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Leben in Hannover So macht Michael Strogies Menschen in Hannover zu Helden
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So macht Michael Strogies Menschen in Hannover zu Helden

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14:56 21.10.2021
Der Künstler und seine Kunst: Michael Strogies steht vor den fertigen Bildern, auf denen er die Theologin Margot Käßmann (links) und Politikerin Annalena Baerbock gezeichnet hat.
Der Künstler und seine Kunst: Michael Strogies steht vor den fertigen Bildern, auf denen er die Theologin Margot Käßmann (links) und Politikerin Annalena Baerbock gezeichnet hat. Quelle: Dröse
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Hannover

Es war eigentlich nichts anderes als Langeweile vor einigen Jahren, die Michael Strogies (62) wieder so richtig in die Malerei gebracht habe: „Ich habe Fotos von Models nachgezeichnet und ohne Rückfrage wieder im Internet gepostet“, erinnert er sich an diese Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Die Reaktionen waren heftig – in allen Facetten: „Es gab welche, die haben mit Anwälten gedroht, und welche, die es gefeiert haben.“

Jedenfalls war es die Geburtsstunde für den Künstler, eine ganz besondere Porträtserie zu starten. Anhand von Fotos, oftmals sind es auch Selfies, verwandelt er die Konterfeis in bunte Kunstwerke. Und während sich bei bisherigen Aktionen Protagonisten selbst durch Likes in den sozialen Medien in den Vordergrund stellen konnten, wurden für Strogies’ Ausstellung „Heroes in Hannover“ Personen aller Couleur von anderen nominiert. Gemeinsamer Nenner neben dem Porträtiertwerden: Die Menschen engagieren sich sozial in der Region Hannover, bringen sich gesellschaftlich ein.

Kunterbunte Kunst: Die Ausstellung „Heroes in Hannover“ ist bis zum 3. November im Sofa Loft zu sehen. Quelle: Michael Strogies

„Die Idee kam mir während der Coronapandemie“, erklärt der 62-Jährige. Es war ihm ein Anliegen „bei so viel hässlichem Hate Speech im Internet“, den Fokus auf etwas Positives zu legen. Und das ist ihm gelungen: Er hat 35 Männer und Frauen aus der Region auf 80 mal 60 Zentimeter großen Leinwänden verewigt, bei einigen war die Ölfarbe einen Tag vor der Ausstellung noch gar nicht richtig trocken. Zu sehen sind unter anderem Oberbürgermeister Belit Onay (40), Unternehmerin Tina Voß (51), Grünen-Chefin Annalena Baerbock (40), Kabarettist Matthias Brodowy (49) und die Chefin des Klavierhauses Döll, Ariane Jablonka (53). Dazugehörige Texte lieferte Marketingexperte Phil Mack (28).

Kultur im Sofa Loft

„Ganz unterschiedliche Menschen werden so zusammengebracht“, freut sich Sylvia Sobbek (42). „Vom Obdachlosen bis zum Politiker – und alle hängen hier auf Augenhöhe“, so die Geschäftsführerin des Sofa Lofts. Die 42-Jährige ist sehr kunstaffin, malt selbst und bietet neben Sofas, Lampen und Wohnaccessoires schon immer Kultur in den Räumlichkeiten des Einrichtungshauses in der Südstadt an – Kinoabende, Fotoausstellungen, Lesungen und nun also die Kunst von Michael Strogies. „Die Arbeiten sind klasse und technisch sensationell.“

Seine Technik kommt nicht von ungefähr: Der gebürtige Düsseldorfer, der seit gut sechs Jahren Hannover sein Zuhause nennt, hat neben Malerei einst Trickfilm studiert. „Schon seitdem ich ein kleiner Junge war, habe ich gemalt und gezeichnet, es lagen immer Buntstifte herum“, erzählt er. Geschichten nachzumalen, etwa die von „Bonanza“, fand er besonders toll. Diese Leidenschaft zum Beruf zu machen, stand für ihn außer Frage.

