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Leben in Hannover So geht Andoras Kunst unter die Haut
Hannover Leben in Hannover So geht Andoras Kunst unter die Haut
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00:15 30.08.2013
Von Zoran Pantic
Pop-Art-Star Andora.
Pop-Art-Star Andora.
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Hannover

Er hat schon viele Wege gefunden, um sein Werk zu transportieren. Deutschlands lautester Pop-Art-Künstler Andora (55) hat bereits einen Formel-1-Boliden, italienische Ape-Kleinsttransporter oder auch russische Weltraumraketen mit seinen Motiven bemalt. Jetzt trägt er seine Kunst auf dem eigenen Körper, jetzt geht sie ihm selbst unter die Haut. Es sind Tattoos (er selbst nennt sie lieber „Hautaquarelle“) von seinen „Schlüsselwerken“. Machen sie Andora zum Katalog seiner eigenen Kunst?

„Das könnte man so sehen“, sagt der Mann, der elf Jahre in Hannover lebte und nun wieder in seiner Heimat Berlin arbeitet. Aber: „Für mich ist es noch mehr, ich würde es als meine künstlerische Retrospektive bezeichnen.“ Dass er selbst zum Kunstwerk wird, hat aus seiner Sicht bestechende Vorteile: „Durch den Verkauf meiner Schlüsselwerke hatte ich zum Teil auch meine eigene Geschichte verloren. Auch deshalb habe ich mich dazu entschlossen, mir die Zeichnungen unter die Haut stechen zu lassen.“

Und es gibt noch einen ganz praktischen Aspekt, den er amüsiert anfügt: „So habe ich weder Transportkosten, noch muss ich große Kisten für meine Gemälde bauen lassen oder mich mit dem Zoll streiten. Ich setze mich einfach ins Flugzeug, komme in der Galerie an, ziehe mich aus und lasse meinen Körper betrachten.“

Noch ist das Gesamtkunstwerk Andora nicht fertig. 30 bis 40 Motive sollen es am Ende sein, die auf Armen und Oberkörper verteilt sind. Sie entstehen in Hannover. „Von einem Tätowierer ohne Namen, der noch nicht genannt werden will“, so der Pop-Art-Künstler. Schließlich sei das Werk noch nicht vollendet. In einigen Monaten soll es so weit sein, später sei auch eine „Andora World Tour“ geplant. Er selbst wird dann vor Ort im Mittelpunkt stehen, Fotografien, einzelne Werke und ein Buch sollen die Entstehung des Kunstwerks Andora erklären.

Doch was hat er selbst davon? Schließlich dienen Ausstellungen dazu, Käufer für die Kunst zu finden. Hier holt Andora aus. Die „Hautaquarelle“ seien die Idee eines japanischen Sammlers gewesen. „Er kennt meine Arbeiten, hat mich gefragt, ob ich meine Bilder auf meine Haut transferieren würde.“ Andora selbst soll dafür ein Honorar bekommen, das auch seine Präsenz auf Ausstellungen abdeckt. „Dieser Sammler hat das zeitlich unbegrenzte Recht, meine Hautaquarelle auszustellen“, so der Künstler. Endet das mit seinem Tod? „Dazu sage ich noch nichts, das überlasse ich der Phantasie der Menschen.“

Eines aber beantwortet er ganz klar. Tat es denn schon einmal so weh, dass er aufgeben wollte? Andora: „Nein! Mein Leben hatte viele schmerzhafte Szenen, an die ich mich mit jedem Stich gerne zurückerinnere. Ich habe sie ja schließlich auch alle überlebt!“