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Leben in Hannover "Titanic" will Verbot von Papst-Satire anfechten
Hannover Leben in Hannover "Titanic" will Verbot von Papst-Satire anfechten
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10:14 12.07.2012
Das Satire-Magazin "Titanic" darf sein umstrittenes Titelbild mit dem Bild von Papst Benedikt nicht mehr verbreiten.
Das Satire-Magazin "Titanic" darf sein umstrittenes Titelbild mit dem Bild von Papst Benedikt nicht mehr verbreiten. Quelle: dpa
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Frankfurt/Rom

Fischer betonte zugleich, er wolle dem Kirchenoberhaupt "die Hand zur Versöhnung" ausstrecken. Benedikt XVI. könne gern in der Redaktion auf einen Kaffee vorbeikommen.

Er sei selber Katholik, habe an seinem Regensburger Gymnasium sein Abitur gemacht und in der Regensburger Heimatgemeinde von Joseph Ratzinger in Pentling gelebt. Es gebe daher eine "Seelenverwandtschaft" zwischen ihm und dem Papst.

Unterdessen kritisierte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) die Einstweilige Verfügung gegen "Titanic" als überzogen und satirefeindlich. "Auch der Papst muss sich Satire gefallen lassen", erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken in Berlin. Benedikt XVI. sei von Titanic mit satirischen Mitteln als Sinnbild für die von der "Vatileaks"-Affäre belastete Kurie an den Pranger gestellt worden. Konken: "Das ist legitim."

Die Hamburger Richter hatten am Dienstag entschieden, dass die Titelgestaltung des Blattes die Persönlichkeitsrechte von Papst Benedikt XVI. verletze. "Titanic" darf unter Androhung eines Zwangsgeldes von 250.000 Euro die Hefte nicht weiter verbreiten und die Bilder nicht im Internet veröffentlichen. Auf der Homepage der "Titanic" ist die Darstellung inzwischen geschwärzt und mit einem "Verboten"-Schild unkenntlich gemacht. Allerdings müssten die bereits an den Handel verschickten Ausgaben nicht zurückgerufen werden.

Unter der Überschrift "Die undichte Stelle ist gefunden" war der Papst in weißer Soutane mit einem großen gelben Fleck und auf der Rückseite mit einem braunen Fleck auf der Soutane abgebildet worden. "Über Geschmack lässt sich streiten, aber die Darstellung fällt unter die Freiheit der Satire", sagte Konken. Die Zeitschrift habe keine religiösen Gefühle von Katholiken verletzt, weil die Fotomontage den Papst in seiner Rolle als Repräsentant der Vatikan-Bürokratie karikiert habe.

Unterdessen gingen beim Deutschen Presserat 27 Beschwerden gegen die "Titanic" ein. Die Beschwerdeführer sähen religiöse Gefühle oder die Menschenwürde oder die Würde des Papstamtes verletzt, sagte Pressesprecherin Edda Kremer. Das Selbstkontrollgremium der deutschen Presse will sich auf seiner nächsten Sitzung Ende September damit befassen.

Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte dem Kölner Domradio, die Bischofskonferenz habe inzwischen einige Hundert Mails und Briefe mit dem Tenor erhalten: "Endlich sagt Ihr mal klar etwas, was eben nicht mehr in diesem Land geht." Kopp betonte, die Bischofskonferenz sei sich im Klaren, dass das juristische Vorgehen auch Werbung für "Titanic" bedeute. Die Bischöfe hätten aber "oft genug nichts zu Titanic gesagt, und wenn es irgendwann gar nicht mehr geht, dann müssen wir auch mal ein Zeichen setzen."

Nach Einschätzung des Berliner Medienanwalts Christian Schertz wird "Titanic" mit einem Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung keinen Erfolg haben. "Die Gestaltung der Titelseite und der Rückseite des Magazins verletzen eindeutig die Menschenwürde des Papstes", sagte Schertz dem Berliner "Tagesspiegel" (Donnerstag). "Es gibt keinen Grund, ihn derart entwürdigend darzustellen."

Der CSU-Politiker Thomas Goppel erklärte, auch Opfer von Satire hätten ein Recht auf Menschenwürde. Wenn Journalisten ein Recht auf Verleumdungen und Unterstellungen für sich reklamierten, sei es an der Zeit, über das Selbstverständnis dieser Berufsgruppe zu reden. Es könne nicht gutgehen, wenn Einzelne ihre Freiheit für grenzenlos hielten. Goppel äußerte sich als Sprecher der "ChristSozialen Katholiken (CSK) in der CSU". cas/joh/