch in Ordnung.“

Im Sommer ist die kleine Familie nach Dubai ausgewandert – wo Fleischersatzprodukte noch schwer zu bekommen und teuer sind. „Zwei vegane Schnitzel kosten im Supermarkt ungefähr zehn Euro.“

Veganes Lieblingsessen: „Bolognese! Unsere Freunde merken nicht mal, dass da kein Fleisch drin ist.“

Lieblingslokal in Hannover: „Überall bekommt man mittlerweile vegane Optionen. Aber Lieb.es und Café Corner mag ich besonders gerne.“

Lieblingslokal außerhalb von Hannover: „Vegefarm in Bremen, das ist ein veganes chinesisches Restaurant. Die vegane Ente schmeckt, wie richtiges Fleisch.“ 

Anissa Bothe

„Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großes Herz für Tiere habe“, so Anissa Bothe (32), Chefin der „Tanzschule Susanne Bothe“. „Dass ein Tier meinetwegen sterben muss, kann ich moralisch nicht vertreten.“ Deswegen ernährt sie sich seit mehr als fünf Jahren fleischfrei, ein Jahr davon sogar streng vegan. „Ich habe leider einige Unverträglichkeiten entwickelt, deshalb bin ich dann zurück zum Vegetarischen.“ Aber Fleisch zu essen, komme für sie nie weder in Frage.

„Es ist mittlerweile kein Problem mehr, es gibt so viele tolle vegetarische oder vegane Alternativen, die genau so gut schmecken.“ An Weihnachten gibt es bei ihr zum Beispiel einen Braten aus Seitan. „Eine absolute Empfehlung für alle, die zum Fest etwas für das Tierwohl tun möchten.“ Wichtig ist ihr aber: „Ich möchte niemanden bekehren.“ Genauso wolle sie keine Extrawurst bekommen – im wortwörtlichen Sinn. „Es muss niemand extra für mich kochen, ich esse dann einfach die Beilagen.“

Als die Tänzerin zur Vegetarierin wurde, habe sie einige Sprüche zu hören bekommen – besonders von der älteren Generation. In der Zwischenzeit habe sich das geändert: „Ich kenne nur noch wenige Menschen in meinem Umfeld, die Fleisch essen.“

Veganes Lieblingsessen: „Ich liebe Sommerrollen und generell vietnamesisches Essen. In vielen vietnamesischen Restaurant gibt es eine große Auswahl an veganen Gerichten.“

Lieblingslokal in Hannover: „Im Pier 51 gibt es tolle vegetarische Gerichte, aber das Team zaubert auf Wunsch auch etwas Veganes. Toller Service. Ein Tipp für die Kaffeezeit ist Göing, die haben viele vegane süße Backwaren.“

Lieblingslokal außerhalb von Hannover: „Ich habe eine Freundin in Hamburg besucht, wir waren im Bao Bao. Ein unscheinbarer kleiner Laden, der ausschließlich vegane vietnamesische Speisen anbietet. Wir waren begeistert.“ 

Anca Graterol und Ossy Pfeiffer

„Tiere sind unsere Freunde und Familie – und die essen wir nicht“, sagt das Musiker-Paar Ossy Pfeiffer (51) und Anca Graterol (69). Deshalb kommt Fleisch bei den Katzen-Haltern nicht auf den Teller. „Wenn außerhalb mal irgendwo Käse oder Ei drin ist, ist das in Ordnung. Aber zu Hause ernähren wir uns vegan.“ Ihr ethischer Grundsatz: „Jedes Lebewesen hat das gleiche Recht, unversehrt auf diesem Planeten zu leben.“

Beim veganen Kochen: Das Musiker-Paa Anca Graterol und Ossy Pfeiffer. Quelle: Frank Wilde

Weitere Argumente für die beiden: Umwelt, Nachhaltigkeit und Gesundheit. „Fleischlose Ernährung mindert das Risiko von Entzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.“ Trotzdem halten sie sich zurück, was die öffentliche Diskussion des Themas angeht. „Mit erhobenem Finger schimpfen, führt nur zum Gegenteil.“ Genervt seien sie von der Frage, warum Veganer Fleisch-Imitate essen. „Ganz einfach: Weil manche Veganer gerne Wurst mögen, aber kein totes Tier essen möchten.“

Veganes Lieblingsessen: „Anca macht die allerbesten Frikadellen in Tomatensauce und sensationelle Gemüsesuppen. Wenn Freunde bei uns essen und hinterher erfahren, dass es vegan war, gibt es meist große Verwunderung.“

