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Leben in Hannover So hat André Hilmer den Krebs besiegt
Hannover Leben in Hannover So hat André Hilmer den Krebs besiegt
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00:16 01.09.2013
GESICHT SEINER FIRMA: André Hilmer ist Standort-Chef der Gilde-Brauerei  – und schaut wieder nach vornt.
GESICHT SEINER FIRMA: André Hilmer ist Standort-Chef der Gilde-Brauerei  – und schaut wieder nach vorne. Quelle: Petrow
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Hannover

In der Bar- und Kneipenszene, im VIP-Raum bei 96, bei Bällen, Festen und Konzerten kennt ihn jeder. André Hilmer (36) ist Standortchef und seit mehr als zehn Jahren das Gesicht der Gilde-Brauerei. So hat sich das gastronomische Hannover schon gefragt, wo er denn gewesen ist von Februar bis August, bei Schützen- und Maschseefest. Kunden, Mitarbeiter und Freunde machten sich Sorgen.

Der NP verrät Hilmer jetzt, was ihn zur sechsmonatigen Auszeit gezwungen hat. Es war eine Krankheit, es war Krebs. Lymphdrüsen-Krebs. „Erste Anzeichen spürte ich schon Mitte 2012“, so der 36-Jährige, „und einfach ignoriert. Noch nie habe ich freiwillig ein Krankenhaus betreten und bin extrem ungern zum Arzt gegangen.“ Als nach der NP-Sportgala im Januar eine Grippe mit Fieber und Reizhusten nicht besser wurde und der 1,86 Meter-Mann 20 Pfund abgenommen hatte, machte die Hausärztin ein Blutbild.

„Total zerschossen war das“, erinnert sich Hilmer an den 31. Januar. „Kein Wert war normal, ich hatte viel zu viele weiße Blutkörperchen und deshalb kaum mehr Abwehrkräfte.“ Sofort kam der sportliche Typ in die MHH, nach fünf Tagen intensiver Untersuchung die Diagnose: Lymphdrüsen-Krebs. „Der Schock war gewaltig“, sagt Hilmer. „Eine schlaflose Nacht lang habe ich mich gefragt: Warum ich? Wo kommt das her? Was habe ich falsch gemacht?“ Dann „war der Kampfgeist da. Ich habe die Krankheit angenommen und mich gewehrt.“

Während der Chemotherapie ließ er sich Gummibänder und Hanteln („am Anfang habe ich mit 1,5 Kilo nicht mal mehr 20 Wiederholungen gepackt“) in die Klinik bringen - schon nach 14 Tagen „haben mich die Ärzte nach Hause geschickt. Da war ich bereits auf dem Weg der Besserung.“

Ehefrau Gabriela, die Eltern, die Chefs und die vier besten Freunde - mehr Menschen wussten nicht vom Schicksalsschlag. Gerüchte wie „der hat Burn-Out“ oder „den haben sie rausgeschmissen“ machten die Runde. „Mir war das völlig egal“, so Hilmer. „Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben nur um mich gekümmert und ein kleiner Kreis Menschen hat mir dabei geholfen. Auch wie sich mein Arbeitgeber verhalten hat, war sensationell. Kein Druck, absolutes Vertrauen und starker Zuspruch.“

Ein halbes Jahr daheim in Bothfeld, an jedem 28. Tag Chemotherapie und weitere Infusionen in der MHH - „viel Zeit um nachzudenken“. Herausgekommen ist „ein anderer André“, sagt der Mann, der seit dem 5. August wieder arbeitet. Keinen Tropfen Alkohol hat er seit Februar getrunken, „wir haben ja herrliche Biere wie das alkoholfreie Franziskaner“. Kein Fast Food mehr, jeden Tag Zeit für ein Frühstück, mehr Pausen, dreimal wöchentlich Fitness, auch mal ein Wochenende für Gabriela und sich.

Zwei Stunden vorm Gespräch mit der NP war Hilmer beim Arzt. „Das Blutbild war bestens, die Krankheit ist erstmal besiegt“, freut sich der Freizeitsportler, der wieder 85 Kilo wiegt, aber bei einem Körperfettanteil von nur 17 Prozent. „Ich habe mich auch mit dem Tod beschäftigt und bin reifer geworden“, sagt er. „Kleinigkeiten regen mich nicht mehr auf, ich genieße mehr und sehe in allem das Positive.“

Morgens, wenn er am Maschsee vorbeifährt, fällt Hilmer das besonders auf: „Da musste erst so ein Hammer kommen, damit ich sehe, wie schön das ist, wenn der See in der Sonne glitzert.“ Jetzt sieht er es.