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Leben in Hannover Süße Verführung: Kleider aus Lakritze
Hannover Leben in Hannover Süße Verführung: Kleider aus Lakritze
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17:34 11.12.2014
Von Mirjana Cvjetkovic
BU: im Foto linksbündigBU
KREATIVES TEAM: Stylistin Luisa Verfürth (links) und ihre Helfer Isabelle Breska und Branco Riquelme arbeiten an einer Weste aus Lakritze. Quelle: Nigel Treblin
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Hannover

Die Stylistin futtert das schwarze Süßholz aber nicht auf, sondern kreiert daraus Kleider!

Die zweifache Mutter hatte den Auftrag, eine Modestrecke zum Thema Lack und Leder zu gestalten. „Alles, was mir dazu in den Sinn kam, hat man schon oft gesehen, war mir zu fetischmäßig und sexistisch“, erzählt die 29-Jährige der NP von der zuckersüßen Entstehungsgeschichte. Und dann kam ihr, wie so oft, nachts eine Vision: Eine Frau lag auf einem Tisch, auf dem Kopf trug sie eine rabenschwarze Perücke und eine Art Panzer. „Ich habs!“ schoss es Verfürth durch den Kopf - „Perücke und Panzer könnten ja auch aus Lakritze sein“. Die Idee war geboren, Anfang November ging es an die Umsetzung.

Foto: Heusel

Aber wie viel Lakritze braucht man überhaupt für ein Kleid? Vor dieser Frage stand die Modeexpertin mit ihren Praktikanten Isabelle Breska (19) und Branco Riquelme (21). „Probieren und studieren“ lautete die Devise. Zwei Wochen hat das Team über Skizzen gebrütet und Lakritzschnecken auseinandergefriemelt, geflochten und geklebt - so entstanden sieben Outfits. Verfürth hat sogar den Süßigkeiten-Konzern Haribo angeschrieben und von ihrer Idee berichtet - das Bonner Unternehmen sponserte ihr Vorhaben mit 25 Tüten. Verbraucht hat sie aber 150 Tüten, 70 davon waren Schnecken.

„Zwischendurch habe ich die Krise gekriegt“, erinnert sich die Stylistin, „Lakritze trocknet nämlich aus und bricht gerne an Knotenpunkten.“ Das ungewöhnliche Material bekam sie aber in den Griff. „Sonst arbeite ich immer nur mit den Klamotten anderer Leute. Jetzt habe ich mal meine eigene DNA in der Modestrecke“, freut sie sich.

Essen kann man die verarbeitete Lakritze aber nicht - die Teile wurden mit Heißklebepistole auf Hasendraht befestigt und sind ungenießbar. „Mit Essen spielt man nicht“ sollte die Strecke erst heißen. Auch als Antwort auf Kritiker, die genau das über ihre Entwürfe sagen: „Für mich ist Lakritze kein Essen, sondern Materie. Die zugegebenermaßen auch schmeckt.“ Nun heißt das Ganze „Jeanne Dark“ und soll eine Hommage an die Freiheit und ein Ritterschlag für „starke Frauen“ sein. Passt auch zu Luisa Verfürth ...

Die Modestrecke hat Nancy Heusel (34) fotografiert, seit Jahren arbeiten sie und die 29-Jährige zusammen. Einige ihrer Bilder hat die Fotografin, die auch für die NP arbeitet, gigantisch-groß auf Alu-Dibond drucken lassen, sieht wirklich toll aus.