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Leben in Hannover Sie ist die Mutter der "Porzellan-Cafés"
Hannover Leben in Hannover Sie ist die Mutter der "Porzellan-Cafés"
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11:11 09.01.2017
Von Andrea Tratner
Alexandra Freis hat in Hannover zwei Porzellan-Cafés eröffnet.
Alexandra Freis hat in Hannover zwei Porzellan-Cafés eröffnet. Quelle: Wallmüller
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Hannover

Diana Ebner hält den Pinsel in der Hand und zieht zaghaft eine Linie am Rand der sternförmigen Schale. „Wie kriege ich es denn hin, dass der Rand weiß bleibt?“, fragt die 44-Jährige. Alexandra Fries, Inhaberin des Porzellan-Cafés in der List, weiß Rat: „Nicht erschrecken“, sagt sie, nimmt Ebner den Pinsel aus der Hand und zieht zügig Farbbahnen von der Mitte der Schale nach außen – die obere Kante bleibt so automatisch frei. „Man muss sich einfach was trauen, ein kleines bisschen Mut zeigen“, sagt die Frau, die den Trend nach Hannover gebracht hat.

Eine Obstschale mit selbstgemalten Äpfel-Motiven, ein Becher mit dem persönlichen Namenszug, eine Karaffe mit verspieltem Blümchenmuster. Auf den Tischen liegen Fotostapel, die die Besucher durchsehen können auf der Suche nach Inspirationen. Manche bringen eigene Ideen mit: Monika Reinbeck hat auf Papier ein Blumenmotiv vorgezeichnet, das sie jetzt vorsichtig auf eine eckige Schale paust und dann mit Bleistift nachzeichnet. „Ich war das erste Mal mit meiner Enkelin hier“, erzählt die 73-Jährige und strahlt, „das hat so viel Spaß gemacht. Ich habe jede Menge Ideen. Und das ist hier ja immer eine gesellige Runde.“ Stimmt. Im Porzellan-Café wird viel gelacht, geplaudert und gekichert, Jette und Lisa (zehn Monate alt) krähen fröhlich, als ihre Mütter die Babyfüßchen auf Becher drücken, um die Abdrücke dann an Omas und Opas zu verschenken. An diesem Morgen sind ausschließlich Frauen da. „Die Quote ist bei 99,9 Prozent, die
meisten sind zwischen 25 und
 50 Jahren alt“, sagt Fries. Allerdings kam neulich die erste Buchung einer Männergruppe. „In der List haben die Männer weniger Schwellenangst als in der Südstadt“, scherzt die Inhaberin.

Zu Beginn gibt sie allen Café-Besucherinnen eine kurze Einweisung: „Ganz wichtig ist, erst mal die Hände gründlich zu waschen. Die Rohkeramik ist sehr empfindlich gegenüber Fett.“ Handcreme oder die Reste von der Frühstücksbutter können Fingerabdrücke hinterlassen, auf denen die Farbe nicht haftet. In Regalen stehen 80 verschiedene Farbflaschen, von denen man sich nicht in die Irre führen lassen darf – denn der Ton ändert sich durch den Brennvorgang (etwa 30 Stunden bei 1000 Grad in zwei Spezialöfen). Auf kleinen Fliesen-Quadraten hat Fries deshalb jeweils das Endprodukt zum Vergleich dazugestellt. Sie warnt: „Pinselt man die Farbe nur einmal auf, wird die Fläche scheckig. Das ist nur schön, wenn man Wolken oder Wiesen malen will.“ Erst bei drei Malrunden wird der Farbton kräftig und glänzend. „Und zwischendurch immer trocknen lassen, so wie beim Nägellackieren“, vergleicht die 44-Jährige. Die Damen im Café nicken wissend.
Geduld muss man mitbringen für einen Besuch im Porzellan-Café. Viele stöbern erst mal in den Regalen, die sich unter 250 verschiedenen Rohkeramikformen fast biegen, nach dem richtigen Gefäß. Dann kann man Hilfsmittel wie Stempel, Schablonen oder Aufkleber auswählen oder eigene Muster mit dem Bleistift vorzeichnen. Bleiben da keine hässlichen Spuren zurück? „Der Brennofen ist wie ein großer Radiergummi, der löscht das Graphit weg“, beruhigt Alexandra Fries ihre Kundinnen.

Andrea Saathoff will an diesem Morgen Türknäufe für den Schrank ihrer Tochter aufpeppen. „Ich kannte Porzellan-Cafés bereits aus Hamburg“, erzählt sie, „es ist so toll, dass es so etwas jetzt endlich auch in Hannover gibt.“

Prese, Zeiten und Reservierungen

Alexandra Fries betreibt Porzellan-Cafés in der Südstadt (Dieckmannstraße 1, Telefon 0511/ 54 57 68 81) und in der List (Jakobistraße 20, Telefon 0511/62 87 01). Im Preis der Rohkeramik – zum Beispiel 15 Euro für einen klassischen Kakaobecher – ist eine Pauschale für die lebensmittelechten und spülmaschinengeeigneten Farben, Hilfsmittel, Glasur und Brennen eingerechnet. Geöffnet sind beide Läden mittwochs bis sonntags. Für Kindergeburtstage, Firmenfeiern und Jungesellinnenabschiede sollte man unbedingt vorher reservieren. Bis zu 25 Personen finden Platz. Kaffee und Cappuccino gibt es für je zwei Euro, Freis verkauft auch Limonade, Kakao und Capri-Sonne an die Gäste.

www.porzellancafe.de

In der List gibt es ein weiteres Studio mit ähnlichem Angebot: Unter dem Namen „Malzeit“ 
(Podbielskistraße 71, Telefon 0511/ 54 30 61 43) leitet Claudia Möller Besucher an, persönliche Keramik zu gestalten.
www.malzeit-hannover.de