Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Wacken: NP backstage bei den Scorpions
Hannover Leben in Hannover Wacken: NP backstage bei den Scorpions
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:16 09.08.2012
Von Zoran Pantic
Scorpions: Sänger Klaus Meine (l.) und die Gitarristen Matthias Jabs (M.) und Rudolf Schenker auf dem Wacken Open Air Festival.
Scorpions: Sänger Klaus Meine (l.) und die Gitarristen Matthias Jabs (M.) und Rudolf Schenker auf dem Wacken Open Air Festival. Quelle: Daniel Reinhardt
Anzeige
Wacken

Geduld! Eine Tugend, die man auch im Rockgeschäft braucht. Beim Warten aufs Flugzeug, auf die nächste Show - oder auf einen dieser seltenen, besonderen Momente einer Karriere. Für die Scorpions war das wohl ihr Auftritt beim Wacken-Festival am Sonnabend. Nach über 40 Jahren Bandgeschichte durften sie noch einmal ein Haupt-Act für die düstere Gemeinde der Metal-Köpfe sein. Was für eine Ehre! Zugleich sollte es der wohl letzte Open-Air-Auftritt der Band in Deutschland sein. Wie bereitet man sich darauf vor? Die NP hat mitgewartet - backstage!

Ruhe. So kurz vor einer großen Show braucht man die doch bestimmt? Scorps-Gitarrist Matthias Jabs (56) nicht. 20 Minuten vor der Abfahrt aus dem Artist Village - dem einzigen fast matschfreien Stück Erde auf dem verschlammten Gelände - sitzt er in seinem Container, spielt sich auf seiner Gitarre etwas gelangweilt ein und macht sich so seine Gedanken über die Abschiedstour, auf der sich die Band gerade befindet: „Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen, ich schieb es vor mir her. Ich habe viele Erfahrungen auf Bühnen gesammelt. Meine Erfahrungen mit Aufhören sind gleich null.“ Er tröstet sich damit, dass die Band nie von ihrem Ende, sondern immer nur von keinen weiteren Tourneen gesprochen hat. Und dass es gleich diese Show gibt.

Die Scorps hatten einen Abend vorher noch vor der feinen Gesellschaft Monacos ein Akustikset gespielt. „Das ist auch in Ordnung“, sagt Jabs und spricht plötzlich lauter: „Ich habe aber nicht angefangen, um auf einem Barhocker zu sitzen. Ich will laut, schnell und schmutzig spielen.“ Das, was Jabs will, ist: Wacken!

Frontmann Klaus Meine (64) verbringt die Zeit bis zur Show mit seiner Frau Gabi und Sohn Christian, der aus London, wo er für die Sony-Musiksparte arbeitet, angeflogen kam. Ein bisschen Aufregung ist bei Meine spürbar, er hätte auch nichts gegen etwas Ablenkung: „Einige Bands würde ich mir hier auch gerne anschauen. Aber leider kommt man da nicht zu.“

Und die anderen? Im streng abgeschirmten Scorpions-Bereich herrscht hektische Betriebsamkeit, es wird organisiert, geplant, umgeschmissen und improvisiert - Band-Betreuer Alex Malek ist in seinem Element.

Bassist Pawel Maciwoda (43) flitzt immer wieder aus seinem Container heraus und zurück, Drummer James Kottak (49) und Rudolf Schenker (64), der Gitarrist und Gründer der Band, lassen sich noch schnell massieren. „Die Muskulatur ist völlig verkrampft, ich hatte in Monaco keine Zeit zum Entspannen. Aber so eine Massage ist wichtig, damit es auch heute eine Hochleistungsshow gibt“, sagt Schenker. Doch wie lange noch? Wieder ist die Frage da. Auch Schenkers Enkel Miles (8) wartet backstage, ist stolz auf seinen Opa und zeigt seine Scorps-Platten auf dem iPod: „Ich habe alles von denen.“ Wärs schade, wenn sie aufhören würden? „Ja, ich finde die cool.“