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Leben in Hannover Warum Küssen nicht eklig ist
Hannover Leben in Hannover Warum Küssen nicht eklig ist
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21:49 12.09.2012
WIE PRAKTISCH: Sexuelle Erregung senkt die Hemmschwelle.Man ekelt sich nicht mehr vor Körperflüssigkeiten des Anderen.
WIE PRAKTISCH: Sexuelle Erregung senkt die Hemmschwelle.Man ekelt sich nicht mehr vor Körperflüssigkeiten des Anderen. Quelle: Klaus Rose
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Groningen

Speichel, Schweiß und weitere Körperflüssigkeiten anderer Menschen sind normalerweise nicht unbedingt etwas, womit konfrontiert werden möchte. Beim Küssen und beim Sex gelten bekanntliche Regeln.könnten Ekel auslösen. Warum das so ist, haben nun Wissenschaftler in einem Experiment herausgefunden. Die Lösung ist ganz einfach: Sexuelle Erregung senkt die Ekelschwelle.

Niederländische Forscher testeten insgesamt 90 junge Frauen und fanden heraus: Die Teilnehmerinnen, die einen - so heißt es in der Studie -„frauenfreundlichen Softporno“ gesehen hatten, stuften sich selbst als weniger geekelt ein und erledigten mehr abstoßende Aufgaben als andere. Die Frauen, die nur einen lustigen Sportfilm oder einen neutralen Film gesehen hatten, waren den Wissenschaftlern zufolge schneller und häufiger geekelt. Ältere Untersuchungen hatten schon belegt, dass sich Erregung auf Männer ganz ähnlich auswirke.

Das Team um Charmaine Borg von der Universität Groningen veröffentlichte seine Ergebnisse in einem Fachblatt und schreibt: „Sex kann schmutzig sein, aber die meisten Menschen scheint das nicht zu stören.“ Dabei sind Liebesspiel und Ekel beide evolutionär von hoher Bedeutung - aber dennoch völlig gegensätzlich assoziiert. „Igitt!“, rufen Kinder beim Anblick Küssender. Für die Fortpflanzung sei es somit wichtig, dass sexuelle Erregung die Ekelschwelle senke, so die Wissenschaftler.

Sie teilten die 90 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren in drei gleichgroße Gruppen auf. 30 Teilnehmerinnen bekamen einen Sexfilm zu sehen, den andere Frauen - in einem vorangegangenen Versuch - als besonders erregend bewertet hatten. Die zweite Gruppe sah Sportclips, die sie zwar freudig erregen - aber nicht erotisch elektrisieren sollten. Die dritte Gruppe sah neutrale und nicht sonderlich aufregende Bilder einer Zugfahrt. Danach gaben sie selber auf einer Skala von eins bis zehn an, wie stark erregt sie sich fühlten.

Die Wissenschaftler stellten ihnen dann je 16 abstoßende Aufgaben. So sollten die Frauen aus einer Tasse mit einer Fliege darin trinken, den Knochen eines toten Tieres in der Hand halten oder getragene Unterhosen in einen Wäschesack packen.

Die Gruppe erregter Frauen bewertete vor allem die Ekel-Aufgaben, die irgendwas mit Sex zu tun hatten, als weniger abstoßend als die anderen Teilnehmerinnen. Auf einer Skala von Null bis Zehn gaben sie den Tests im Schnitt einen Ekelwert von 5,4 - die Probandinnen der anderen Gruppe stuften sie mit 6,9 und 6,6 als deutlich unangenehmer ein.

Die Gruppe Porno erledigte 89,33 Prozent der Aufgaben, während die Sportclips-Gruppe nur 65,33 Prozent und die neutrale 74,01 Prozent der Tests schafften.

Die Softporno-Gruppe empfand auch die Aufgaben, die keine sexuellen Assoziationen mit sich brachten, als weniger widerlich - allerdings fiel der Unterschied hier nicht so eindeutig aus. Die Forscher schlussfolgerten: Die Auswirkung der sexuellen Erregung auf Ekelgefühle sei enorm wichtig sei, um ein vergnügliches Liebesspiel zu ermöglichen.