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Leben in Hannover The Rolling Stones: 50 Jahre - und kein bisschen leise
Hannover Leben in Hannover The Rolling Stones: 50 Jahre - und kein bisschen leise
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17:01 11.07.2012
Von Matthias Halbig
JURASSIC ROCK: Die Rolling Stones sind auch im fortgeschrittenen Alter gern unterwegs. Für 2013 haben sie sich eine neue Tour vorgenommen. Die letzte?
JURASSIC ROCK: Die Rolling Stones sind auch im fortgeschrittenen Alter gern unterwegs. Für 2013 haben sie sich eine neue Tour vorgenommen. Die letzte? Quelle: Alexandra Winkler
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Hannover

Am Mittwoch war die Welt noch normal. Am Donnerstag kamen die Rolling Stones und fingen an, den Weißen den bösen, schwarzen Blues unterzujubeln. Es war der 12. Juli 1962 im Marquee im Londoner West End. Dort kannte man Mick Jagger, Keith Richards und Brian Jones schon von Alexis Korners Konzerten, bei dessen Formation Blues Incorporated sie gelegentlich mal eingesprungen waren. Der erste Song des Abends war „Kansas City“, das zwei Jahre später von den Beatles aufgenommen wurde. Die Stones waren einfach scharf auf den Blues, verwehrten sich dem Rock ’n‘ Roll, waren noch nicht dessen böse Jungs, die Beatles auch noch nicht die Schwiegersöhne. England wusste nicht, was sich da Revolutionäres in seinen Kellern vorbereitete. Der Auftritt im Marquee war okay, kein Hammer, und das Volk hörte noch schneeweißes Zuckerzeug wie Cliff Richard.

„Näg-nääg-näg-näg-näääg!“ Bis heute ist „Satisfaction“ von 1965 ihr größtes Ding. Ein Monster, die Gitarre wie Säure, Jaggers Stimme die reine Verführung. Ein ironischer Protestsong gegen das Einlullen der Leute durch Werbung. Jagger lernte von James Brown „to move like Jagger“, die Band zerlegte im selben Jahr die Berliner Waldbühne, wurde poppig, dann psychedelisch, dann wieder bluesig: „Beggar’s Banquet“ (1968), „Let it Bleed“ (1969), „Sticky Fingers“ (1971), „Exile on Main Street“ (1972) - vier Killerrillen in Folge. Danach nur noch gute bis passable Alben plus ein paar doofe (wie „Dirty Work“ von 1986).

Die Stones waren Sex & Drugs und Rock ’n‘ Roll. Es gab Skandale, Prozesse, Knast, Gitarrist Brian Jones ertrank im Pool, und das prestigeträchtige Westcoast-Woodstock Altamont zerfiel im Dezember 1969 zur Katastrophe, als die Platzordner von den Hells Angels vom Hüten zum Morden übergingen.

Als die Stones erwachsen wurden, erstarrte das Gefährliche zum Image. Lebemann Mick und Gralshüter Keith wurden Familienväter, wurden Mr. Money und Mr. Music, mal zerstritten, dann wieder die größte Band der Welt. Heute ist der Marquee-Gig 50 Jahre her, dieStones sind ein knallhart geführtes Wirtschaftsunternehmen mit unverschämten Ticketpreisen, dem es laut Keith Richards aber immer noch gelingt, auf der Bühne zu einer Person zu verschmelzen. Und den Abend zum besten des Lebens zu machen.

Nur gibt es im Jubeljahr 2012 keine Verschmelzung, keine Konzerte, keine Platte, alle Steine stehen still. Die älteste der großen Rock-’n‘-Roll-Bands bringt bloß einen Bildband, der „50“ heißt. Schöne Bilder. Aber kaum Infos drin. Wars das? Leckt die dicke rote Zunge noch? 2013, verspricht man, soll wieder Großes passieren. Dann werden der ewigjunge Fex Mick und der verwitterte Pirat Keith das Museum RollingStones nochmal um die Welt schleppen. Keith (dann 69) säbelt wieder seine markanten Riffs, und Mick (dann 70) macht wieder den Jumping Jack Flash: „Ah woss bawwwn on a crossfaaah hurricaayne ...!“

Hört Rock auf, wenn die Stones aufhören? Wird die Welt dann wieder normal wie letztmals an jenem Mittwoch? Wohl nicht. Denn wann immer heute eine neue Rock-’n‘-Roll-Band geboren wird, um die Welt zu erobern, sind die Rolling Stones in ihrem Genpool.