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Leben in Hannover So lebt Hannovers Krimi-Queen
Hannover Leben in Hannover So lebt Hannovers Krimi-Queen
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06:16 15.09.2012
Von Julia Braun
Susanne Mischke mit ihren Hunden.
Susanne Mischke mit ihren Hunden. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Susanne Mischke steht in ihrer Küche in der Altbauwohnung in Ricklingen und kocht Kaffee. „Ich trinke sechs Milchkaffee am Tag, das ist die Basis meiner Ernährung“, sagt sie lachend. Die 52-Jährige trägt Jeans, Pulli und Flip-Flops, im Garten toben die Jaghunde Bruno (ein Korthals-Griffon) und Wilma (ein Petit Bleu de Gascogne). „Neulich haben die beiden einen Waschbären in der Ricklinger Masch gestellt“, erzählt die Autorin. Richtig eingekesselt hätten sie das verschreckte Tier, das sich „zum Glück“ über den Wasserweg rettete.

Susanne Mischke ist tierlieb. Und ein Arbeitstier: Rund 25 Romane hat die gebürtige Allgäuerin auf dem Markt, weit mehr als 500000 verkaufte Bücher, dazu viele Kurzgeschichtenbände, aus dem neuesten, „Mordsweiber“, liest sie heute um 20.30 Uhr bei Lehmanns. Bis zu zwei Romane pro Jahr veröffentlicht Mischke, die eigentlich Betriebswirtschaft studiert hat. Arbeit, Hunde, Arbeit, Hunde: „So sieht mein Arbeitstag aus, das sind meine größten Leidenschaften“, erzählt die Mutter eines 23-Jährigen, der derzeit in Peking studiert - Betriebswirtschaft.

Neben ihrer erfolgreichen Teenie-Thriller-Reihe sind es vor allem die Regionalkrimis rund um Ermittler Bodo Völxen, die ihre Leserschaft begeistern. Denn das Personal in den Hannover-Krimis ist einfach charmant: Der Kommissar lebt in Springe und züchtet Schafe, Jungkommissar Fernando ist Spanier und wohnt im Hotel Mama in Linden, die erfahrene Oda ist alleinerziehend, raucht Kette und wird auch mal zynisch. Wie viel Oda steckt in Mischke? „Schon einiges“, sagt die Autorin, „aber ich bin auch Bodo Völxen ähnlich, ich liebe das Land und hab gern meine Ruhe.“

Die hat sie auch in der gemütlichen Wohnung in Ricklingen, in der ihre Storys entstehen. Gekonnt hat Mischke Modernes und Antikes kombiniert: Im Arbeitszimmer steht der PC auf einem Holztisch, von einem gemütlichen Ledersofa blickt man auf einen großen Flachbildschirm, in der Ecke steht ein Kamin. Wie viele Romanseiten entstehen an einem produktiven Tag? „Mit Glück erwische ich einen Zehn-Seiten-Tag“, sagt sie und fügt hinzu: „Aber natürlich gibts auch Null-Seiten-Tage, gelt?“ - die bayerische Herkunft klingt nach zehn Jahren Hannover nur selten durch.

Gut laufe es mit den Krimireihen, auch finanziell. Dennoch hat sich Mischke auf ein neues Projekt eingelassen. „Ich habe meinen ersten Schweden-Krimi geschrieben“, sagt sie und klingt dabei beinahe überrascht, aber auch ein wenig stolz. „Ich hab mich gefragt, ob das als Deutsche geht - und es geht!“ Erscheinen soll der Psycho-Krimi mit einem Ermittlerduo aus Göteborg im kommenden Frühjahr, der Titel steht noch nicht fest. „Ich wollte es ,Trollkind‘ nennen, aber der Verlag meinte, das klingt zu sehr nach Fantasy“, bedauert Mischke. Jetzt liefe es auf den Titel „Töte, wenn du kannst“ hinaus.

Bruno und Wilma werden unruhig, Zeit für eine Hunderunde durch die Ricklinger Masch. Wird die Autorin in der Nachbarschaft erkannt? „Ach, das geht“, sagt sie erleichtert, „ich kann schon noch in alten Klamotten und ungekämmt zum Edeka gehen.“ Hin und wieder spräche sie mal jemand an, „das ist auch ganz lustig“, findet Mischke, „ber eigentlich sollen die Leute nicht mich kennen, sondern meine Bücher“.