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Leben in Hannover Sie haben ein Herz für zwei Tassen
Hannover Leben in Hannover Sie haben ein Herz für zwei Tassen
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10:59 05.12.2013
GUTES TEAM: Jikal M. Hassan
(rechts) freut sich, dass „Wasch-
weiber“-Chefin Aliki Manoli beim
Schieber-Café mitmacht.
GUTES TEAM: Jikal M. Hassan(rechts) freut sich, dass „Wasch-weiber“-Chefin Aliki Manoli beimSchieber-Café mitmacht. Quelle: Behrens
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Hannover

Den „Coffee to go“ kennt man, jetzt wird es in einigen Lokalen auch den „Coffee for free“ geben. Kaffee für umsonst? Das hat Hannover der Abiturientin Jikal M. Hassan (22) zu verdanken.

Das Konzept ist simpel: „Ich gehe in ein Café und kaufe zwei heiße Getränke. Ich bezahle zwar beide, trinke aber nur eins. Das andere ,schiebe‘ ich weiter“, erklärt die 22-Jährige. Und was passiert dann damit? „Der Kaffee wird nicht direkt ausgeschenkt, sondern erst mal notiert. So kann sich ein Bedürftiger auf Nachfrage damit aufwärmen“, so Hassan. Besonders im Winter sollen Schieber-Cafés Menschen mit wenig Geld mit kostenlosen Heißgetränken jeder Art, also auch mit Tees und Kakaos, versorgen. „Es gibt viele Menschen, die auf der Straße leben und frieren, denen will ich helfen“, sagt die 22-Jährige.

Das Lokal „Waschweiber“ (Limmerstraße 1) in Linden ist dank Hassans Engagements ab sofort Hannovers erstes Schieber-Café. Inhaberin Aliki Manoli (44) unterstützt die Aktion gern: „Ich finde die Idee einfach spitze, einige meiner Kunden werden da sicher mitmachen. So kann man sich mit wenig Geld für eine gute Sache einsetzen.“ Auch das Küchengarten-Café an der Limmerstraße will die Aktion unterstützen.

Ursprung ist der „Caffè sospeso“, der seit mehr als 100 Jahren in Neapel von Gastronomen ausgeschenkt wird, in den USA kennt man das Gratis-Getränk als „Suspended Coffee“. Hassan ist bereits 2012 durch ein soziales Netzwerk darauf aufmerksam geworden. „Als ich das gelesen habe, wollte ich direkt mit dem Oberbürgermeister sprechen. Das hat mir meine beste Freundin aber ausgeredet. Das war ihr zu spontan“, sagt sie und lacht.

Vor wenigen Wochen, als es kälter wurde, kam ihr die Idee wieder in den Sinn. „Ich habe mich aufgeregt, dass ich nicht genug Geld zum Shoppen hatte“, erinnert sie sich, „aber dann habe ich vor der Tür meiner Bank einen Obdachlosen gesehen, der fürchterlich fror. Da wurde mir bewusst, wie egoistisch ich bin.“ Seitdem kämpft sie für Schieber-Cafés in Hannover.

In den vergangenen Wochen traf sie dabei immer wieder auf helfende Hände: „Bei der SPD wurde mir Unterstützung zugesagt, und ein Werbeunternehmen schenkt mir 50 Plakate, um die Schieber-Cafés als solche auszuzeichnen.“ Sie ist äußerst optimistisch: „Jetzt fehlen nur noch mehr Läden, die mitmachen. Lasst uns gemeinsam helfen!“ Tolle Idee - nicht nur in der Adventszeit!

3 Welche Cafés mitmachen, erfährt man auf Facebook unter „Schieber-Café Hannover“.