Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Von „Wetten, dass..?“ zu Roncalli: Die Karriere des Michael Ortmeier
Hannover Leben in Hannover Von „Wetten, dass..?“ zu Roncalli: Die Karriere des Michael Ortmeier
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:40 13.08.2012
SEINE WELT: Michael Ortmeier bei seinem großen Auftritt in der Manege.
SEINE WELT: Michael Ortmeier bei seinem großen Auftritt in der Manege. Quelle: Frank Wilde
Anzeige

„Ich bin ein Glückskind“, sagt Michael Ortmeier. „Wer hat schon so einen Dusel, dass Bernhard Paul einen im Fernsehen sieht und nach so jemandem gerade sucht?“. Der 27-Jährige ist vergangenes Jahr bei „Wetten, dass..?“ über Flaschen gelaufen. Die Wette ging schief, den Job beim Zirkus hatte er dennoch in der Tasche.

Seit März ist er mit dem Zirkus Roncalli auf Tour. Das aktuelle Programm beginnt mit seinem Lauf über 60 Flaschen, die im Kreis stehen. „Bei den ersten Auftritten war ich schwer nervös, aber gleichzeitig hab ich mich total gefreut“, erzählt Ortmeier mit einem breiten Grinsen. Bei „Wetten, dass..?“ sei das anders gewesen: „Das war wie Schockstarre.“ So schlimm lief es bei Roncalli nicht: „Man muss schon aus Selbstschutz die Aufregung ablegen, die ist nicht gut fürs Herz und schon gar nicht für die Konzentration.“ Ein Kollege hat ihm das Buch „Die Kunst des Bogenschießens“ empfohlen. Bogenschießen kann er jetzt zwar nicht, aber die Konzentrationsübungen haben geholfen.

Ortmeier ist eigentlich Turner. „Und Quereinsteiger“, betont er. Erst mit 20 Jahren hat er sich Ringe gekauft, um zu trainieren. Vor zwei Jahren ist er dann in den Turnverein eingetreten. Der Weg zu „Wetten, dass..?“ war nicht weit: Sein Trainer hatte vor ihm schon fünf Wettkandidaten in die Show gebracht.

Vor Roncalli hat der fröhliche Artist Geografie in München studiert. „Das hat mir wirklich gefallen, aber es gibt kein festes Berufsbild - einen guten Job zu ergattern, ist schwer.“ In die Zirkuswelt mit ihrer Romantik fügt er sich gut ein. Roncalli-Chef Bernhard Paul lobt seinen Neuzugang: „Alle mögen ihn. Seiner Mentalität nach müsste er schon mindestens zwei Leben im Zirkus verbracht haben.“ Vier Quadratmeter stehen Ortmeier in einem der Wohnwagen als Rückzugsort zur Verfügung. Ein Bett, Kühlschrank und Regale - darauf einige Bücher und Filme. Momentan liest er ein Buch des Philosophen Theodor W. Adorno. „Begeistert bin ich nicht grad davon“, gibt er zu. In seiner Freizeit trainiert er, probiert sich an den Geräten der anderen Artisten aus und übt neue Nummern. Die Vorteile des Vagabundenlebens nutzt er gerne aus - in Köln hat er es geschafft, in jede Kirche der Stadt zu gehen, in Hannover war er bisher im Kino und hat sich den neuen Spiderman-Film angeschaut. Ob er schon mal im Neuen Rathaus mit dem schrägsten Fahrstuhl der Welt gefahren ist? „Das klingt nach einer guten Idee“, freut sich Ortmeier. Dann hätte er immerhin die Chance, jede Kirche Hannovers von oben zu sehen.