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Leben in Hannover Strahlt jetzt ihr Stern über Burgwedel?
Hannover Leben in Hannover Strahlt jetzt ihr Stern über Burgwedel?
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00:16 09.11.2013
Von Julia Braun
DIE JUNGE BANDE AUS BURGWEDEL (von links): Koch LukasHeimsoth (20), Sous-Chef Constantin Syring (22), der neue Küchenchef Tony Hohlfeld (24),Restaurantleiterin Mona Schrader (23) und Koch Benjamin Birkholz (25) sind die neue Mannschaft in der Olen Deele.
DIE JUNGE BANDE AUS  BURGWEDEL (von links): Koch Lukas Heimsoth (20), Sous-Chef Constantin Syring (22), der neue Küchenchef Tony Hohlfeld (24), Restaurantleiterin Mona Schrader (23) und Koch Benjamin Birkholz (25) sind die neue Mannschaft in der Olen Deele. Quelle: Wilde
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Hannover

Er holte den ersten Michelin-Stern nach zehn Jahren in die Region Hannover, nun verlässt er den Ort seines größten Erfolges: Andreas Tuffentsammer (27), langjähriger Küchenchef in der Olen Deele in Großburgwedel, zieht es zurück in die süddeutsche Heimat. Eine Entscheidung, die auch Tuffentsammers Chefin ratlos macht: „Wir wussten zwar immer, dass Tuffi nicht lebenslänglich hier bleibt“, sagt Elfrun Kühn (56), „aber wir haben nie verstanden, warum er geht. Für uns war es unbegreiflich, vor dem zweiten Stern aufzuhören.“

Sein Bauch habe ihm zu dem Abschied geraten, begründet Tuffentsammer den „harten Schnitt“: „Und ich habe immer auf meinen Bauch gehört - der hat mich schließlich in die Ole Deele geführt.“ Es sollte eine Übergangsstation sein, die Freundin des Schwaben studierte damals in Hannover. Doch aus eineinhalb Jahren wurden fast fünf. „Ich habe mich in die Ole Deele verliebt“, sagt der 27-Jährige, der sich jetzt allerdings auf „drei, vier Monate ohne Verpflichtung“, auf einen Trip mit Camper und Freundin durch Kalifornien und auf Weihnachten mit Eltern, Bruder und Tante freut - „das erste gemeinsame Fest seit sieben Jahren!“

In Großburgwedel hat bereits der ehemalige Sous-Chef von Tuffentsammer übernommen. Und dem steht Donnerstag ein großer Tag bevor. Tony Hohlfeld (24) und das gesamte Deele-Team werden ab zwölf Uhr mittags nervös vor dem Laptop sitzen: Dann verkünden die berüchtigten Michelin-Tester, in welchen deutschen Restaurants wieder Sterne aufgehen. Hohlfeld will mit seinem extrem jungen Küchenteam - alle Köche sind 20 bis 25 Jahre alt - der alten Linie treu bleiben und Regionales raffiniert zubereiten. Ein schweres Erbe, das er antritt? „Klar ist das aufregend“, sagt der junge Mann ernst, „aber ich kann nachts gut schlafen.“

Das tut er im Übrigen in der Südstädter Wohnung von Andreas Tuffentsammer, in der er seit eineinhalb Jahren ein Zimmer bewohnt - zwei Spitzenköche unter einem Dach. „Da haben wir abends aber nichts mehr gekocht“, sagt Hohlfeld und lacht. Stattdessen waren die beiden mit anderen Kollegen an freien Tagen gern in der Stadt unterwegs. Situationen, die auch der scheidende Tuffentsammer vermissen wird. „Das 11 a, das Basil, das Oscars - es gibt viele tolle Läden in der Stadt“, findet der Sternekoch. Und wenn das Team spätabends noch Power hatte, ging es zum Tanzen ins Kulturzentrum Faust oder ins Bei Chez Heinz.

Tuffentsammer und Hohlfeld - zwei unterschiedliche Charaktere. „Tuffi ist ein munteres Kerlchen“, sagt Ole-Deele-Chefin Elfrun Kühn, „der hat uns immer toll unterhalten, hat sich auch mal ans Klavier gesetzt.“ Sein Nachfolger, der im Maritim Airport lernte und ein Jahr im Gourmetrestaurant des Adlon in Berlin arbeitete, sei ernsthafter. Und sehr, sehr ehrgeizig. So ahnt sie auch, wohin es für Hohlfeld gehen könnte: „Der Tony“, sagt die Chefin, „könnte der jüngste deutsche Koch werden, der zwei Sterne kriegt.“ Vorerst wäre das neue Supertalent aber schon glücklich, wenn es morgen hieße: Der Stern über der Olen Deele strahlt weiter.