Michael Strogies

*30. Mai 1959 in Düsseldorf. Nach dem Abitur studiert er Malerei und Trickfilm in Essen. Parallel arbeitet er, unter anderem in der Werbebranche. Zunächst auf Filmrolle, später am Computer fügt er reale Filme und Trickfilme zusammen, dieses Verfahren nutzt er bis heute als Grundlage für seine Bilder auf Leinwänden. Er lebt in Bochum, in Köln und in Krefeld, nach vielen Jahren zieht er der Liebe wegen 2015 nach Hannover: „Ich habe sie bei einer Ausstellung im CCL kennen-gelernt.“ Die Frau ist mittlerweile weg, Strogies jedoch geblieben – er lebt in Vahrenwald. Er ist Vater einer Tochter, Vanessa (34).

An der Uni lernt er spätere „Disneymacher“ kennen

Weil er seine Mappe an der Berliner Kunstakademie einen Tag nach Abgabeschluss einreichte, verschlug es ihn zum Studium nach Essen. Dort lernte er interessante Leute kennen, die Strogies heute „Disneymacher“ nennt: etwa Hans Bacher, der an der Entwicklung der Figuren aus Filmen wie „Lilo & Stitch“, „Mulan“ und „Aladdin“ mitgearbeitet hat, außerdem Andreas Deja (64), Chefzeichner bei Disney. Er schuf „Herkules“ sowie „Gaston“ in „Die Schöne und das Biest“, außerdem Scar in „König der Löwen“.

Während sie nach Amerika gingen, blieb Strogies. Und auch wenn es hierzulande keine richtige Trickfilmindustrie gab, kam er mit großen US-Stars in Berührung – allerdings in Sachen Musik. Angefangen hat das, weil der Künstler einen Comicband über Vanessa Struhler (35) herausgebracht hat. Sie war Teilnehmerin bei der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“, er ging mit ihr anschließend auf Tour, sie waren unter anderem mit dem Comic „First Class“ auf Tour.

Strogies betreut Stars wie Rihanna und Jason Derulo

Das Musiklabel Sony wurde auf den Zeichner aufmerksam, dessen Finesse es war, reale Filme und Trickfilme zu kombinieren. Nämlich ziemlich genau so wie in dem Video der Popgruppe a-ha zu ihrem Hit „Take on me“, in dem Sänger Morten Harket (62) anfangs gezeichnet durch den Clip durch die Welt läuft. Plötzlich fand sich Strogies als Tourmanager vor Ort für Musiker wie Rihanna (33), Jason Derulo (32) und 50 Cent (46) wieder, Jermaine Jackson (66), Bruder von Michael Jackson (†50), hat er in Berlin sogar mal gemalt.

Kurz vor der Vernissage: Künstler Michael Strogies erläutert NP-Redakteurin Mirjana Cvjetkovic seine Idee der Ausstellung. Quelle: Dröse

Die eingangs erwähnte Aktion mit der künstlerischen Veredelung von Porträts etablierte Strogies immer weiter: Zunächst startete die Stadt Monheim ein Projekt, so Menschen zurück in die Geschäftsstraßen zu holen. Bedeutet: Menschen wurden aufgefordert, Selfies zu schicken, Strogies malte sie, die Stadt Monheim ließ die Bilder an Bauzäunen, Bushaltestellen und Bäumen anbringen – Marketingaktion gelungen! Der Künstler nahm Kontakt zum Shoppingcenterbetreiber ECE auf, die das Format nutzten, mehr Kundschaft in ihre Einkaufspassagen zu lotsen. Mit der Aktion war der Maler mittlerweile in 35 Städten unterwegs.

In der Schau: Auch Ministerpräsident Stephan Weil und die ehemalige First Lady des Landes Bettina Wulff hat Künstler Michael Strogies auf Leinwand geschaffen. Gut zweieinhalb Stunden braucht er für ein Bild, „bei Trickfilmen muss es gut und schnell sein“. Quelle: Michael Strogies

„Heroes in Hannover“ ist für den guten Zweck gedacht: Der Erlös geht an das Obdachlosen-Magazin Asphalt. Die heldenhafte Schau soll nach den nun zu sehenden Bildern immer wieder erweitert werden – Helden gibt’s schließlich genug in Hannover.

Die Ausstellung „Heroes in Hannover“ wird am Donnerstag, 21. Oktober mit der Vernissage um 18.30 Uhr im Sofa Loft (Jordanstraße) eröffnet. Die Schau ist bis zum 3. November während der Öffnungszeiten (montags bis freitags von zehn bis 19, sonnabends von zehn bis 18 Uhr) zu sehen.

Von Mirjana Cvjetkovic