Lieblingslokal in Hannover: „Der unscheinbare Laden Thuy Phat auf der Lister Meile hat eine großartige Auswahl – wir lieben deren Kokossuppen! Wir sind außerdem große Sushi-Fans und sind froh, die Kazumi-Sushi-Manufaktur in unserer Nähe zu haben.“

Lieblingslokal außerhalb von Hannover: „Wenn wir unterwegs sind, haben wir meistens keine Zeit, vegane Restaurants zu suchen. Aber Pommes mit Essig und Öl sowie Salat gehen immer und überall.“

Adriaan van Veen

Gerade liegt er mit einer Corona-Infektion im Krankenhaus – aber zu seinem Herzensthema Veganismus will Schauspieler Adriaan van Veen (32) trotzdem kurz mit der NP am Telefon sprechen: Vor drei Jahren ist er durch das Vorbild seines Bruders zum Vegetarier geworden, seit Anfang diesen Jahres lebt er vegan. „Die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe“, ist der Hannoveraner überzeugt.

„Ich liebe alle Tiere und bin nicht damit einverstanden, dass meine Freunde – mitunter grausam – umgebracht oder schlecht gehalten werden.“ Für den Hundehalter sei es Doppelmoral, „zu sagen, man liebe Tiere, aber gleichzeitig zwischen Tieren zum Knuddeln und zum Essen zu unterscheiden.“

Aber er betont auch: „Es geht nicht darum, der perfekte Vegetarier oder Veganer zu sein. Jeder Verzicht auf Fleisch ist ein guter Schritt.“ Auch wenn es nur ein Tag in der Woche sei.

Veganes Lieblingsessen: „Ich treibe viel Sport, aber ich bin leider auch ein großer Junkfood-Fan. Deshalb: Burger und Käsekuchen – auch vegan superlecker!“

Lieblingslokal in Hannover: „Das vegane Burgernah in Linden – eine riesige Auswahl an köstlichen Burgern.“

Lieblingslokal außerhalb von Hannover: „In Hamburg esse ich sehr gerne bei Vincent Vegan.“

Sina Raffert und Patrick Benecke

Beide sind Sportler, beide ernähren sich vegan. Sina Raffert (31) ist Profi-Tänzerin, leitet mit ihrer Zwillingsschwester Kim die Tanzschule „Tanzfamilie Beyoutiful“ in Garbsen. Ihr Partner Patrick Benecke (32) leitet ein Fitnessstudio in Bückeburg und betreibt Kraftsport, spielt Tennis und Fußball.

Sport und vegane Ernährung sind für die beiden kein Widerspruch: „Wer sich intensiv damit beschäftigt, wird schnell merken, dass vegane Ernährung die sportliche Leistung optimiert. Wir wollen unsere körperlichen Ziele noch die nächsten 30 Jahre verfolgen können“ , so Benecke. „Ich hatte früher selbst das Bild im Kopf, dass Kraftsportler viel Fleisch essen müssen. Mittlerweile weiß ich es besser.“

Der Wendepunkt für beide: Der US-Dokumentationsfilm „Game Changer“ begleitete vegan lebende Sportler wie Arnold Schwarzenegger (74) und Lewis Hamilton (36). „Ich glaube, der Film war ein Game Changer für viele Sportler.“ Das Paar sah den Film im zweiten Corona-Lockdown – hatte also viel Zeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Wir haben uns Schritt für Schritt rangetastet. Man muss das Essen neu lernen. Vegane Ernährung ist nicht automatisch gesund.“ Ihren erhöhten Proteinbedarf als Sportler decken sie vor allem mit Tofu, veganen Eiweiß-Shakes und Fake-Chicken. Ihr Tipp: „Lidl hat wirklich tolle Produkte.“

Veganes Lieblingsessen: „Sämtliche Ofengemüse-Varianten. Außerdem lieben wir Linsennudeln mit Zucchini-Paprika-Gemüse, Soja-Sahne und Fake Chicken – das hat sehr viel Eiweiß.“

Lieblingslokal in Hannover:Lokal Vier am Tiedthof – da gibt es vor allem tolles veganes Frühstück.“

Lieblingslokal außerhalb von Hannover: „An dieser Stelle möchten wir Burger King und McDonald’s loben, die wirklich leckere vegane Burger rausgebracht haben. Auch Veganer sind unterwegs mal auf was Schnelles angewiesen.“

Von Josina Kelz