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Warum der plastische Chirurg Fleischer während Corona mehr zu tun hat

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06:42 25.11.2021
Lächelt und lässt Menschen wieder lächeln: Olaf Young Fleischer will helfen, dass Menschen mit ihrem äußeren Erscheinungsbild wieder glücklicher sind.
Lächelt und lässt Menschen wieder lächeln: Olaf Young Fleischer will helfen, dass Menschen mit ihrem äußeren Erscheinungsbild wieder glücklicher sind. Quelle: Nancy Heusel
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Wenn er sich mit Rekonstruktion befasst, dann gehen bei Olaf Young Fleischer (40) die Gedanken weit über seinen Beruf als plastischer Chirurg hinaus. Eigentlich tangiert das Thema ganz unterschiedliche Lebensbereiche des Mannes. Als er zum Beispiel im März 2020 die Praxis für plastische und ästhetische Chirurgie an der Bahnhofstraße übernommen hat, ging er recht behutsam mit dem vorhandenen Interieur um.

„Ich wollte so viel wie möglich erhalten. Aus dem, was man hat, etwas machen“, erklärt er in seiner Praxis mit Blick über den Kröpcke. Heißt in dem Fall konkret: Die in die Jahre gekommenen Holzschränke hat der 40-Jährige nicht rausgerissen und weggeschmissen, sondern abnehmen, weiß lackieren und wieder anbringen lassen. Im ähnlichen Verfahren hat er den Empfangstresen, die Beratungs-, Behandlungs- und das Wartezimmer optisch aufgepeppt.

Technikaffin: Wenn er seine Vorgehensweise erklärt, nutzt Olaf Young Fleischer ein elektronisches Whiteboard zur Veranschaulichung. Quelle: Nancy Heusel

Auf 160 Quadratmeter Fläche von Hannovers ältester Praxis für Ästhetisches ist Fleischer nun Herr, ziemlich genau seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland. „Eigentlich der schlechteste Zeitpunkt überhaupt für den Start.“ Wie die meisten anderen Menschen konfrontierte ihn der Lockdown mit vielen Herausforderungen – allerdings auch mit Überraschungen. „Coronazeit ist Gesichtszeit“, so der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie.

Aufgrund der vielen Stunden, die die Menschen zwangsweise zu Hause vorm Rechner und in Videokonferenzen verbrachten, haben sich Frauen wie Männer länger und intensiver mit ihrem äußeren Erscheinungsbild beschäftigt: „Da fällt einem mehr auf als beim Blick in den Spiegel“, so Fleischer. Es häuften sich Anfragen für Beratungstermine für Augenlidstraffung, andere waren mit ihren Augenringen unzufrieden oder bemerkten jetzt erst, wie häufig sie im Gespräch die Stirn kräuseln, was Falten hinterlässt.

Nicht genutztes Urlaubsgeld wird für Eingriffe verwendet

„Viele Frauen haben angerufen, die den Zeitpunkt nutzen wollten, mehr an sich zu denken und nach erfülltem Kinderwunsch zum Beispiel die Brüste machen lassen wollten“, erläutert der Experte. „Oft sagten sie: ,Mein Mann ist auch zu Hause und kann auf die Kinder aufpassen’“. Und da viele aufgrund der Situation nicht in den Urlaub gefahren sind, war das Geld für eine Behandlung da – und die Zeit.

Olaf Young Fleischer

*24. Mai 1981 in Berlin. Als er drei Jahre alt ist, zieht die Familie nach Hameln. Dort macht er im Jahr 2000 sein Abi, Schnitt: 1,8. Seinen Zivildienst absolviert er im Rettungsdienst beim Roten Kreuz, beginnt 2001 sein Medizinstudium, fährt parallel weiter im Rettungsdienst. Während des Studiums absolviert er Auslandsaufenthalte etwa in Spanien, in Argentinien, der Schweiz. Er will zunächst Kinderarzt werden, stellt fest, dass ihn Operatives wie in der Chirurgie mehr reizt. 2010 beginnt er in Hameln die Ausbildung zum plastischen Chirurgen, wird dort Oberarzt. Ehe er in Hannover die Praxis am Kröpcke übernimmt, arbeitet er in einem Brustzentrum in Düsseldorf. Fleischer lebt in der List, liebt koreanisches Essen und das Heimatland seiner Mutter, lernt peu à peu die Sprache („Meine Omi hat immer gesagt, der Junge muss erst einmal Deutsch lernen“). Er hat eine Tochter (1). www.youngaesthetics-hannover.de

