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Leben in Hannover Was macht eigentlich "Lello"?
Hannover Leben in Hannover Was macht eigentlich "Lello"?
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00:15 01.07.2013
Von Mirjana Cvjetkovic
WIEDER DA:Gualtiero „Lello“Ruggeri ist bis 10. Juli Hausherr in seinem alten Lokal.
WIEDER DA: Gualtiero „Lello“ Ruggeri ist bis 10. Juli Hausherr in seinem alten Lokal. Quelle: Sebastian Mast
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Einen Bauch hat er bekommen. Haare und Vollbart sind auch ein bisschen mehr mit grauen Strähnchen durchsetzt. „Ich rauche und arbeite eben nicht mehr“, sagt Gualtiero Ruggeri (62), den die ganze Stadt nur Lello nennt. Aber sonst ist bei dem Kult-Gastronomen alles wie immer: Er erzählt die besten Witze, rollt das „r“ ganz wunderrrbarrr, ist immer noch 96-verrückt. Und ist in sein Restaurant „Da Lello“ an die Marienstraße zurückgekehrt?

„Nein“, sagt Lello lachend, „ich mache nur Urlaubsvertretung.“ Lässig lehnt er zur Mittagszeit in der Tür des Ladens. Es vergeht keine Viertelstunde, in der nicht jemand vorbeiläuft, Lello sieht, kurz innehält und sichtlich erfreut fragt: „Ciao, Lello! Bist du wieder da?“ 25 Jahre lang war er das Gesicht des Restaurants unter den Arkaden am Aegi.

Mit Bleistift amateurhaft auf Papier gezeichnet, legte er damals der Gilde-Brauerei ein Konzept vor - „ein Architekt hätte tausende Mark gekostet.“ Das Restaurant lief damals unter den Fittichen seines kürzlich verstorbenen Bruders Fabio (63†) eher schlecht als recht. „Ich sage nur: 370000 Mark Schulden.“ Lello zuckt italo-mäßig mit den Schultern. 40000 Mark habe die Gilde vorgeschossen. „Ich musste mein Ehrenwort geben, alles zurückzuzahlen. Habe ich auch, bis auf den letzten Pfennig.“

2007 verkaufte er das mittlerweile neu gestaltete Geschäft an Salvatore Corallo (54). Der gönnt sich derzeit Urlaub in der italienischen Heimat, Lello hilft aus. Am ersten Tag war er gleich 14 Stunden da: „Aber als ich nach Hause gekommen bin, war ich richtig glücklich.“ Blitzt da ein Tränchen in seinem Auge? „Das hier war mein Lebensinhalt.“

Doch das Leben eines rauchenden Gastronomen, der oft bis tief in die Nacht arbeitete, zeigte ihm auch Grenzen auf: Am 13. Juni feierte der 65-Jährige seinen zweiten Geburtstag, an jenem Tag im Jahr 2003 erlitt er einen Schlaganfall. Ruggeri erholte sich zwar gut, die Situation bewegte ihn jedoch dazu, kürzer zu treten.

Dabei hat er immer so gerne Stars und Sternchen bei sich im „Da Lello“ gehabt - und die kamen gerne. Die Namenliste derer, die Pasta und Pizza, Salat und Scampi bestellten, liest sich fast wie das Goldene Buch der Stadt: Steffi Graf (44, „Ihr habe ich immer weiße Lilien ins Hotel geschickt“), Vitali (41) und sein Bruder Wladimir Klitschko (36, „Er hat 2003 den Kampf in Hannover sicher nicht verloren, weil er am Abend vorher bei mir Bandnudeln mit Trüffeln und eine halbe Seezunge gegessen hatte“), die Kicker von Hannover 96 („Fredi Bobic habe ich neulich wieder getroffen“), Moderator Thomas Gottschalk (63, „Der mochte guten Grappa und dazu eine dicke Zigarre“), Schlager-Star Heino (74, „Unser ,O sole mio‘-Duett war der Hammer“) und Musiker Peter Maffay (63, „Der wollte sein Essen immer besonders scharf“).

Alles habe seine Zeit, sagt der 62-Jährige heute. Eineinhalb Jahre betrieb er noch das „Viva la Vita“ in Waldheim, seit April 2011 ist endgültig Schluss mit Gastro. Für seine Frau Gudrun (52) gibts immer noch einen Mittagstisch - aber eben daheim. Er genießt seinen Ruhestand zu 100 Prozent: „Ich kümmere mich jetzt auch mehr um meine Kinder.“ Seine Stimme ist nun nicht mehr ganz so fröhlich. „Ich versuche wiedergutzumachen, was man nicht wiedergutmachen kann. Die Mädchen sind groß geworden und ich habe nicht viel davon mitbekommen.“ Heute sind Vittoria (25) und Valentina (19, „eine kleine Gudrun“) aus dem Haus - „aber ihre kaputten Fahrräder repariere ich jetzt besonders gerne.“