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Leben in Hannover Schuhe, Yoga und ein Marmeladenglas
Hannover Leben in Hannover Schuhe, Yoga und ein Marmeladenglas
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09:51 06.06.2013
Von Maike Jacobs
HANDARBEIT:
Filippig hat selbst eine 
Kollektion entworfen.
HANDARBEIT:Filippig hat selbst eine Kollektion entworfen. Quelle: Mast
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Hannover

Vor 15 Jahren eröffnete er das Schuhcaffè am Holzmarkt, in der Eisfabrik lehrt er Yoga, er ist einer der Geschäftsführer des Quellwasser-Vertriebs IQ-Waters, Schauspieler, Marathonläufer, Fußballspieler, Schuhdesigner und Vater zweier Kinder: Marco Filippig (44) ist ein echter Tausendsassa.

Hat sein Tag eigentlich 48 Stunden? „Das Schauspielen habe ich derzeit etwas zurückgestellt“, gibt Marco Filippig zu, „aber das heißt ja nicht, dass ich es ganz aufgebe.“ Natürlich nicht!

Geboren wurde Marco Filippig in Hannover. Sein Vater ist Italiener, die Mutter Spanierin, die Eltern arbeiteten in der Gastronomie. Marco lernte bei Schuhmulti Kienast, absolvierte eine Ausbildung zum Handelsassistenten und eröffnete seinen ersten eigenen Schuhladen: Casa Defi.

„Glücklich zu sein, ist dein Geburtsrecht“, sagt Filippig, und seine braunen Augen strahlen. Man nimmt es ihm ab. Egal, worüber er spricht, sei es die letzte Doppelkopfrunde oder der neue Internetauftritt des Schuhcaffè, er erzählt voller Begeisterung davon. Seine Philosophie: Auf die Golfbälle im Leben gut achten, ein paar M&M’s dazwischenlegen und dem Sand nicht zu viel Beachtung schenken. Wie bitte?

Schon sprudelt die Geschichte aus ihm heraus von einem Professor, der in ein Marmeladenglas Golfbälle füllt und dann seine Studenten fragt, ob es voll sei. Sie bejahen. Da nimmt er kleine M-&-M-Schokolinsen und schüttet sie ebenfalls ins Glas: Die Studenten bestätigen wieder, dass das Glas voll ist. Doch auch Sand passt in das eigentlich „volle“ Glas, sogar noch zwei Dosen Bier kann er hineinschütten. Das Glas ist das Leben, die Golfbälle stehen für die wichtigen Dinge wie Familie und Gesundheit, die M&M’s für Arbeit, der Sand für die Kleinigkeiten. „Wenn man sein Leben mit lauter Kleinigkeiten füllen würde, wäre kein Platz für die Golfbälle“, sagt Filippig, „man muss wissen, was wichtig ist.“

Wichtig für ihn ist die Familie, mit seiner neuen Frau hat er eine zweijährige Tochter, außerdem hat jeder Partner einen Sohn mit in die Patchwork-Familie gebracht. Stark geprägt hat ihn aber auch das Yoga. Wolfgang Piontek, Regisseur der Theatergruppe Commedia Futura, bei der Filippig gespielt hat, hat ihn zum Männer-Yoga mitgenommen: „Ich suchte damals nach etwas, was richtig hottet.“ Zehn Jahre ist das her: „Ich war Mitte dreißig und habe geschwitzt wie ein Jugendlicher“, lacht er. Seit fünf Jahren ist er zertifizierter Kundalini-Yogalehrer und gibt in der Eisfabrik Kurse. Yoga habe ihn nicht nur stärker und fitter gemacht, sondern auch gelassener, stressfreier und glücklicher. „Beim Yoga geht es nicht ums Gewinnen, es geht um Erfahrung“, sagt der ehemalige Leistungssportler, „ich bin kein esoterischer Typ, aber mein Leben ist mehr im Einklang.“

Sein Schuhgeschäft betreibt er voller Leidenschaft. Regelmäßig reist er nach Italien, besucht die kleinen Familienbetriebe in der Region Marken und sucht dort die Schuhe für sein Schuhcaffè selbst aus: „Ich kenne die Handwerker alle persönlich.“ Er schwärmt sogleich von den Menschen, ihren Geschichten, ihren Ideen. Das gilt auch für seine eigene Kollektion, die er entworfen hat: „Meine Schuhe sind keine Massenware, sondern werden per Hand in kleiner Auflage angefertigt. Sie haben eine Geschichte, und so kann man sie ganz anders wertschätzen.“

Fehlt aber noch das Bier im Marmeladenglas, oder? Da lacht Marco Filippig und der Schalk blitzt: „Egal, wie schwierig das Leben auch sein mag, es sollte doch immer noch Platz für ein oder zwei Bier sein.“