Fleischer arbeitet viel ohne operative Eingriffe, und wenn, dann sind die häufig minimalinvasiv. „Es gibt wenige Bereiche, in denen sich die Dinge so schnell weiterentwickeln wie in der plastischen Chirurgie.“ Was das betrifft, bringt sich der 40-Jährige nicht nur regelmäßig auf Kongressen rund um den Globus auf den neuesten Stand. Er ist auch Trainer und unterrichtet deutschlandweit Ärztinnen und Ärzte, wenn es etwa um Unterspritzungen geht.

Gehört zur Aufklärung: Von seinen Patientinnen und Patienten will Olaf Young Fleischer wissen, was sie sich vom jeweiligen Eingriff erhoffen. Quelle: Nancy Heusel

Dem Mediziner ist es wichtig zu verstehen, was Patientinnen und Patienten bewegt, sich behandeln zu lassen. Statt zu fragen, welche Falte sie stört, möchte er erfahren, was sie mit dem Eingriff erreichen wollen. Während einige sagen, dass sie attraktiver, jünger oder schlanker sein wollen, haben die meisten eins im Sinn: weniger schlaff auszusehen. „Mir ist wichtig, aufzuklären und zu sehen: Was ist plausibel und was ist verrückt? Nasolabialfalten zum Beispiel sind normal“, sagt er über die Falten, die von der Nase zu den Mundwinkeln führen, „selbst Babys haben welche. Wenn wir keine hätten, würden wir aussehen wie Schimpansen.“

Übrigens kann der 40-Jährige nicht nur mit Botoxnadeln umgehen, sondern auch mit Akupunkturnadeln. Fleischer befasst sich schon lange mit traditioneller chinesischer Medizin, was auch mit seinen Wurzeln zu tun hat. Seine Mutter ist Koreanerin, er bereiste ihr Heimatland des Öfteren. „Als Kind bin ich in Korea mal gestürzt und die Verletzung wurde mit asiatischer Medizin behandelt“, berichtet er vom erfolgreichen Einsatz von Akupunktur und Schröpfen. Während er seine Ausbildung zum Chirurgen absolvierte, hatte er sich selbstständig gemacht und mittels Akupunktur Kopfschmerzen, Migräne und Rückenleiden behandelt.

Sport als Ausgleich: Olaf Young Fleischer liebt Kitesurfen, ganz gleich ob in Ägypten, Sankt Peter-Ording oder Brasilien – „überall, wo der Wind gut ist“. Quelle: privat

Seine koreanischen Wurzeln kommen dem passionierten (Kite-)Surfer im Beruf zugute: „Durch die Fähigkeit mit Stäbchen essen zu können, kann ich filigraner arbeiten. Mit Mikrochirurgie habe ich keine Mühe.“ Auch nicht, sich selbst mal mit Botox zu versorgen übrigens. Das Mittel injiziert er anderen Menschen nicht nur ins Gesicht, sondern auch in die Achseln, was bis zu sechs Monate lästigen Achselschweiß verhindern kann.

„Viele leiden darunter, dass sie ihr T-Shirt drei Mal am Tag wechseln müssen oder nur bestimmte Farben tragen können“, berichtet Fleischer. Auch bei diesem Problem sind Operationen oder der Einsatz eines Geräts möglich, das die Schweißdrüsen verödet. „Mir geht es nicht nur um mein Handwerk, sondern darum, was ich damit erreichen kann.“

Von Mirjana Cvjetkovic